9

Haltet fest an der Liebe

Anerkennung: In Zeiten von Angst und Hass ist die Liebe rar. Doch nicht Abschottung und Abwertung, sondern Anerkennung und Teilhabe sind der Ausweg. Das muss in Gottes Namen verteidigt werden gegen eine ausgrenzende Wirtschaft und populistische Hetze.
Von Stefan Seidel
  • Artikel empfehlen:
Lieben lernen: Weil jeder Mensch auf die Anerkennung anderer angewiesen ist, sollte er auch andere anerkennen. Wenn der Kampf ums Dasein in eine Kultur der Anerkennung verwandelt wird, ist gutes Leben für viele möglich. © Foto: Stillfx/Fotolia

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine Hetzparole durch die Medien geistert. Der Wind hat sich gedreht, sagen viele. Er ist kälter und schärfer geworden. Angst liegt in der Luft. Angst vor einer aus der Fugen geratenen Welt. Angst vor Verlust von Sicherheit und Wohlstand. Angst vor dem Fremden. Der Trend geht in Richtung Abgrenzung und Abschottung. So jedenfalls die lautstark artikulierte Meinung eines Teils der Bevölkerung, die sich vor der neuen Vielfalt fürchtet.

Keine Frage: Vielfalt verunsichert. Doch es könnte sein, dass die rechts­populistische Abschottungsrhetorik schlicht eine falsche Antwort gibt auf die Problemlage, ja sogar als eine psychopathologische Antwort angesehen werden muss. Die propagierte Abwehr eines vermeintlich äußeren Feindes – der Fremden – hilft nicht dabei, die wahren Probleme zu bekämpfen.

Wenn ein Grund für die gegenwärtige Krise die Angst ist – die Angst, hinten runterzufallen, abgewertet oder abgedrängt zu werden –, dann sollte nach Wegen gesucht werden, dass alle ausreichend Anerkennung erfahren. Das heißt, Teilhabe, Würde und Sicherheit haben. Das hieße, ein starkes Sozialsystem zu etablieren und zu verteidigen und das Wirtschaftssystem so zu regulieren, dass es im Dienst der Menschen steht und nicht zerstörerisch wirkt. Dieser Weg ist vielversprechender, als auf phantasierte Feindbilder loszugehen.

***

Ist in unserer Gesellschaft die Anerkennung eines jeden gesichert? Dürfen Kinder die lebensnotwendige Elternliebe, die sie selbst liebesfähig macht, ausreichend erfahren? Haben also Eltern genug Möglichkeiten, sich intensiv um ihre Kinder zu kümmern? Existiert ein sicheres soziales Netz, das jeden und jede vor Absturz bewahrt? Herrscht ein Klima der Wertschätzung und des Respekts? In Ansätzen ist das noch gegeben. Der Sozialstaat, das Elterngeld, der Schutz von Minderheiten ist theoretisch gewährleistet – aber nicht mehr selbstverständlich. Der Sozialabbau, die totale Ökonomisierung vieler Lebensbereiche und die Abwertung und Stigmatisierung von Menschen – beispielsweise von Arbeitslosen – führt zu »Kämpfen um Anerkennung«. Davor hatte bereits Anfang der 90-er Jahre der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth gewarnt. Doch er blieb ungehört.

***

Der Siegeszug des Neoliberalismus, also unseres Wirtschaftssystems, das auf Sozialabbau und das Recht des Stärkeren setzt, zerstört systematisch die Grundlagen, von denen die Menschen leben: gesicherte Anerkennungverhältnisse. Wenn diese erodieren, brechen Anerkennungskämpfe aus – oftmals mit falschen Gegnern, wenn auf die Schwächeren im System losgegangen wird. Doch nicht die Mitbedürftigen sind verantwortlich für die prekäre Verteilung von Lebensmöglichkeiten und Anerkennung. Sondern jene, die in Wirtschaft und Politik an einer Ökonomie mitwirken, die wenige Reiche übermäßgig begünstigt und viele Nicht-Reiche ausschließt.

Doch statt die echte Wurzel des Übels zu erkennen und zu beseitigen – die Überwindung der neoliberalen Spaltung der Gesellschaft in wenige Gewinner und viele Verlierer – wird sich in Ersatzkämpfen aufgerieben. Beispielsweise gegen den Islam. Dieses Feindbild stabilisiert kurzfristig den Selbstwert. Doch es ist keine Lösung. Es ist ein Ersatzkampf, womöglich sogar ein Verfolgungswahn. Die Lösung – oder Heilung – kann nur in der Gewährleistung eines solidarischen Lebens für alle liegen.

