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Bin gleich zurück

Himmelfahrt ist Jesus aus den Blicken der Menschen verschwunden. Er versprach, wiederzukommen – doch der Glaube an den Jüngsten Tag liegt vielen Christen fern. Im Islamismus dagegen sorgt er für Terror.
Andreas Roth
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© Destina/fotolia.com

Der Jüngste Tag ist sehr alt geworden für viele Christen. Und weit in die Ferne gerückt. »Dass er eine lebendige Erwartung wäre, ist in unserer Kirche selten«, beobachtet Harald Lamprecht, der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der sächsischen Landeskirche. Und trotzdem ragt die Hoffnung auf ihn ins Heute: In Gestalt des islamistischen Terrors. Nach einem internen Dokument des IS will dieser einen »letzten Kampf« mit dem Westen provozieren. Gläubige gegen Ungläubige. Gott gegen Satan.

»Die Frage der Apokalyptiker ist: Gibt es Hoffnung?«, erklärt der Wiener Theologieprofessor Ulrich Körtner. »Diese Frage wird bejaht: Durch eine Katastrophe hindurch ist Heil zu erreichen.« Viele der jungen Islamisten und Selbstmord-Attentäter schleppen nach Aussagen von Sicherheitsexperten das Gefühl von Versagen, Ausgestoßensein und Perspektivlosigkeit mit in den Kampf. Ihre einzige Hoffnung scheint das Ende der Welt zu sein.

Die Wurzeln apokalyptischer Hoffnungen liegen im Jerusalem des 2. Jahrhunderts vor Christus. Der griechische Herrscher Antiochus IV. Epiphanes hatte die Stadt erobert und den Tempel mit griechischen Götterdarstellungen entweiht – für fromme Juden unerträglich. Nur noch in der Vorstellung eines Weltendes und eines göttlichen Gerichtes durch einen »Menschensohn« fanden sie Zuflucht. In der Auferstehung der Gerechten. So berichtet das biblische Daniel-Buch.

Zu Jesu Zeiten war es eines der populärsten Schriften in Israel. Jesus, seine Jünger und Johannes der Täufer gingen ganz selbstverständlich vom nahen Ende dieser Welt aus. Doch der Mann aus Nazareth gab ihm eine ganz neue Richtung: Das Reich Gottes komme nicht durch Gewalt – wie es die jüdische Gruppe der Zeloten versuchte – noch durch das peinliche Einhalten aller Gesetze bei den Pharisäern. Sondern es wächst schon jetzt. Unscheinbar und von selbst wie ein Senfkorn oder ein Sauerteig. Es begann, als Jesus Kranke heilte, Verzweifelte tröstete, Schuldige ohne Vorbehalt annahm, Tote lebendig wurden (Matthäus 11,5). Wie eine langsame Heilung.

Auch Jesus predigte wie Daniel im Alten Testament ein Ende der Welt mit einem Gericht durch den Menschensohn. Unsicher ist, ob er sich damit selbst meinte. Sicher ist, dass er vor jeder Spekulation über den Zeitpunkt warnte. »Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt« (Matthäus 24,42).

Zunächst aber ging der Herr. Gekreuzigt, gestorben, auferstanden. In den Himmel gefahren. Die ersten Christen warteten gespannt auf seine Wiederkehr. Zu Lebzeiten vergebens. So rückte die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde immer weiter fort in den Nebel einer fernen Zukunft. In Zeiten der Krisen aber wurde sie blitzartig lebendig: in den Gedanken Luthers etwa, aber auch – inspiriert von biblischen Motiven – in den Glaubenskriegen Mohammeds und im religiösen Zionismus.

Die großen Kirchen Europas meiden heute meist das Nachdenken über das Ende der alten Welt und ihre endgültige Erlösung. Dabei kommen die Fragen nicht zur Ruhe: All das Elend durch Kriege, Gewalt, Ungerechtigkeiten und Naturkatastrophen. Und auch die Hoffnung nicht: »Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein« (Offenbarung 21,4).

Es ist das Gegenbild zu einer terroristischen Hoffnung auf das Weltende. Gott sagt nicht Nein zur Welt. »Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen«, versprach er sich selbst nach der Sintflut (1. Mose 8,21). »Auf ewig.«

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