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Gott ist bei den Schwachen und Zweifelnden

Heile du mich Herr, so werde ich heil. Hilf du mir Herr, so ist mir geholfen. Jeremia 17, Vers 14
Christoph Herbst
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Christoph Herbst ist Pfarrer in Chemnitz. © Foto: privat

Wenige Menschen der Bibel lassen uns so in ihr Inneres schauen wie der Prophet Jeremia. Schon seiner Berufung fügt sich der Mann aus Anatot nur widerstrebend. Aber er kann doch nicht anders.

An seinem Auftrag reibt sich Jeremia wund. Seine Predigten, seine Mahnungen, sogar sein Trost stoßen nicht auf Gehör. Wirklichkeitsfremd sei das, was er sagt. Denn das angesagte Unheil lässt noch auf sich warten. Seine Mitmenschen machen den Propheten krank mit ihrer Missachtung, ihrem Spott, ihrer Ironie. Gedemütigt und verletzt ist er, weil niemand dem zuhören will, was zu sagen er sich selbst abringen muss. Wie oft wiederholt sich das, bis heute? Verkündigung prallt ab am Spott.

Jeremia stellt alle Ideale eines souveränen unverletzlichen Propheten in Frage. Treibt er uns auch Phantasien einer glänzenden »erfolgreichen« Kirche aus, die allseits anerkannt sein will mit dem, was sie sagt? Gott beruft und begnadigt nicht die Selbstgewissen, sondern die Schwachen und Zweifelnden.

Jeremia lehrt den Mut zum »Dennoch«. Der Prophet spinnt sich nicht ein in seine Verbitterung. In aller Offenheit breitet er seine Ohnmacht vor Gott aus. »Heile du mich Herr, so werde ich heil …« Ich allein vermag es nicht, aber ich vertraue darauf, dass bei dir nichts unmöglich ist. Jeremias »Dennoch« ist kein selbstbezüglicher Starrsinn. Er lässt sich in seine Selbstzweifel hineinreden von Gott. Er lässt sich nicht abbringen von der Vision der Gegenwart Gottes unter den Menschen, die heil macht, die – so hebräisch wörtlich – »flickt« und »wieder zusammennäht«, was zerrissen ist. Spricht er uns aus der Seele? Beten wir seine Worte mit: für uns Erschöpfte, für unsere polarisierte Gesellschaft.

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