***

Auch für die Kirche ergeben sich aus dieser Analyse Folgen. Der verführerischen Diskriminierung des Islam gilt es zu widerstehen. Die höchst absichtsvolle Züchtung dieses Feindbildes durch bestimmte politische Kräfte sollte durchschaut werden als das, was es ist: ein manipulatives Instrument im Kampf um politisches Kapital und Ausbau politischer Machtpositionen.

Die Schwierigkeiten im Umgang mit der neuen Vielfalt an Lebensstilen sollte dabei nicht kleingeredet werden. Doch Lösungen können nur im Miteinander, im sachlichen Dialog und mit politischer Besonnenheit gefunden werden. Verteidigen sollte die Kirche ihre Werte: dass jeder Mensch das Antlitz Gottes trägt, ja das Antlitz Christi und deshalb anerkannt und geliebt werden soll. Das heißt: Solidarität erfahren muss.

Innerhalb unserer Erregungsdemokratie, in der mittlerweile derjenige am meisten Stimmungen erzeugt – und Stimmen fängt –, der am lautesten und unverfrorensten schreit, sollte die Kirche die Liebe verteidigen. Denn ihr Gott ist die Liebe. Und das heißt: die Anerkennung des Eigenen und des Anderen fördern. Es ist das Arbeiten an einer Kultur der Anerkennung, an einem sozialen Netz, das alle hält und gegen eine ausgrenzende Wirtschaft verteidigt wird. Und es ist ein Festhalten an der Empathie gegen die immer unverhohlener vorgetragenen und salonfähig gemachten Raster, mit denen Minderheiten zu hassenswerten Gruppen gemacht werden. Es ist keine Kleinigkeit, wenn zunehmend unwidersprochen Muslime in die Totalverdächtigung geraten, gewaltbereite Zerstörer zu sein. Die polnischen Rechtskonservativen beschimpfen sie schon als »Bakterien und Parasiten«. Das ist Wahn. Und das ist Hass in Rein­form. Dagegen muss das Recht des Anderen – im Namen Christi, der das Antlitz des Ausgestoßensten angenommen hat – verteidigt werden.

Nicht das Kopftuch bedroht das christliche Abendland. Es ist die absichtsvolle Entmenschlichung von Menschen, ihr Ausschluss aus dem Bereich des Menschlichen. Der große Soziologe Zygmunt Bauman hat recht: »Die Menschheit befindet sich in der Krise – und es gibt keinen anderen Ausweg aus dieser Krise als die Solidarität zwischen den Menschen.«

Buchtipp: Stefan Seidel: Für eine Kultur der Anerkennung. Beiträge und Hemmnisse der Religion. Echter Verlag Würzburg 2018, 226 Seiten, 16,90 Euro. 

 

Diskutieren Sie mit

9 Lesermeinungen zu Haltet fest an der Liebe
Marcel Schneider schreibt:
18. April 2018, 14:59

Lieber Herr Seidel,
der beste und berührendste Artikel, den ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe!
Ich möchte dazu hier im Forum des SONNTAG eine Frage stellen, die ich ganz ehrlich und ohne Hintergedanken formuliere:
Was würde heute Jesus zu den Flüchtlingen sagen?
Wenn er wieder auf die Erde käme oder heute leben würde und von den Millionen Flüchtlingen weltweit hören würde, wenn er sehen würde, wie gut es uns geht und wie schlecht den Anderen, was würde er sagen?
Ich bitte dazu um ehrliche Wortmeinungen, weil ich auch keine richtige Antwort auf diese Frage habe.

L. Schuster schreibt:
19. April 2018, 12:27

Lieber Marcel Schneider,
bevor wir fragen was Jesus sagt, sollten wir ehrlich sein und unterscheiden wer ist Flüchtling oder wer ist Einwanderer. Flüchtling ist wer nur eine begrenzte Zeit bleibt, Einwanderer wer immer bleibt und um die geht es.
Atheisten vereint mit Christen die meinen etwas Gutes zu tun darin was nun ihren Leben einen Sinn gibt, der heißt eine Masseneinwanderung zu fördern, wenn man es aus vielen jungen muslimische Männer bezieht, die kamen oder noch kommen.

