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Der Preis des Friedens

Andreas Roth
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Der Krieg, einmal entfacht, ist ein Strudel, der unzählige Menschen mit sich reißt. Und sie zu Opfern und Mittätern macht. In den Kellern am Rande von Damaskus, in den Gesichtern hungernder Kinder und bombardierten Operationssälen ist es dieser Tage einmal mehr zu sehen. Wir im Westen schauen gelähmt und entsetzt zu.

Was könnten wir auch tun? Ihr hättet längst eingreifen müssen, sagen syrische Oppositionelle. Späte­stens nach Assads Giftgas-Angriffen vor fünf Jahren hätte eine amerikanisch-europäisch durchgesetzte Flugverbotszone noch Schlimmeres verhindert. Doch würden deutsche Eltern ihre Kinder nach den Erfahrungen in Afghanistan in diesen Krieg ziehen lassen? Und was hätten Kirchen und Friedensbewegte zu deutschen Bomben im Nahen Osten gesagt? Eben. Den Strudel des Krieges aus Tod und Schuld will man möglichst auf Distanz halten, und es gibt gute Gründe dafür. Aber auch böse Folgen.

Angesichts des Infernos von Ost-Ghouta fordern Unterstützer syrischer Opfer von Europa eine harte Kante gegenüber Assads Bombenfreund Putin. Der betreibt gerade seine Wiederwahl mit Großmachtspolitik und einigem Erfolg, Leichen inklusive. Doch dient ein Tritt gegen das russische Schienbein wirklich dem Frieden? Das Gegenteil ist richtig: Hätte Europa seinem großen Nachbarn in den letzten Jahrzehnten etwas mehr Respekt und weniger Herablassung entgegengebracht, hätte er heute für sein Selbstbewusstsein die imperiale Karte womöglich gar nicht nötig. Die streut ihr Gift längst auch in Europa. Schon planen Ost wie West wieder gegenseitige Angriffsszenarien.

Frieden hat nur mit vielen geduldigen Schritten des Vertrauens eine Chance. Auf dem Weg dahin aber liegen die Leichen von Ost-Ghouta.

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5 Lesermeinungen zu Der Preis des Friedens
Britta schreibt:
17. März 2018, 15:18

Warum erzählt niemand vom völkerrechtswidrigen Einfall des NATO-Partners Türkei in seinen souveränen Nachbarn und den türkischen Giftgaseinsätzen in Afrin? Wenn ich mich recht entsinne, fehlte damals der Beweis, daß es wirklich Assad war, dar Giftgas eingesetzt hatte oder ob es nicht doch die "Rebellen" waren - aber es war eben so eine wohlfeile Sache, einen Kriegsgrund zu konstruieren, wie es unzählige Male in den letzten Jahren geschah: Irak, Libyen etc. Derzeit gegen Rußland - dabei müßte jeder, der bis 3 zählen kann, die Fadenscheinigkeit der Argumentation erkennen.
Weswegen ist eigentlich die Bundeswehr immernoch (natürlich ohne UN-Mandat) in Syrien?
Zu dem fällt immer wieder auf, daß die vom syrischen Volk gewählte Regierung in unseren Medien das Assad-"Regime" ist, z.B. aber Erdogan das türkische Regierungsoberhaupt - obgleich er doch gerade einen Angriffskrieg durchführt und durch markige Sprüche in Richtung Europa immer wieder auffällt (Assad hat keinen Nachbarn angegriffen und keine Kriegs- und Übernahmerhetorik in Richtung anderer Länder gestartet) - hier soll uns permanent durch die Sprache Sand in die Augen geschüttet werden, damit wir auch ja nichts dagegen haben, wenn deutsche Waffentechnik in die Türkei geliefert wird.
Ich als deutsche Mutter würde niemals einen Sohn zu derartigen Einsätzen der Bundeswehr ziehen lassen, zumal sich in der eigenen Heimat mit zunehmenden importierten Terror ein recht explosives Gebräu ankündigt. (Zudem: Seit wann müssen jetzt auch bei der Buchmesse Taschen am Eingang kontrolliert werden und stehen Wasserwerfer bereit?). Kein Einsatz der Bundeswehr hat bisher irgendwelche politischen Gemengelagen im Ausland besser gemacht, wir haben einfach nichts zu suchen dort! Kein Kind deutscher Eltern sollte derart für fremde Interessen sterben!

Beobachter schreibt:
18. März 2018, 9:11

"(Zudem: Seit wann müssen jetzt auch bei der Buchmesse Taschen am Eingang kontrolliert werden und stehen Wasserwerfer bereit?)"
Ja warum und wozu eigentlich, wenn trotzdem militante Linkschaoten dort ungehindert ihren Terror verbreiten und ausüben können, wie gestern wieder massiv geschah?

Lore schreibt:
18. März 2018, 17:10

Liebe Britta, wieder gebe ich Ihnen, wie schon mehrfach, vollkommen Recht. Und schlimm finde ich auch, das Fehlen des Eingreifens der Vereinigten Union. Es ist ein völkerrechtlicher Krieg gegen Syrien, den die Türkei mit ihrem Einmarsch führt und niemand empört sich. Sind wir alle schon so abgestumpft, dass wir nur die verurteilen, die uns von den Oberen als "Feinde" vorgegeben werden. Bitte schauen Sie sich die Videos von Karin Leukefeld an, einer Nahostexpertin, die früher sehr oft in den Medien berichten konnte. Neuerdings nicht mehr - warum wohl? Ich werde die Links zu den Videos nicht einstellen, ich weiß nicht, ob das genehmigt ist. Der Titel ist aber "Karin Leukefeld Aktuelle Lage in Syrien Teil 1 und Teil2" Es wird danach vieles klarer.

Johannes schreibt:
19. März 2018, 17:38

Britta, Du hast völlig recht; ich frage mich seit vielen Tagen: Was hat türkisches Militär in Syrien zu suchen? Un wieso sehe ich ständig deutsche Panzer in der Berichterstattung? Ich dachte immer, das deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete verboten sind!? (Wahrscheinlich gilt insgeheim immer noch der zynische Satz von FJS: "Woanders als in Krisengebieten werden denn Waffen gebraucht?" oder so ähnlich...)
Johannes

Gert Flessing schreibt:
19. März 2018, 8:25

Syrien und kein Ende? Wenn ich mir die situation in Syrien, völlig unvoreingenommen, betrachte, sind die Russen die einzigen Freunde, die Syriens Menschen haben.
Denn die Russen unterstützen die Regierung, die, bis zu diesem makabren "Frühling" für eine weitgehende Stabilität und vor allem für einen Schutz der Christen, sorgte.
Aber das war und ist doch eine Diktatur!
Ach? Und das, was von all den feinen Truppen, die da ansonsten um die Macht ringen, angeboten wird, was ist das? Eine parlamentarische Demokratie?
Wo, außer in Israel gibt es denn so etwas dort unten?
Es ist gut, das niemand auf die wahnwitzige Idee gekommen ist, unsere, recht desolate, Bundeswehr dort noch stärker einzubinden. Mal ganz abgesehen von möglichen Gefallenen - es wäre eine Eskalation, die nicht gut täte.
Und Russland? So lange wir nicht begreifen, das Russland uns näher ist, als die andere Supermacht, dort, jenseits des Atlantik und in - unbewiesene - Behauptungen einstimmen, wie sie von einem Herrn Boris Johnson erhoben werden, so lange tun wir uns und der Welt keinen Gefallen.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 11 | 18.3.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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