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Eine Wahl ohne Kampf

Uwe Naumann
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Profillos, farblos, konturlos. Die Kritik nach den Vorstellungsrunden der vier Kandidaten für das Bischofsamt hört sich in Dresden und Leipzig ähnlich an. Dabei war das Interesse der Kirchenbasis doch beachtlich. Aber auch die Erwartungen waren groß: an Kandidaten, die sich profilieren wollen, an eine Art Wahlkampf, in dem Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich werden, an einen künftigen Bischof mit Visionen.

Doch nichts oder nur wenig davon ist zu hören. Die Kandidaten wollen sich nicht voneinander abgrenzen, wollen eine Wahl ohne Kampf, so wie es unter Brüdern und Schwestern im Geiste üblich ist. Gleichzeitig stehen zu viele Themen auf dem Programm, als dass in einzelnen Bereichen tiefergehend diskutiert werden könnte. Nach zwei Stunden Vorstellungsrunde geht die interessierte Kirchenbasis etwas ratlos nach Hause – und darf nicht entscheiden, wer künftig die geistliche Leitung in der Landeskirche hat.

Die Kirchenverfassung schreibt nur der Landessynode das Wahlrecht für das Bischofsamt zu. Die Synodalen werden für die Entscheidungsfindung immerhin drei Tage Zeit haben – und viele Möglichkeiten, die Kandidaten einzeln zu prüfen. Auch in den anderen Gliedkirchen der EKD wird dieses Wahlprinzip angewendet – und hat sich bewährt. Bei den Katholiken wird der künftige Bischof gar nicht öffentlich befragt oder gewählt, sondern oft aus dem Vatikan bestimmt.

Wer mehr Mitbestimmung in Sachen Wahl will, müsste sich dafür noch mehr Zeit zur Information nehmen, auch Zeit zum Gebet – gerade, wenn die Unterschiede so gering erscheinen. Doch allein schon die geringe Beteiligung bei den Wahlen zum Kirchenvorstand lassen große Zweifel daran, das Wahlrecht auf breitere Füße zu stellen.

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36 Lesermeinungen zu Eine Wahl ohne Kampf
Sabine Graul schreibt:
13. Mai 2015, 18:28

Ich wünsche mir keine(n) Bischof/Bischöfin, der/die sich profiliert, sondern der/die ein Profil bildet - nicht nur ein eigenes bzgl. der Amtsführung, sondern ein Profil als Ausdruck unserer Kirche; als das, woran man uns in der Vielfalt der Deutungsangebote unserer Zeit erkennt.

Wahlkampf? Wozu? Das ergibt doch nur Sinn, wenn die Wahl von Beginn an möglich ist; also nicht nur aus Vorschlägen, die aus dem undurchsichtigen Knäuel der Kirchenleitung kommen. Es läuft doch so: die Kirchenleitung benennt Kandidaten, die aus ihrer Sicht geeignet sind und stellt die Synode vor die Wahl, nach dem Motto "friß oder stirb". Dass die Synode erstmals einen eigenen Kandidaten benennen durfte, kann darüber nicht hinwegtäuschen. Richtigerweise müsste es doch heißen: Kirchenleitung sucht Bischof/Bischöfin (für sich und die kirchlichen Mitarbeiter).

Eine Bedeutung des Bischofsamtes für die Basis ist doch gar nicht vorgesehen. In den §§ 27-30 der KIrchenverfassung, die sich mit dem Bischofsamt befassen, kommt das Wort Gemeinde ein einziges Mal vor - in dem Zusammenhang, dass der Bischof die Gemeinden zu visitieren hat. Ansonsten wird das BIschofsamt auf alle anderen Kirchen(leitende) Organe und die nicht-kirchliche "Welt" bezogen.

Überhaupt spielt die Basis nur eine untergeordnete Rolle: die geben ihre Stimme an andere Ebenen ab, wenn sie die Kirchvorsteher gewählt haben - danach ist für das "gewöhnliche Gemeindeglied" keine Einflussnahme mehr möglich. Sie sind ausgeschlossen.