Wo man dann sicherlich eines Tages wieder einmal festzustellt es war ein Fehler, vielleicht unser Lebenssinn ist zusammengebrochen. Wie schon zu oft man meinte Gutes zu tun wollte und man hinter her feststellte es war falsch.
Hier es war eine falsche Nächstenliebe.
Man nicht sehen wollte, das sich Frauen muslimischen Männern zu unterwerfen zu haben, der Mann bestimmt über die Kinder meist bis hin zu deren Zwangsverheiratung und Ehrenmord oder hier z. B. das Jesu Wort „ Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ ohnehin wenig gilt. Atheisten und leider auch viele Christen, die diese muslimische Religion durch diese Einwanderung in Europa fördern ist ein Verrat an unseren Werten, an Jesus.

Grundsätzlich gilt doch, das wirkliche Gute zu tun kommt nicht von Innen des Menschen heraus, sondern es braucht Gott. Eine Führung von Gott. Ja, es gibt ihn, es gibt Jesus, was hier in den Artikel von Herrn Seidel unerwähnt bleibt. Das heißt hier, wir könne nicht diese Einwanderung, die falsche Nächstenliebe, diesen vor allen deutschen Weltanschauung-Wahn nicht gutzuheißen.
Aus liebe zu Gott, zu Jesus.

Marcel Schneider schreibt:
20. April 2018, 13:44

Hallo Herr Schuster, danke für Ihre Antwort.
Jesus trennt zwar auch an einer Stelle zwischen Schafen und Böcken, so wie Sie zwischen Flüchtlingen und Einwanderern trennen möchten. Aber er sagt, die Schafe zur Rechten, das sind die, die Gottes Willen tun.
Menschen auf der Flucht ist Obdach und Hilfe zu geben, denke ich. Das ist eine wichtige Forderung auch in biblischen Quellen. Grund dafür ist das schlichte Gebot zur Nächstenliebe und die in der Bibel mehrfach bezeugte Erfahrung von Menschen, selbst Flüchtling gewesen zu sein und Schutz in der Fremde zu finden. Über Abraham wird berichtet, dass er vor einer Hungersnot in Kanaan mit seiner
Frau nach Ägypten fliehen muss und dort Aufnahme findet (1. Mose 12, 10 ff.). Er war also ein Wirtschaftsflüchtling. Das spätere Volk Israel, das in Ägypten in der Sklaverei lebt, flieht aus dem Land
und Herrschaftsbereich des Pharao und erfährt so: Gott ist beweglich und hilft. Er
ist ein Gott der Flüchtenden.
Aus Furcht vor der Ermordung ihres Kindes Jesus fliehen Maria und Josef in das südliche Nachbarland und bleiben dort solange, bis die Gefahr für ihren Sohn vorüber ist. Selbst wenn sich der
Kindermord zu Bethlehem nicht mit außerbiblischen Quellen belegen lässt, so spricht aus diesem Abschnitt des Evangeliums doch ein aus vielen anderen Gegenden der Weltgeschichte bekanntes
Leid: Die Gräueltaten Mächtiger an den Schwächsten und die Angst davor drängt Menschen zur Flucht in ein anderes Land. Am Ort des Terrors zu bleiben, hieße sterben. Die Flucht ist der Weg zum
Leben. Jesus wird von Matthäus in seinem Evangelium als Anwalt der Bedrängten
und Flüchtenden dargestellt. Jesus wird von ihm mit jedem identifiziert, der irgendwo auf der Welt fremd und hilfsbedürftig ist, indem er ihn sagen lässt: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt
mich aufgenommen.“ (Matthäus 25, 35.)
Diejenigen, die so etwas für den Fremden tun, werden zu den vor Gott Gerechten
gezählt.

Britta schreibt:
23. April 2018, 17:38

Interessanter fand ich Ihre Frage, was Jesus zu den Flüchtlingen und Migranten sagen würde...

