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Steimle nicht festnageln

Von Tomas Gärtner
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Die Absetzung Uwe Steimles als Schirmherr der »Ökumenischen FriedensDekade« lässt die Emotionen kochen (siehe Seite 9). Ein Schirmherr sollte jedoch zumindest eines sein: weithin akzeptiert. Die Organisatoren der »FriedensDekade« wären gut beraten gewesen, vor der Ernennung des Kabarettisten bei ihren Kollegen in Sachsen nachzufragen. Die hätten sie auf manch allzu pauschale Äußerungen aufmerksam gemacht.

Ernst oder Ironie? Da kann man bei ihm nie sicher sein. Man muss es nicht mögen, in seinen Programmen zum Gruß der DDR-Pioniere aufgefordert zu werden oder gemeinsam »Partisanen vom Amur« zu schmettern. Er bedient Ostalgie und den schlichten Dualismus vom Wir-hier-unten und Die-da-oben. »Das Volk hat doch schon lange nichts mehr zu sagen«, äußerte er in der MDR-Talkshow »Riverboat«. Im Internetkanal des russischen Regierungssenders RT bekannte er sich zu Putin. Manche seiner satirischen Provokationen sind zumindest missverständlich.

Auf der anderen Seite jedoch beweist er Mut, sich nicht an die Vorgaben politischer Korrektheit zu halten. Vielen Sachsen spricht er mit seiner Empörung aus dem Herzen. Er hält Frieden für das Wichtig­ste – besonders mit Russland. Und er brandmarkt Rüstungskonzerne. Er verabscheut Krawall und verbale Entgleisungen in der politischen Auseinandersetzung. In seinem Buch über Luther reflektiert er über Glaube, Hoffnung, Liebe und bekennt, Pazifist zu sein.

Seine Schirmherrschaft erst bekannt zu geben und dann wieder zurückzunehmen – damit hat sich die »FriedensDekade« keinen guten Dienst erwiesen. Auch Uwe Steimle nicht. Kritik an einigen seiner Äußerungen ist legitim. Ihn darauf festzunageln, täte ihm unrecht.

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11 Lesermeinungen zu Steimle nicht festnageln
Gert Flessing schreibt:
07. März 2018, 14:53

Oh, lieber Herr Gärtner, wir wissen doch, das es genügend Leute gibt, die einem anderen wegen dieser oder jener Äußerung, die sie nicht mögen, gern Unrecht tun.
Toleranz ist oft genug nur Geschwätz.
Wer Herrn Steimle angeschwärzt hat, eher rechts zu sein, wissen wir ja auch.
Leider scheint es die Friedensdekade nötig zu haben, auch mit solchen Leuten, die letztlich gar nicht so friedlich sind, gemeinsame Sache zu machen.
Bei Herrn Steimle wäre man zumindest sicher gewesen, das er ein wirklicher Pazifist ist.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
07. März 2018, 17:26

Ja, vor Wölf(f)en sollte man sich in Acht nehmen. auch wenn sie noch soviel Kreide fressen und sich als frieglich und tolerant ausgeben

Beobachter schreibt:
07. März 2018, 16:25

Danke Herr Gärtner für diesenvernünftigen Beitrag!

Schade, schreibt:
17. März 2018, 15:42

dass durch Herrn Steimles Person die Inhalte der Friedensdekade in den Hintergrund geraten. Es wäre doch super, wenn alle, die sich jetzt so brüskieren doch einfach eine Veranstaltung der Dekade besuchen. Ich denke viele der Empörten, kennen diese schon zu DDR-Zeiten aktive Ost-West-Bewegung überhaupt nicht.
Ich würde mich schon mal im Namen unseres Vereins für diese unglückliche Personalentscheidigung entschuldigen. Lasst uns die Tage dann einfach gemeinsam nutzen für Frieden und Gerechtigkeit auch für Geflüchtete, ein offenes Land, Toleranz und einen gerechten Umgang mit einander beten.
Das heißt aber auch darüber zu meditieren, nicht zu zerstreiten und Uwe Steimle ist natürlich, gerade auch wegen der ganzen Aufregung, ganz herzlich eingeladen.

Amen

P.S. Und die Friedensdekade, die wohl dem Redakteur des Artikels eher fremd zu sein scheint, war noch nie ein Fest, sondern ein ernstes Gebets-anliegen.

Beobachter schreibt:
18. März 2018, 8:45

Als Einer, der schon zu DDR-Zeiten an Veranstaltungen dieser "Bewegung" teilnahm, finde ich die ursprüngliche "Personalentscheidung" als sehr glücklich. Scheinbar sind aber heute auch dort Kräfte am Werke, die nicht mehr viel mit der Ursprungsidee am Hute haben.
Ich würde Herrn Steimle anraten, sich in ZUkunft von dier (linken) Truppe fernzuhalten. Es gibt inzwischen genug bessere Alternativen, die sich für Gerchtigkeit und Frieden einsetzen!