Dass sollte man sich bewusst machen, wenn man zu solchen Vorstellungsrunden geht - das schützt vor falschen Erwartungen. Und man muss sich dann nicht wundern, wenn KIrchenglieder den Namen des amtierenden Bischofs nicht kennen.

Nächste Frage: warum ist die Wahlbeteiligung an den KV-Wahlen denn so gering?

manuel schreibt:
14. Mai 2015, 5:58

Liebe Frau Graul,
gefallen Sie sich eigentlich sehr in der Rolle des frustrierten und teilnahmslosen "Beobachters"? Vielleicht sollten Sie sich "Beobachterin" nennen?
Sind Sie denn zur KV-Wahl gegangen? Oder ist auch das alles nur Show - die abgezogen wird um das Kirchenvolk zu täuschen? Vielleicht ist Demokratie für Sie ganz allgemein nur eine große Show - mit verschwörungstheoretischem Hintergrund. Dann wäre aber jedes Argumentieren vergebliche Liebesmühe. Manches von dem, was Sie sagen, erinnert mich an das Fach Staatsbürgerkunde - wo uns vieles über die westliche "Scheindemokratie" "erklärt" wurde.
Vielleicht hat die Kirche Nachholebedarf in Sachen Demokratie. Sie aber auch - und zwar im Ernstnehmen von Entscheidungsprozessen, im Ernstnehmen von Leitungsgremien, für die gewählt wird. Warum die Kandidaten so "farblos" sind? Weil sie wissen, dass sie mit Positionen anecken - bei denen, die sie wählen sollen. Wie wird denn zB. hier im Forum - im Schutz der Anonymität argumentiert - mit Dreck geworfen, unter der Gürtellinie angegangen, unsachlich verzerrt gezetert? Was wird hier ohne nachzudenken geschimpft! Und da soll man Kante zeigen? Na - schönen Dank auch!
Die Kandidaten verhalten sich taktisch, denn sie wollen alle gewinnen. Die Art des Dresdner Podiums zeigt in Wirklichkeit, wie umkämpft diese Wahl sein wird und wie knapp ihr Ausgang - und wie unberechenbar diejenigen sind, die den Bischof / die Bischöfin wählen sollen. Das sind vergleichsweise normale Vorgänge - keine Show, die zur Täuschung des Volkes abgezogen wird.
Wenn Sie die Gemeinde in den §§ 27-30 der Kirchenverfassung vermissen, sollten Sie sich die Aufgabenliste in § 27 vielleicht nochmal vertiefter anschauen - und daran denken, dass die vielen Aufgaben betreffs der Pfarrer ja vielleicht auch gewisse Auswirkungen auf die Gemeinden haben. Auch § 27, Abs 2 allein ist eine Herkulesaufgabe, an der er genug zu tragen hat - und all das steht VOR den Aufgaben, die er betreffs der kirchenleitenden Organe hat. Die "anderen kirchlichen Leitungsorgane" werden übrigens ebenfalls recht kurz abgehandelt - und dass die nichtchristliche Welt vorkommt, werden Sie hoffentlich den Autoren der Verfassung nicht ernsthaft vorwerfen - in einer Zeit, in der 80% der Bevölkerung Sachsens der Kirche nicht angehören.
Ich hoffe, dass Sie selbst anders argumentieren würden, wenn das ganze Kirchenvolk den Bischof wählen könnte. Im Gewähren von Freiheit für die Gemeinden kann unsere Landeskirche tatsächlich eine Menge lernen. Hoffentlich kandidieren Sie das nächste Mal für den KV - und motivieren durch guten Wahlkampf viele Leute, Sie zu wählen. Vielleicht haben Sie es auch beim letzten Mal getan - was ich zu Ihren Gunsten einfach mal annehmen möchte. Wenn nicht, sollten Sie überdenken, was Sie hier schreiben.

