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Gott sei Dank!

Dankbarkeit: Oft wird geklagt über das, was schlecht läuft. Dabei gibt es so viele Geschenke im Leben. Wer dankt, kann froher werden – das Erntedankfest lädt ein zu diesem Blickwechsel.
Von Werner Biskupski
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© Foto: S.H.exclusiv/Fotolia

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank!« singt die Gemeinde mit dem schönen Morgenlied von Christian Fürchtegott Gellert vielleicht auch am Erntedanktag. Viele singen es aus ganzem Herzen. Es tut gut, nicht allein zu sein, sondern in der Gemeinschaft der Heiligen zu spüren, dass ich beheimatet bin und getragen von einer tieferen Verbundenheit im Glauben.

Das spüre ich selbst dann, wenn ich die Menschen, die links und rechts von mir sitzen, gar nicht näher kenne. Ich erlebe eine Zugehörigkeit zu ihnen und zu Gott. In einem solchen Moment wird mir klar, dass Dankbarkeit über das hinausgeht, wofür ich gerade konkret danke: Dass ich so gesund bin, dass ich zur Kirche gehen konnte, dass dieser Morgen mich hoffnungsfroh stimmt. Weil ich weiß, dass diese Dinge nicht selbstverständlich sind sondern Geschenke, weist mein Dank darüber hinaus auf ein »Mehr«. Es ist dann so, dass von meiner Dankbarkeit gegenüber Gott etwas zurückfließt, das mich erfüllt und stärkt. Auch wenn Menschen einander danken, stimmt dies beide Seiten froh: Es geschieht mehr, als gerade mit Worten ausgedrückt wird.

Allerdings weiß jeder, dass einem keineswegs immer nach Lob und Dank zumute ist. Auch Gellert wird gewusst haben, dass man Gefühle nicht einfordern kann. Wenn ich einem besorgten Kranken sage: »Sei doch dankbar für das Empfangene!«, dann kann das zynisch wirken.

Es gibt genug Anlässe, wo mir der Dank auf den Lippen erstirbt und ich nur noch klagen kann oder in der Sprachlosigkeit versinke. Angesichts des schlimmen Mangels an Vernunft, der sich bei demagogischen Politikern und deren Anhängern weltweit breit macht, aber auch angesichts persönlicher Krisen, wie einer ernsten Erkrankung oder dem Erleben von Entfremdung in der Familie, ist es schwer, ein dankbares Herz zu behalten. Doch auch die Unzufriedenheit mit den Zuständen in unserem Land, die sich in lautstarken Äußerungen zu Wort meldet, weist auf andere Weise auf einen Dankmangel hin. Gerade deshalb kann nicht darauf verzichtet werden, an all das zu erinnern, was uns Menschen immer wieder geschenkt wird.

Im Internet fand ich die Mitteilung: »Forscher fanden jetzt heraus, dass es nicht nur der Seele sondern auch der Herzgesundheit gut tut, die positiven Seiten des Lebens wahrzunehmen und dankbar dafür zu sein.« Das mag nicht neu sein, aber es ist ein wichtiger Impuls. Vielleicht regt uns diese Erkenntnis dazu an, der Dankbarkeit mehr Raum zu geben. Uns Menschen ist diese nämlich nicht angeboren. Albert Schweitzer hat dies einmal so beschrieben: »Alle fehlen wir darin alltäglich, dass wir Wohltaten und Freundlichkeiten aufschlucken wie ein sandiger Boden das Wasser. Das Bestreben, uns dankbar zu erweisen, ist keine Triebkraft in unserem gewöhnlichen Leben.« Antike Philosophen sprachen sogar von einer moralischen Pflicht – und nicht von einer natürlichen Gabe des Menschen –, dankbar zu sein und dies zu äußern. Deshalb sollte es auch einerseits in Familien eine Erziehung zur Dankbarkeit geben und andererseits eine Selbsterziehung für mich als Erwachsenen. So könnte ich das Gellert-Lied als Aufforderung verstehen, mich selbst zum Dank anzuhalten und mich an all die Geschenke in meinem Leben immer wieder zu erinnern.

Je älter ich werde, desto häufiger und deutlicher spüre ich Dankbarkeit für die Dinge, an die ich früher gar nicht besonders gedacht hatte und die mir selbstverständlich schienen: Menschen, die mir am Tag ein freundliches Wort sagten, Mahlzeiten, die mir geschmeckt haben, ein Bett am Abend, Kraft und Gesundheit an diesem Tag. Und man kann auch dafür dankbar sein, dass man über den Erfahrungen im Leben, die einen hart angekommen sind, nicht bitter geworden ist.

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Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich.

(Psalm 9,19)

Wir werden beim Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.

(1.Thessalonicheralonicher 4,17-18)

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