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Wunder oder Provokation?

Ruth Weinhold-Heße
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Leipzig-Grünau 1983: Auf dem Schwarz-Weiß-Foto ist ein Plattenbau zu sehen. Es wird noch gebaut, denn es erheben sich Sandberge davor, keine ebene Straße. Vorn im Bild schreitet forsch ein katholischer Geistlicher, die Mitra auf dem Kopf und den Stab in der Hand. Das Foto von Harald Kirschner zeigt geistliches Leben in der DDR und zwar das in der Öffentlichkeit. Zur Zeit ist es im Museum für Bildende Künste in Leipzig zu sehen. Das Neubaugebiet, inzwischen 40 Jahre alt, war eines der größten der DDR, aber doch erhielt es eine protestantische und eine katholische Kirche. Zur Einweihung des Gemeindezentrums St. Martin war Bischof Gerhard Schaffran angereist. Öffentliches christliches Leben in einem atheistischen Umfeld – passt das zusammen?

Man kann von einem Wunder sprechen, denn gehörten nach dem Krieg noch etwa drei Viertel der DDR-Bürger der evangelischen und zwölf Prozent der katholischen Kirche an, waren es in den späten 1980-ern nur noch rund ein Viertel Protestanten und vier Prozent Katholiken. Katholische Christen lebten also doppelt in der Diaspora. Das erklärte Ziel der DDR-Regierung, sozialistische – und nicht religiöse – Menschen zu erziehen, schien sich zu erfüllen.

Ist da der Katholikentag in Leipzig nun auch ein Wunder? Ein klares Bekenntnis inmitten einer Stadt, in der die allermeisten Menschen Atheisten sind? Oder ist er gar eine Provokation? Die Großveranstaltung, zu der über 31 000 Dauerbesucher erwartet werden, ist auf jeden Fall ein klares Zeichen: Uns Katholiken, uns Christen, gibt es – auch hier in Sachsen! Und an die Nichtgläubigen gerichtet: Wir klammern Euch nicht aus. Wir kommen zu Euch!

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DER SONNTAG, Nr. 22 | 29.5.2016 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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