Sabine Graul schreibt:
14. Mai 2015, 7:37

Sehr geehrter Manuel,

anders als viele andere, verstecke ich mich hier nicht hinter einem Pseudonym, sondern schreibe unter meinem richtigen und vollständigen Namen. Einige, die in diesem Forum mitlesen, können dem Namen auch ein Gesicht zuordnen usw.

1) Ich habe mein Wahlrecht bei den KV-Wahlen tatsächlich ausgeübt. Meine Frage diesbezüglich hat einen konkreten Hintergrund: in vielen Gemeinden war es so, dass es gerade genauso viele Kandidaten wie Plätze im KV gab. An der Stelle ist es schlicht keine Wahl, also sparen sich viele den Weg und einen "Wahlkampf" braucht es dann auch nicht. Andererseits sieht man an den KV-Wahlen auch, wie viele "Karteileichen" wir im Kirchenkeller haben - Menschen, die formal der Kirche angehören, die sonst aber keinen Bezug dazu haben.

2) Den Rest Ihres Artikels habe ich zur Kenntnis genommen. WIr werden an der Stelle nicht zu einem Konsens kommen. Ich glaube nicht an die Unberechenbarkeit der Landessynode und inwieweit, die Aufgaben des Bischofs in Bezug auf Pfarrer, Auswirkungen auf eine Gemeinde hat, hängt vom Pfarrer ab. Da sehe ich keinen Automatismus. Dass es eine enge Wahl geben wird, glaube ich auch; allerdings nicht zwischen allen vier, sondern nur zwischen zwei Kandidaten.

3) Ich bin keineswegs frustriert. Ich beobachte; ich bilde mir eine Meinung anhand dessen, was ich sehe und was ich aus anderen (auch internen) Zusammenhängen weiß. Mag sein, dass ich dabei Dinge übersehe oder nicht im Blick habe. Dann bin ich gerne bereit, dazu zu lernen und meine Positionen zu überdenken. Nicht aber aufgrund von persönlichen Angriffen.

Beobachter schreibt:
14. Mai 2015, 8:34

Liebe Frau Graul,
ich glaube aauch nicht an die Unberechenbarkeit der Landessynode.
Ich habe über Jahrzehnte in 3 vollkommen verschiedenen Landeskirchen (DDR und BRD!) in Gemeindeleitungen mitgearbeitet und mir auch immer " eine Meinung anhand dessen, was ich sehe und was ich aus anderen (auch internen) Zusammenhängen weiß" gebildet.
Wenn es dann um Kandidaten für Kreis-und Landessynode ging, haben sich mitdenkende und und praktisch veranlagte Menschen fast immer abgeduckt. Hingeschickt wurden dann oft Leutem die kaum eine eigene Meinung hatten und alles absegneten was von Oben (der Herr Bischof und die anderen Studierten haben das ja gelernt und wissen was richtig ist!) absegneten. Schon damals und heute mehr denn je kommt hinzu, daß starke Lobby grüppchen unterwegs sind.
Da ist die jetzige (vorgegebene und vorherbestimmte) sächsische "Bischofswahl" ganz sicher eine Show. Ich müßte mich stark irren, wenn ich nicht erahnte, wer das (vorgegebene) Rennen macht?
Falten wir die Hände, daß das nicht zur Gewißheit wird!
Freundliche aufmunternde Grüße!

Sabine Graul schreibt:
14. Mai 2015, 9:16

Lieber Beobachter,

"Wenn es dann um Kandidaten für Kreis-und Landessynode ging, haben sich mitdenkende und und praktisch veranlagte Menschen fast immer abgeduckt."

Das mag daran liegen, dass es solche Menschen in der Kirche besonders schwer haben, weil sie unbequem sind.

"Hingeschickt wurden dann oft Leutem die kaum eine eigene Meinung hatten und alles absegneten was von Oben (der Herr Bischof und die anderen Studierten haben das ja gelernt und wissen was richtig ist!) absegneten."