Johannes Gerdes schreibt:
18. März 2018, 11:28

Seit ihrer Gründung habe ich die Friedensdekade sehr ernst genommen und immer geglaubt, dass auch die Veranstalter sie ernst meinen. Dass sie jetzt dazu missbraucht worden ist, einen unliebsamen Kabarettisten zu diffamieren und in seiner Existenz zu bedrohen (etliche Beiträge greifen den MDR an, weil er einem solchen "Staatsfeind" eine Plattform bietet), schmerzt mich tief.

Friedensdekadet... schreibt:
20. März 2018, 14:04

Ach, lassen Sie mal, so schlimm ist doch das alles nicht. Die Friedensdekade hat publicity, die Personalie ist auch nicht so wichtig (wer wüßte denn die Schirmherren/-damen der letzten fünf Jahre auf Anhieb?), und das Anliegen ist wichtig nach wie vor. Als wir in den achtziger Jahren damit angefangen haben, brauchte es auch keinen Schirmherren. Wenn es denn aber jemand sein muß, ließe sich dann nicht ein aufrechter Christenmensch finden? Meines Wissens ist Steimle bekennender Atheist und schon von daher völlig ungeeignet.

Beobachter schreibt:
20. März 2018, 22:48

Petition! 5.524 Personen haben bereits unterzeichnet

"Mit Unverständnis haben wir aus Ihrer Pressemitteilung vom 28.02.2018 entnommen, dass Sie Uwe Steimle die Schirmherrschaft Ihres Vereins für die Ökumenische FriedensDekade aufgrund von Denunziationen nach wenigen Stunden wieder entzogen haben.

Sie beziehen sich dabei auf „Eine Welle teilweise heftiger Kritik, besonders bei unseren sächsischen Partnerinnen und Partnern sowie bei Initiativen, die gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus arbeiten“. Uns ist nicht bekannt, welche Gruppierungen hier im Namen der Sachsen sprechen und worauf sich die hier angeführte Kritik konkret bezieht. Wir jedenfalls teilen diese Einschätzung über Uwe Steimle nicht.

Im Gegenteil: Wir finden, Sie haben Ihre Entscheidung auf der Basis von Angst und mit nicht eindeutig belegbaren Fakten getroffen. Wir finden es traurig, dass sich ein Verein, der sich der Erhaltung des Friedens widmet, friedensbewegte Menschen einer durch externe Akteure betriebener Gesinnungsprüfung unterwirft.

Es ist die ureigenste Aufgabe eines Kabarettisten, auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei gelegentlich Grenzen zu überschreiten. Ein guter Kabarettist hält den Regierenden den Spiegel vors Gesicht und nicht dem Volke!

Mit unseren Unterschriften möchten wir Sie auffordern, mutig zu sein, mutig im Sinne demokratischer Freiheiten – und sich bei Uwe Steimle dafür zu entschuldigen, dass Sie ängstlich waren und ihn abberufen haben. Diese Entschuldigung sind Sie dem Kabarettisten und Menschen Uwe Steimle und vielen Bürgern schuldig."

Erstunterzeichner:

Arnold Vaatz (MdB)
Angelika Barbe (DDR-Bürgerrechtlerin)
Michael Beleites (sächs. Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen 2000 - 2010)
Werner J. Patzelt (Politikwissenschaftler)
Steffen Große (Landesvorsitzender Freie Wähler; Vors. FW Dresden e.V.)
Barbara Lässig (Selbständig, Fernsehturmverein)
Andreas Hofmann (Happy Vibes Medien Produktion)
Frank Hannig (Rechtsanwalt)
Jens Genschmar (Stadtrat)
Torsten Küllig (Landesvorstand ”Mehr Demokratie e.V.")
Dirk Kohl (Verleger - Weltbuch Verlag)
..........

Beobachter schreibt:
20. März 2018, 22:54

Es geschehen ja seltsame Dinge beim Sonntag! Aber vielleicht kann uns ja die Redaktion aufklären?
Kürzlich war auch online ein Leserbrief zu diesem Thema zu lesen. Ein Leserbrief von einem bekannten Pfarrer i.R. und Bürgerechtler der DDR. Ganz schnell war er plötzlich verschwunden. Gibt es dafür nachvollziehbare Gründe oder geschah es einfach auch nur auf Beteiben bestimmter hetzerischer wölffischer Kreise?

DER SONNTAG schreibt:
21. März 2018, 8:21

Sehr geehrter Herr »Beobachter«,
nein, es geschehen keine seltsamen Dinge beim SONNTAG. Wir veröffentlichen normalerweise keine Leserbriefe online. Durch ein Versehen ist es aber dennoch einmal vorgekommen, dass ein Leserbrief veröffentlicht und kurz danach wieder offline genommen wurde. Sie können diesen und alle anderen Leserbriefe aber jederzeit im gedruckten SONNTAG bzw. im ePaper nachlesen.
Das SONNTAGs-Team

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