Im Übrigen hinken die biblischen Vergleiche: zumeist gingen die Leute nach der Gefahrensituation in ihre Heimat zurück. Zudem kamen nicht Millionen (oft ohne Gefahr für Leib und Leben), die von der einheimischen arbeitenden Bevölkerung selbstverständlich erwarten, lebenslang alimentiert zu werden (und noch Gelder in ihr Heimatland zu schicken) - und die einheimische Bevölkerung hätte nicht im Traum daran gedacht, Fremde ohne Gegenleistung von ihrem erarbeiteten Wohlstand partizipieren zu lassen - denn Kriege entstehen, indem Leute sich den Reichtum anderer ohne adäquate Gegenleistung aneignen wollen. Somit ist Massenmigration, wie wir sie derzeit erleben, eigentlich ein Migrationskrieg, wie Frau Prof. Greenfield publizierte.
Die biblischen Flüchtlinge halfen sich selbst, in dem sie ihr Vermögen einsetzten (deutlich in der Josefgeschichte bzw. bei der Flucht der heiligen Familie), denn z.B. eine bronzezeitliche Gesellschaft hätte es gar nicht vermocht, viele fremde Münder ohne Gegenleistung zu stopfen. Wer Hilfe verlangt, ohne ernsthaft in Not zu sein, sorgt dafür, daß ein anderer, der wahrhaftig in Not ist, keine bekommen kann, denn die Ressourcen sind nicht unendlich.
Barmherzigkeit hat nichts mit Selbstzerstörung zu tun und es ist eine Sünde am Nächsten, wenn diesem ungefragt die materielle Verantwortung für politisch gewollten Zuzug übergestülpt wird, sowie eine Sünde am Leib Christi, wenn Amtskirchen für die Installierung des Islam plädieren.

L. Schuster schreibt:
23. April 2018, 23:02

Hallo Marcel Schneider,
was soll der Quatsch, Abraham der vor der Hungersnot flüchte hier als Vergleich zu verwenden.
Wo doch auch kaum ein Flüchtlingen aus dem tatsächlichen Hungergebieten kommt.
Dort wo man vor Hunger stirbt oder an leicht heilbaren Krankheiten stirbt oder dahinsiecht, Also dort wo Nächstenliebe vor allen gefragt ist, es ist die uns Jesus lehrte.
Die Liebe zu Gott, eine anderen Weg gibt es nicht und nicht die Liebe zur jetzigen politische Weltanschauung, nun sehr viele Zuwanderer aufzunehmen. Eine Anschauung die sich grade beginnt sich als Holzweg zu entpuppen, auch für viele Zuwanderer ("Fremde").

Gert Flessing schreibt:
18. April 2018, 21:04

Mir kommt das alles ein wenig konfus vor.
Zunächst einmal glaube ich nicht, das "jeden Tag Hetzparolen durch die Medien geistern". Es werden Tatsachen dargestellt. Manche davon sind, bedauerlicher Weise, negativ. Aber das ist keine Hetze.
Ja. Unsere zeit ist durchaus eine harte Zeit. Es ist auch eine Zeit der harten verbalen Auseinandersetzungen. Durchaus auch eine zeit, in der Gossensprache "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen scheint.
Doch das liegt wohl an jedem einzelnen Menschen.
Ich wünsche mir kein Land, in dem bei amerikanischen "Mikroagressionen" gejammert und geklagt wird.
In unserer Gesellschaft ist, wenn man auf die Familien blickt, die Möglichkeit, Anerkennung zu finden, durchaus gegeben. Ich behaupte mal kühn, das es Eltern möglich ist, ihren Kindern Liebe zu geben. Liebe kostet nichts. Man sollte sie nicht mit Markenklamotten oder dem neuesten Smartphon verwechseln.
Wertschätzung und Respekt lassen sich nicht kaufen. Das hat auch nichts mit Elterngeld oder ähnlichem zu tun. Es ist etwas, was sehr persönlich gelebt werden sollte.
Wie heißt es so schön? "Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."
Natürlich kann man alles auf die Ökonomie schieben. Schon Marx ging davon aus, das der Mensch per se gut ist, nur die blöde Ökonomie macht ihn schlecht.
Ich halte das für einen Irrtum und zudem für geistlichen Schwachsinn. siehe Gottes aussage nach der Sintflut.
Schön, das es scheinbar innerhalb der Kirche Leute gibt, die bereit sind, zur Revolution zu blasen, um die "neoliberale Spaltung der Gesellschaft zu überwinden". Also auf, enteignen wir die Reichen und verteilen das, was sie aufgehäuft haben. aber ob das funktioniert?
Hatten wir den Versuch der klassenlosen Gesellschaft nicht schon mal?
Ach ja. Da war doch noch was. "Die verführerische Diskriminierung des Islam". Hm. Schon gut. Man kann einen Sündenbock auch von zwei Seiten betrachten.
Wenn die Kirche ihre Werte verteidigt, nämlich Jesus, den Christus, der uns befreit hat von Sünde und Schuld, dann wird sie zumindest wissen, wer Weg, Wahrheit und Leben ist.
Ist das Kopftuch, wenn man es recht betrachtet (im Koran wird es nicht wirklich erwähnt), nicht auch eine Form der "absichtsvollen Entmenschlichung von Menschen"? Zumindest in einer Religion, in der, wie jetzt in Schweden, in einem Urteil, das Aufsehen erregte, das Wort einer Frau nicht so viel gilt, wie das des Mannes, der sie misshandelt hatte, weil sie, nun ja, eine Frau ist?
Wem gilt die Liebe denn nun, zu der wir gerufen sind?
Gert Flessing

