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Eine Wahl ohne Kampf

Uwe Naumann
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Profillos, farblos, konturlos. Die Kritik nach den Vorstellungsrunden der vier Kandidaten für das Bischofsamt hört sich in Dresden und Leipzig ähnlich an. Dabei war das Interesse der Kirchenbasis doch beachtlich. Aber auch die Erwartungen waren groß: an Kandidaten, die sich profilieren wollen, an eine Art Wahlkampf, in dem Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich werden, an einen künftigen Bischof mit Visionen.

Doch nichts oder nur wenig davon ist zu hören. Die Kandidaten wollen sich nicht voneinander abgrenzen, wollen eine Wahl ohne Kampf, so wie es unter Brüdern und Schwestern im Geiste üblich ist. Gleichzeitig stehen zu viele Themen auf dem Programm, als dass in einzelnen Bereichen tiefergehend diskutiert werden könnte. Nach zwei Stunden Vorstellungsrunde geht die interessierte Kirchenbasis etwas ratlos nach Hause – und darf nicht entscheiden, wer künftig die geistliche Leitung in der Landeskirche hat.

Die Kirchenverfassung schreibt nur der Landessynode das Wahlrecht für das Bischofsamt zu. Die Synodalen werden für die Entscheidungsfindung immerhin drei Tage Zeit haben – und viele Möglichkeiten, die Kandidaten einzeln zu prüfen. Auch in den anderen Gliedkirchen der EKD wird dieses Wahlprinzip angewendet – und hat sich bewährt. Bei den Katholiken wird der künftige Bischof gar nicht öffentlich befragt oder gewählt, sondern oft aus dem Vatikan bestimmt.

Wer mehr Mitbestimmung in Sachen Wahl will, müsste sich dafür noch mehr Zeit zur Information nehmen, auch Zeit zum Gebet – gerade, wenn die Unterschiede so gering erscheinen. Doch allein schon die geringe Beteiligung bei den Wahlen zum Kirchenvorstand lassen große Zweifel daran, das Wahlrecht auf breitere Füße zu stellen.

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36 Lesermeinungen zu Eine Wahl ohne Kampf
Sabine Graul schreibt:
14. Mai 2015, 12:17

Sehr geehrter Manuel,

dann haben Sie mich missverstanden.

Ich habe kritisiert, dass die Vorschläge für die Wahl aus dem Internen der Kirchenleitung kommen, hier also Kandidaten ausgewählt wurden, die der Kirchenleitung genehm sind. Das ist keine Kritik an den Kandidaten oder ein Bezweifeln der Fähigkeiten. Ich habe lediglich geschrieben, dass eine Wahl für mich da beginnen würde, wo die Vorschläge nicht aus dem eigenen Mitarbeiterkreis kommen. Hinzu kommt, dass nach dem Kirchengesetz zur Wahl des Landesbischofs und des Präsidenten des LKA auch in Kontakt mit der VELKD und der EKD zu treten ist. Was passiert denn, wenn von dort Unmut über diese Vorschläge geäußert wird? Da ist so viel Klüngel (andere nennen das Diplomatie) und Kirchenpolitik im Spiel, dass das Wesentliche aus den Augen verloren geht - und das ist es, was es aus meiner Sicht zur Farce macht. Das ist in der weltlichen Politik allerdings nicht viel anders.

Es gibt vier Kandidaten. Aus meiner Sicht wird es eine knappe Entscheidung zwischen zwei Kandidaten werden. Natürlich kann ich mich auch irren. Ich halte einen Ausgang für wahrscheinlich; mit Gewissheit hat das nicht viel zu tun.

Ich bitte um Verständnis, dass ich hier nicht mit Namen um mich werfe. Ich persönlich habe eine(n) Favoriten/Favoritin. Angesichts dessen, wie allerdings mit solchen Äußerungen, insbesondere in diesem Forum, umgegangen wird, werde ich mich nicht näher äußern. Ich habe eine Verantwortung gegenüber diesem Menschen, der/die hinter diesem Namen steckt - und nicht nur diesem einen Menschen gegenüber, sondern allen Kandidaten/Kandidatin.

Beobachter schreibt:
13. Mai 2015, 18:43

"Nach zwei Stunden Vorstellungsrunde geht die interessierte Kirchenbasis etwas ratlos nach Hause – und darf nicht entscheiden, wer künftig die geistliche Leitung in der Landeskirche hat."
Das agt doch Alles und Frau Graul hat es genau analysiert und beschrieben!

