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Aufbruch ohne Kirche

Andreas Roth
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In Berlin geschah am vergangenen Wochenende etwas Merkwürdiges: Über 30 000 Menschen gingen auf die Straße für solche Dinge wie Würde, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Mitleid auch. Es war auf seine Weise ein Marsch für das Leben. Doch von jener Institution, die oft genug ein Copyright auf diese Werte anmeldet, sprach keiner: die Kirche schwieg.

Dafür Tierschützer und ein Justiz­senator, Wasserwerker und Naturfreunde, Bio-Bauern und Normal-Bauern und Schüler. Sie alle demonstrierten vor einem Treffen von 69 Landwirtschaftsministern aus aller Welt gegen die Ausbeutung von Tieren, Natur und Menschen in der Agrarindustrie. Das tun sie unter dem Motto »Wir haben es satt« seit acht Jahren. Die Zahl der Demon­stranten hat sich fast verdoppelt im Vergleich zum Vorjahr. Das Thema ist längst angekommen an Küchentischen und in Einkaufskörben.

Immer mehr Menschen wollen die Fakten nicht länger ignorieren. Das millionenfache Leiden von Tieren, die unfaire Bezahlung der Bauern hierzulande und weltweit, die Ausrottung ganzer Tierarten durch Pestizide, den Zusammenhang zwischen Fleisch-Industrie und dem Hunger. Von ihren Klimagiften einmal abgesehen. Es sind Fakten. Und es sind Fragen, die die Kirche interessieren müssten.

Es gab Zeiten, da war sie mittendrin in gesellschaftlichen Aufbrüchen, in ihren allerbesten Zeiten als Prophetin. In der Friedlichen Revolution 1989, aber auch in der Friedensbewegung oder bei der Aussöhnung mit Deutschlands östlichen Nachbarn. In den letzten Jahren aber scheint der Kirche der Sinn dafür verloren gegangen zu sein. Vielleicht ist sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Und spürt nicht, wenn irgendwo ein Geist weht, der ihr bekannt vorkommen müsste.

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1 Lesermeinungen zu Aufbruch ohne Kirche
Gert Flessing schreibt:
04. Februar 2018, 9:39

Lieber Herr Roth,
sind Sie sicher, das "die Kirche" hier gefehlt hat? Die Stellung der Kirchen zu den Fragen des gerechten Umgangs mit der Schöpfung ist, so denke ich, recht klar.
Ich denke aber nicht, das wir bei jeder Demo unser Beffchen mit hin hängen müssen.
Der Geist, der dort geweht hat, war schon bekannt.
Neben vielen guten Aussagen, wie erweiterte Fruchtfolge, Umbau der Ställe, Verzicht auf Antibiotika und Gifte, gab es natürlich den "Kampf gegen Rechts" und "linke Küche".
Von je her bin ich auf der Seite unserer "Wiedereinrichter" gewesen und unser KV hat, durch Landverpachtung, geholfen, dass sie die notwendigen Flächen bewirtschaften können.
Das Grundstücksamt unserer Landeskirche war dabei nicht immer sonderlich hilfreich.
Aber auch andere Hemmnisse gibt es, bis hin zu den Problemen, die unsere Bürokratie im lande denen macht, die nicht nur produzieren, sondern auch vermarkten wollen.
Ich denke, es wäre gut, bevor wir uns zu irgend welchen Großdemos begeben, geduldig, vor Ort, mit den Bauern, die hier leben, zu arbeiten und ihnen Unterstützung zu geben.
Gert Flessing

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