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Keine Macht den Machos

Tomas Gärtner
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Die Silvester-Exzesse von Köln haben uns Frauenfeindlichkeit mit ihrer hässlichsten Fratze gezeigt. Jenseits aller Diskussionen um schärfere Gesetze und mehr Polizei stellen diese scheußlichen Übergriffe auf rabiate Weise die Frage nach dem Stellenwert der Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserem demokratischen Wertekanon.

Machen Flüchtlinge unseren mühsam errungenen Konsens kaputt? Manches deutet auf abschätzige Haltungen einiger unter ihnen gegenüber Frauen hin. Kriminologe Christian Pfeiffer jedenfalls spricht von starken »Machokulturen«, beispielsweise in Ländern Nordafrikas, im ehemaligen Jugoslawien oder in der Türkei – betont aber im selben Atemzug, dass es dieses Problem natürlich unter schon immer in Deutschland lebenden Männern ebenfalls gibt. Allerdings hat es sich im Laufe der Jahre abgeschwächt.

Alles nur eine Frage der Integration also? Eine Verteidigung unserer guten »Hausordnung«, wie der Berliner Bischof Markus Dröge formulierte? Dafür müsste die integrierende Gesellschaft in puncto Gleichberechtigung vorbildlich sein. Was sie im Hinblick auf die Gesetze vielleicht, de facto aber längst nicht ist. Köln sollte als schrilles Alarmsignal verstanden werden, nicht locker zu lassen, den Wert der Gleichberechtigung nicht nur zu predigen, sondern zur Selbstverständlichkeit im Alltag zu machen.

Hilfreiche Zeichen könnten auch aus der evangelischen Kirche kommen. Gerade weil sie dies in ihren Reihen als langen Kampf um die Frauenordination ausgefochten hat. Auf Paragrafen sollten wir uns nicht ausruhen. Die Bibel liefert ein widersprüchliches Fundament. Jesus war ein Frauenfreund, Paulus weniger. Des Streitens aus guten Gründen kann kein Ende sein.

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24 Lesermeinungen zu Keine Macht den Machos
Beobachter schreibt:
13. Januar 2016, 13:36

So kann man natürlich den Terror von Köln auch "kommentieren"!

Britta schreibt:
13. Januar 2016, 15:30

Wer glaubt eigentlich, daß junge Erwachsene, die zeitlebens zur Verachtung von Frauen, besonders Ungläubiger, erzogen sind - sich hier integrieren, sprich umerziehen lassen? Wie sehr die Gleichberechtigung in unserem Lande gerade bei denen, die sonst Toleranz etc. in jedem zweiten Satz als Monstranz vor sich herführen, ein Lippenbekenntnis ist, zeigen die Relativierungsversuche und die schleppende Berichterstattung der Ereignisse von Köln und vielen anderen Großstädten sowie die Ablenkungsmanöver zur Thematik. Nun kommen auch international derartige Vorfälle, z.B. bei Festivals in Schweden, zutage.
Die Straftäter, von denen ja bislang nur eine Handvoll überhaupt belangt werden, müssen zum Schutz der eigenen Bevölkerung und zur Vermeidung des Generalverdachtes gegenüber allen Ausländern hier, sofort ausgewiesen werden, sie sind nie integrierbar! Nur dann kann sie der Rest, der vom Rechtsstaat übrigblieb, überhaupt noch Respekt verschaffen!

Beobachter schreibt:
13. Januar 2016, 15:56

Und bei diesen "Relativierungsversuche und die schleppende Berichterstattung der Ereignisse von Köln und vielen anderen Großstädten sowie die Ablenkungsmanöver zur Thematik." macht jetzt der "Sonntag" also kräftig mit!

