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»Wir werden an die Substanz gehen müssen«

Die benachbarte EKM steht aus Sicht ihres Finanzdezernenten wegen der Corona-Krise vor harten Sparbemühungen
epd
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© Thorben Wengert / pixelio.de

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) will die im Zuge der Corona-Krise erwarteten Einnahmeausfälle in diesem Jahr mit Hilfe ihrer Rücklagen ausgleichen. Es müsse bei der Kirchensteuer mit Mindereinnahmen von etwa elf Millionen Euro 2020 gerechnet werden, sagte der Finanzdezernent der Landeskirche, Stefan Große, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für eine tragfähige Prognose für 2021 sei es zwar noch zu früh. Klar sei aber, "wir werden an die Substanz gehen müssen", sagte der Oberkirchenrat.

Die Kirchensteuer hatte in den vergangenen Jahren dank der Lohnsteigerungen immer wieder Rekordergebnisse erreicht, obwohl die Mitgliederzahlen der Landeskirche genauso kontinuierlich sanken. Wegen der Corona-Krise würden die im aktuellen Doppelhaushalt der EKM einberechneten 107 Millionen Euro wohl um etwa zehn Prozent verfehlt, sagte Große. Der EKM ergehe es damit wie den anderen Landeskirchen und katholischen Bistümern auch. Der Rückgang der Kirchensteuer, die an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt ist, ist vor allem der Kurzarbeit im Zuge der Corona-Pandemie geschuldet, denn auf das Kurzarbeitergeld wird keine Kirchensteuer erhoben. Auf eine Haushaltssperre solle zunächst verzichtet werden, sagte Große. Auf ihrer Herbsttagung im November müsse sich die Landessynode der EKM aber dieser Frage stellen. Darüber sei er mit dem Haushaltsausschuss des Kirchenparlaments bereits im Gespräch. "Ohne einige Sperrvermerke wird es nicht gehen", so der Finanzdezernent. "Wir gehen aber bis an die Grenzen, um unsere Angebote nicht kürzen zu müssen", sagte er. Die Thüringer Landeskirche und die der Kirchenprovinz Sachsen hätten sich ja gerade auch aus finanziellen Erwägungen heraus 2009 zusammengeschlossen.

Viele Reformen, vor denen andere Einrichtungen noch stünden, seien mit der Fusion angegangen worden. Dazu zählte Große etwa die Budgetierung, die das in vielen öffentlichen Verwaltungen noch immer grassierende "Dezemberfieber" - wenn zum Jahresende ungenutzte Finanzmittel noch schnell ausgegeben werden - faktisch ausschließe. Zudem seien seit Gründung der EKM finanzielle Risiken beseitigt worden. Dazu zählte der Oberkirchenrat die Absicherung der Versorgungslasten, zuletzt durch Teile des Altvermögens der Kirchenprovinz Sachsen.

Auch bei den Beihilfen seien Vorkehrungen getroffen worden. Nicht zuletzt hat aus Großes Sicht die Reduzierung der Pfarrstellen Spielraum für die aktuelle Situation geschaffen. Die dennoch unumgänglichen Sparbemühungen müssen aus seiner Sicht alle Ebenen betreffen, von den Gemeinden bis zum Landeskirchenamt. Das setze die Bereitschaft und das Verständnis aller Beteiligten voraus. Im Kollegium des Landeskirchenamtes wie auch beim Haushaltsausschuss sei dieses Signal angekommen, so Große. Er hoffe auf ein schnelles Ende der Kurzarbeit und ein Anspringen der Konjunktur. Schaue man auf die Aktienmärkte als Vorboten künftigen wirtschaftlichen Erfolgs, sei diese Hoffnung auch nicht völlig unberechtigt. Andererseits verabschiedeten sich mehr und mehr Männer und Frauen der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Diesen Problemen von morgen stelle man sich. Für heute gelte indes "wir fliegen auf Sicht", so der Finanzdezernent.

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