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Glaubwürdig bis zuletzt

Christine Reuther
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Was man selbst für sich als richtig empfindet, ist das eine. Was man als öffentliche Person vertritt, etwas anderes. Um glaubwürdig zu sein, sollte sich beides nicht unterscheiden. Und so sollte auch bei öffentlichen Statements immer gefragt werden: Kann ich das mittragen? Ist nun Nikolaus Schneider als Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht mehr glaubwürdig, wenn er seiner Frau zusichert, sie beim selbstbestimmten Sterben zu begleiten?

Denn die Kirche lehnt nach wie vor jede Form der organisierten und vor allem der kommerziellen Beihilfe ab. Menschen könnten gedrängt werden, diese auch zu nutzen. Andererseits ist die Angst bei vielen groß, dass bei einer schweren Erkrankung das Leben nur unter Qualen zu Ende gelebt werden kann.

Es gibt aber auch die Angst, bei Legalisierung aktiver Sterbehilfe, im Alter bei schwerer Pflegebedürftigkeit und Demenz vielleicht »entsorgt« zu werden – auf vermeintlich eigenen Wunsch hin. Oder als unheilbar Kranke das Gefühl zu haben, der Umgebung zu sehr zur Last zu fallen.

Auch die Politik will das nicht zulassen. So hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für ein Verbot jeglicher Form von organisierter Sterbehilfe ausgesprochen. Er finde es »bedenklich, wenn organisierte Hilfe zur Selbsttötung als Alternative zu einer medizinischen Behandlung beworben wird«, sagte er unlängst dem »Ärzteblatt«.

Man kann Kirche und Politik nur ermuntern, bei ihrer Haltung zu bleiben. Und Nikolaus Schneider ermutigen, seiner Frau seelsorgerlich beizustehen – bis zur Stunde ihres Todes, falls ihre Erkrankung keine Heilung findet. Dann bleibt er auch glaubwürdig – als Christ und als ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender.

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3 Lesermeinungen zu Glaubwürdig bis zuletzt
Peter schreibt:
30. Juli 2014, 17:24

Wer die beiden Interviews mit Anne und Nikolaus Schneider in "Zeit" und "Stern" wirklich gelesen hat, der dürfte wissen, dass Herr Schneider seine vordem geäußerte Meinung zum Thema Sterbehilfe nicht geändert hat. Es ergibt für meinen Geschmack schon einen kleinen Unterschied, eine Sache als seine Auffassung zu verkaufen oder zu sagen: "Ich halte die Angelegenheit für absolut falsch, ich werde alles versuchen, Dich von meiner Meinung zu überzeugen, aber wenn ich zu schwach sein sollte, wenn das alles nichts fruchtet, wenn gar nichts mehr geht, dann werde ich - aus tiefer Liebe zu Dir - gegen meine eigenen Überzeugungen handeln und auch bei so einer Entscheidung zu Dir stehen. Für mich kommt das allerdings nicht in Frage." Nichts anderes hat Herr Schneider sinngemäß ausgedrückt in Bezug auf den ihm offensichtlich liebsten und wertvollsten Menschen, den er trotz anderer Auffassung in dieser Frage des selbstbestimmten Todeszeitpunktes als autarkes Gegenüber wahrnimmt, respektiert und ernst nimmt und nicht als bloßes Anhängsel seiner selbst. Ehrlichere, schonungslos offenere und authentischere Interviews, als diese beiden dürfte es in letzter Zeit kaum gegeben haben. Daher ist es wohlfeil, die Glaubwürdigkeit von Nikolaus Schneider in Frage zu stellen. Und unangemessen. Die beiden werden für die kommenden Wochen viel Kraft und Zuspruch nötig haben, keinesfalls jedoch schulmeisterliche Ratschläge oder Vorhaltungen im Stil "anderen Wasser predigen, aber selber Wein trinken", den ich auch schon las und der in dem in Frage stehenden Zusammenhang für noch unangebrachter halte. Die Hochachtung und den Respekt vieler Menschen in diesem Lande für ihre Ehrlichkeit und ihr Zeugnis haben sie jedenfalls zu Recht.

L.S. schreibt:
06. August 2014, 0:04

Schneider, als Repräsentant unserer Kirche konnte ich nicht leiden, weil er für den Ausstieg aus der Atomtechnologie warb. Technologie, wo zu auch die Kernfusion der Zukunft gehört und vielleicht die wichtigste Energie sein wird, wo durch eine wachsente der Weltbevölkerung ihr tägliches Brot hat. Energie ist letztlich Brot, Gesundheit, Bildung und dafür brauchen wir die Atomenergie, so oder so ist Festgestellt von allen großen Ländern der Welt, außer in Deutschland. Sich bei dieser Technologie sich so grundsätzlich feindlich festzulegen wie Schneider, ist allein schon daher sehr falsch.

Gast schreibt:
28. August 2014, 10:15

Verehrter Herr Schuster,
Sie unterscheiden sich leider nicht von anderen Brunnenvergiftern unter den Leserbriefschreibern. Es geht hier nicht um Ihre Liebe zum Strahl-Atom und zum SuperGAU. Es geht hier um Sterbehilfe. Dazu können Sie hier schreiben, oder Sie schweigen einfach...

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 31 | 3.8.2014 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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