Sabine Graul schreibt:
13. Mai 2015, 19:03

Nachtrag:

Es gibt noch einen Punkt, den man nicht übersehen sollte: ein(e)r der vier wird Bischof/Bischöfin, die anderen drei nicht. Ich gehe davon aus, dass keine(r) der Nichtgewählten seine Ordinationsurkunde nach der verlorenen Wahl zurückgeben wird. Das heißt, alle vier müssen auch in der neuen Konstellation miteinander arbeiten; sie tun gut daran, hier achtsam miteinander umzugehen, um Konflikte in der Zukunft zu vermeiden. Man mag das "konturlos" nennen, vorwerfen würde ich das den Kandidaten allerdings nicht.

Bastl schreibt:
14. Mai 2015, 22:31
Beobachter schreibt:
15. Mai 2015, 7:51

Es ist wirklich unglaublich, was da überall abgeht!

gastleser schreibt:
15. Mai 2015, 11:16

Prima.

Johannes schreibt:
15. Mai 2015, 12:09

Verehrter Herr Bast,
ich war kürzlich schon überrascht über Ihr politisches Outing; bisher waren Sie mir nur als Verfechter einer verbalinspirierten Bibel, als Glaubensgeraufter und als Anreger zum Kirchenaustritt bekannt. Dass Sie nun auch als Joachims Bruder im Pi-Geist offenbaren, macht mich irgendwie ratlos. Gehört denn Evangelikalismus und Rechtsextremismus zwangsläufig zusammen? Bisher habe ich das nicht so gesehen, zumal ich durch meine oekumenischen Kontakte überzeugende linke Pietisten kennen- und schätzengelernt habe.

Mit enttäuschtem Gruße

Johannes Lehnert

Johannes schreibt:
15. Mai 2015, 12:13

pardon, ein l fehlt. Und über "Glaubensgeraufter " musste ich im Nachhinein lächeln; ob das ein Freudscher war?
Nichts für ungut! Johannes

Bastl schreibt:
15. Mai 2015, 12:44

Lieber Herr Lehnert,
die Seite ist manchmal einseitig, aber sicher nicht rechtsextrem. Man erfährt halt Dinge, die man in den MSM nicht erfährt. Übrigens habe ich seit Jahren nicht gewählt; bin also politisch unbedarft.
Ich kritisiere aber die Islamisierung und finde den Deutschland-Hass neurotisch.
LG, Bastl

Johannes schreibt:
15. Mai 2015, 13:35

Lieber Bastl,
mir begegnet der Deutschlandhass nicht neurotisch, aber völlig unangebracht; denn auch diese schreienden Jugendlichen leben von den Segnungen der deutschen Demokratie und würden sich umsehen, wenn sie z.B. in Frankreich "Nie wieder Frankreich" schrieen. Ich entferne mich jedesmal demonstrativ von solchen Schreiern, weil im aufgeheizten Moment mit Ihnen nicht zu reden ist. In späteren Gesprächen stellt man fest, dass die Vernünftigen unter Ihnen meinen: "Nie wieder dieses nationalistische Deutschland, das von Trägern mit schwarzweißroter Fahne und Hitlergruß (auch bei LEGIDA - selbst gesehen!) bejubelt und begrüßt wird". - Dass sie damit den Deutschen, die hier bewusst leben, für das Wohl des Landes eintreten und gegen unrühmliche Entwicklungen aufstehen, in den A@ treten, interessiert sie oft nicht. Ich halte das für falsch; auch die Identifizierung der Polizei mit der Machtausübung ist unangebracht, sobald sich das mit Flaschen, Steinen oder Böllern ausdrückt. (Und das sage ich, obwohl ich in Leipzig wirklich unangebracht Polizeigewalt erlebt habe oder mitansehen musste , wen z.B. berittene Polizisten in eine friedliche Sitzblockade hineinreiten oder Jugendliche auf max. 50 cm Abstand Pfefferspray in die Augen sprühen. - Das erinnert mich dann schon an 1988, wo ich von meinen Nikolaikirchen-Bürofenster aus den Umgang der Polizei mit demonstrierenden Jugendlichen sehen musste. Und das habe ich Polizei-Gruppenführer schon gesagt, dass ich nicht beglückt bin, dieses Deja-vu zu erleben.)
Also: Manchmal verstehe ich die Wut von Jugendlichen, bin aber absolut dagegen, dass das mit "Nie wieder Deutschland"-Geschrei oder Böllerwerfen ausgedrückt wird.
Soviel mal zu der Frage, ob man von neurotischen Deutschland-Hass sprechen kann.

Mit freundlichen Gruß

Johannes

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