Gert Flessing schreibt:
13. Januar 2016, 16:50

Ja, ja, Herr Gärtner, willkommen in der Realität. Leider ist es so, dass sich da in Köln und in Hamburg und an anderen Orten, nicht deutsche Männer zusammen gerottet haben, um verschleierten Mädchen unter die Burka zu fassen.
Aber natürlich - vermutlich hat jener Vertreter der Grünen Recht, der meint, dass alle Männer zu solchen Exzessen neigen. Ich hoffe nur, das er nicht von sich auf andere schließt.
Aber Sie meinen ja auch, dass es dieses Problem bei deutschen Männern auch gibt.
Es mag stimmen, dass in manchen Firmen und ähnlichem Männer auch mal übergriffig werden. Doch die meisten Frauen, die ich kenne, wüssten sich schon zu wehren. Es gibt übrigens nicht nur Frauenhäuser. ...
Ist es nicht so, dass wir es in der Silvesternacht mit einer völlig neuen Qualität der Aggression gegenüber Frauen zu tun haben, die es, in der Form, in Deutschland nicht gab UND dass diese Aggression von vorwiegend jungen Männern mit ausländischem Hintergrund, ja auch von Asylbewerbern, ausgeführt wurde?
Ist es nicht so, dass die überwiegende Mehrheit der Täter aus Regionen kommt, die von einem Islam geprägt ist, der ein Frauenbild hat, gegen das selbst das Frauenbild eines Paulus noch emanzipatorisch ist?
Es stört mich, das, beinahe reflexartig, versucht wird, diese Spitze, die unsere Gesellschaft trifft, abzubrechen und zu relativieren.
Wie wir das, als Gesellschaft, verkraften, wird sich noch zeigen müssen. Das es kein Geschehen ist, für das man alle, die geflohen sind, haftbar machen kann, versteht sich von selbst.
Die Familien, die hier, bei uns sind, sind sehr froh, das sie in einer Kleinstadt leben können, denn hier haben sie den Frieden gefunden, den sie zuhause nicht mehr hatten und diese Menschen schauen mit Angst auf die Exzesse von Köln und fragen sich und uns, warum da nicht viel härter reagiert wird, bevor sich diese neue "Jungmännerkultur" endgültig etablieren kann.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
13. Januar 2016, 18:31

Fragen über Fragen!
Herr Gärtner, hätten Sie mal lieber die Finger davon gelassen!

L. Schuster schreibt:
13. Januar 2016, 17:36

Die Feindlichkeit beginnt erst, wir gegen sie und die Flüchtlinge gegen uns.
Es wir nur noch Hass geben. Besonders werden sie die Flüchtlingshelfer hassen, die ihre Situation für sich nutzen. Die z. B. ihnen, völlig überteuerte 24-Monats-Verträge für ihre Handys auf schwatzten oft zusammen Fernseher zusammen mit 24-Monats-Verträgen für Pay-TV-Sender und ihnen die Beiträge, durch genauso überteuerte Inkassoanwälte abnehmen lassen. Das ist Deutschland. Oft geht hier ihre gesamten Sozialhilfe drauf und sie werden dann hundertprozentig jeden Deutschen und jede Deutsche hassen. Allah sei mir gnädig

manuel schreibt:
13. Januar 2016, 18:19

Als ich die Meldung einige Tage nach Silvester im Videotext der ARD zuerst entdeckte - unter "Ferner liefen" - dachte ich offen gesagt: "Gratulation ARD für den Mut, darüber zu berichten, denn das ist doch alles andere als politisch korrekt." Ich hatte schon befürchtet, dass wir so weit sind, dass von den Frauen, die jetzt Anzeige erstattet haben, stillschweigend erwartet werden würde, das hinzunehmen und zu schweigen, um der schönen "Wir schaffen das"-Euphorie nicht zu viel Wind aus den Segeln zu nehmen.
Wann kommen wir endlich dahin, Probleme bei der Zuwanderung mit der Sachlichkeit und Nüchternheit zu besprechen, die es dafür braucht? Die Hysterie, die in der Diskussion herrscht, bringt nichts - und eine klare Linie gibt es auch nicht: 1,2 Millionen Zuwanderern im letzten Jahr stehen 18.000 Abschiebungen im letzten Jahr gegenüber. Dh., dass 98,5% derer, die kommen, auch bleiben werden - Bescheide hin oder her. Wir stehen vor großen Herausforderungen, die ebenso große Probleme beherbergen können - und wir sind noch nicht mal fähig, offen zu reden - geschweige denn in irgendeiner Form Probleme zu lösen. Wer soll vor einem solchen Land Respekt haben? Die Zuwanderer? Wir?

manuel schreibt:
13. Januar 2016, 18:30

Ach so - stimmt ja: Den Artikel zu kommentieren hätte ich ja fast vergessen:
In dem Kommentar wird ja die Belästigung von Frauen in Köln gleichsam zur "heilsam-kritischen Anfrage" an unsere Gesellschaft, Gleichberechtigung vorbildlich vorzuleben. Na sowas: Wir sollten den Belästigern wohl dankbar sein, uns auf dieses Diskussionsdefizit aufmerksam gemacht zu haben? "Irgendwie müssen wir ja das Quantum Schuld, das wir alle an diesem Debakel tragen, ja noch herausfinden. Schließlich sind wir ja wohl immer mitschuldig." Offen gesagt: Mir ist das zuviel - ja im Grunde ist das doch wirklich fast masochistisch wirkende Selbstkritik! Mir reicht es wirklich! Das kann doch nicht sein! Ein Glück, dass kaum einer Kirchenzeitungen liest.

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