Das kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach, liegt das Problem woanders. Man will sich als Kandidat für dieses oder jenes einsetzen, manches ändern - und wird von den (kirchen-)politischen Realitäten eingeholt. Hinzu kommt, dass bei zu treffenden Entscheidungen jeder Einzelne mit seiner eigenen Meinung da sitzt. Da wird viel zu selten die Rückfrage gestellt, ob ich eine Entscheidung im Sinne derer treffe, die ich eigentlich vertrete, oder im Sinne meiner eigenen Vorstellungen/Wünsche/Meinungen.

Das ist kein Vorwurf an die betreffenden Personen! Das bringen die (Gremien- und Entscheidungsfinungs-)Strukturen m.E. zwangsläufig mit sich. Ich plädiere einfach nur dafür, sich das an vielen Stellen häufiger bewusst zu machen.

Das von Manuel erwähnte Taktikargument beschäftigt mich: alle Kandidaten sind eigentlich so in die Strukturen eingebunden, dass in dem Gremium, das die Bischöfin/den Bischof zu wählen hat, die Ecken und Kanten der Kandidaten im Wesentlichen bekannt sein sollten. Eigentlich bedarf es da keiner Taktik.

Beobachter schreibt:
14. Mai 2015, 11:33

Liebe Frau Graul,
genau das ist es, da " in dem Gremium, das die Bischöfin/den Bischof zu wählen hat, die Ecken und Kanten der Kandidaten im Wesentlichen bekannt sein sollten"!
Darum ist in diesem Gremium, das von einer kleinen aber äußerst starken Lobbygruppe durchsetzt/unter Druck gesetzt wird, sicher längst klar, wer es werden soll. Alles andere ist mit großer Wahrscheinlichkeit nur Show für das "Volk", das so gut wie nichts zu melden hat?
Schönen Feiertag!

manuel schreibt:
14. Mai 2015, 11:40

Lieber Beobachter, sagen Sie mir, wer es wird?

Beobachter schreibt:
14. Mai 2015, 12:31

Warum gerade Ihnen?

manuel schreibt:
15. Mai 2015, 14:38

Weil ich es in 3 Wochen sowieso weiß - Sie aber jetzt noch glänzen könnten mit vermeintlich sicheren Prognosen, die Ihre prophetische Gabe unter Beweis stellen könnten. So werden Sie auch die 3 Wochen abwarten und danach sagen: Sehen Sie, ich habs gewusst. Aber so ist das oft: Die Wissenden wissen vor allem danach immer alles. Ich brauche Sie wohl nicht so ernst zu nehmen.

manuel schreibt:
14. Mai 2015, 11:39

Liebe Frau Graul,
sicher sind die Kandidaten vielen Wählenden bekannt. Aber viele Synodale sind auch neu - und ich schätze, dass ca. 10-15% der Synodalen tatsächlich noch unentschlossen sind. Die können durchaus entscheidend sein - und lassen sich beeinflussen. Taktik ist immer sinnvoll.
Wo immer sich Leute für ein Gremium wählen lassen und verändern wollen, wird es auch die Erfahrung geben, dass sich nicht alles umsetzen lässt. Gremienarbeit ist nur für Leute sinnvoll, die kompromissfähig sind und es nicht als Niederlage empfinden, nicht alles durchgesetzt zu haben, sondern als Erfolg, wenigstens ein Drittel geschafft zu haben.
Mich störte an Ihrer Äußerung, dass Sie - und der Beobachter - den Ausgang der Wahl für so sicher halten (wer wird es denn nach Ihrer Meinung?), dass Sie im Grunde daran zweifeln, dass es überhaupt eine Wahl wird. Und das geht mir doch deutlich zu weit. Sicher ist manches Wahlergebnis wahrscheinlicher als andere - trotzdem wird es eine Wahl gewesen sein.
Bei uns gab es übrigens mehr Kandidaten als Plätze bei der letzten KV-Wahl. Und es war spannend. Und es sind nicht nur die gewählt worden, die unserem Pfarrer gefallen hätten.
Viele Grüße,
manuel

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