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Kein Stadtjubiläum ohne Kirche

Wie Christen an 875 Jahre Chemnitz erinnern – sogar auf dem Friedhof
Cristina Zehrfeld
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Eine Gründungsurkunde von Chemnitz gibt es nicht. Die erste nachweisbare urkundliche Erwähnung des Ortes ist stattdessen ein Schriftstück zur Verleihung des Marktprivilegs im Jahr 1143, also vor 875 Jahren. Kein wirklich runder Geburtstag, doch die Stadt feiert ihr jetziges Jubiläum ein ganzes Jahr lang an den verschiedensten Plätzen. Da wollen auch die Kirchgemeinden nicht abseits stehen.

»Es gibt keine Stadtgeschichte ohne die Kirchengeschichte«, so Pfarrer Stephan Brenner, bei dem die Fäden der verschiedenen Aktionen zusammenlaufen. Unter dem Motto »wirkungs-voll. 875 Jahre Kirche für Chemnitz« werden in mehreren Arbeitskreisen eine Vielzahl von Veranstaltungen vorbereitet, darunter eine Gottesdienstreihe, Konzerte und Vorträge.

So finden zwischen 25. März und 10. Juni fünf Gottesdienste zu den fünf Themenräumen statt, unter welchen das Jubiläum steht: Herausforderung, Fortschritt, Liebe, Höchstleistung und Form. Ein Vortrag am 7. März im Jüdischen Gemeindezentrum greift die Geschichte der Juden in Chemnitz auf, und am 23. Juni wird anlässlich des Jubiläums in der Matthäuskirche ein musikalisches Gemeindefest ausgerichtet.

Hiltrud Anacker, Pfarrerin Dietrich-Bonhoeffer-Kirchgemeinde und amtierende Superintendentin, hat die Leitung einer besonderen Arbeitsgruppe übernommen. Bis zum Herbst können Besucher die Historie und Gegenwart der Chemnitzer Friedhöfe für sich entdecken. »Meine Gemeinde hat keinen eigenen Friedhof, aber es ist wichtig, dass sich die Lebenden mit Sterben und Tod beschäftigen«, so Hiltrud Anacker. Gelegenheit dazu bietet unter anderem der Tag des offenen Friedhofs am 24. Juni, an dem mehrere Chemnitzer Friedhöfe ihre Pforten unter besonderen Blickwinkeln öffnen. Glösa zum Beispiel. »Es gibt dort keine besonderen Gräber, aber besiedlungsgeschichtlich ist das einer der ältesten Orte in Chemnitz«, so Anacker.

Auf dem ebenfalls geöffneten Friedhof in Ebersbach wurden während des Ersten Weltkrieges über 600 Kriegsgefangene aus der König-Friedrich-­August-Kaserne in Hilbersdorf begraben. Einen ganz anderen Blick auf die Stadt gewährt der Schlossfriedhof, wo bedeutende städtische Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, darunter der Fabrikant Louis Schönherr, der Baumeister Johann Ch. Richter und der einstige Chemnitzer Bürgermeister Johannes Hübsch-mann.

»In diesen historischen Gräbern sehe ich eine Möglichkeit, Menschen an das Thema Tod heranzuführen, die nicht bedrohlich ist. Auch Nichtchri­sten, denn auch sie kommen ja an dem Thema nicht vorbei«, verdeutlicht Pfarrerin Hiltrud Anacker. An verschiedenen weiteren Stellen des Veranstaltungsplans für das Jubiläumsjahr wird derzeit noch gefeilt.

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