Marcel Schneider schreibt:
20. April 2018, 20:42

Hallo Herr Flessing,
ich habe nur mal 5 min auf einschlägigen Webseiten recherchiert und folgende Hetzparolen gefunden, die alle aus jüngster Zeit stammen (Rechtschreibung im Original):
- “Bloß raus mit dem pack oder öfen nochmal anmachen!!!”
- “Abschießen” / “Ungeziefer bekämpfe ich auch”
- “Am Besten ein oder zwei “MG 42” in Stellung VOR dem Zaun bringen, VOLL aufmunitionierte Patronengurte bis zum Abwinken und sobald sich auch nur eine dieser Ratten dran mach die Grenze zu “erbrechen” (wie man eben auch ein Siegel “erbricht”), dann nur noch zwei Worte: “Feuer frei!"“
- “dieses fieh zeug soll sich endlich mit den verdammten nix nutzen von Politiker in ihr Land verpissen“
- “seit 25 jahren später zahle ich für die ossis … und nun auch noch für die kanacken!!! … hurra deutschland … einig kanackenland!!!“
- “Sieg heil ihr gottverdammten schmarotzer, euch sollte man alle ausnahmslos bei lebendigem Leib verbrennen!!!!“
Ich denke, diese Parolen sind es, die Herr Seidel mit seinem Kommentar meint.
Ein Tatsachenbericht ist es, wenn berichtet wird, dass 2 Asylbewerber ein minderjähriges Mädchen belästigt haben.
Hetze ist es, wenn es heißt "wir wollen hier keine messerstechenden und mordenden Migranten". Für den Satz würde der Verfasser ob der schönen Alliteration vielleicht in Deutsch eine "1" erhalten, aber in Ethik eine "6". Hetze bedeutet, eine ganze Volksgruppe pauschal zu verunglimpfen und ihnen das gleichberechtigte Dasein, das Leben als gleichberechtigte Persönlichkeiten, in Deutschland abzusprechen. Hetze hat immer mit Entmenschlichung zu tun.

Gert Flessing schreibt:
23. April 2018, 11:50

Lieber Herr Schneider,
welche merkwürdigen Seiten besuchen Sie denn?
Glauben Sie wirklich, das diese Parolen das widergeben, was in unserer Bevölkerung so gedacht wird?
Ich bin auch manchmal auf Facebook, aber so ungezügelt geht es da, zumindest wo ich bin, nicht zu.
Natürlich wollen "wir" "hier" keine Menschen, die "messerstechend" oder "mordend" sind, egal, welche Herkunft sie haben.
Ich habe neulich mal Auszüge aus der "Genfer Flüchtlingskonvention" gelesen. Da lese ich, das ein Flüchtling, zu aller erst, die Pflicht hat, sich den Behörden zu melden.
Hm, wie sieht es denn damit aus? Ich bin kein Krümelkacker. Aber da sehe ich schon einen gewissen Nachholbedarf.
Es geht ja auch nicht nur um Flüchtlinge. Es geht um Wertschätzung. Wertschätzung von Menschen, von Kindern, vom Kollegen, von Untergebenen...
Damit geht es also um uns, um Sie und mich.
Ich schätze Ihr Engagement und Ihre vernünftige Art, zu argumentieren.
Wer von "fieh zeug" und "nichts nutzen" schreibt, der hat noch einen weiten Weg vor sich, bis er sich vielleicht mal eine gewisse Wertschätzung erarbeitet hat. Bisher kann man über solche Menschen nur traurig lächeln.
Sie haben ja keine Argumente.
Ja, es gibt Leute, die geifern. Leider.
Aber gerade da heißt es für uns geduldig sein, und an die Lernfähigkeit auch dieser Menschen zu glauben, weil auch sie, wenn sie es schon nicht wissen, doch von Gott geliebt sind.
Wenn es mir gelungen ist, aus dem Vorsitzenden der NPD Ortsgruppe und überzeugten Antisemiten einen ordentlichen Menschen zu machen, der regelmäßig der Kirchgemeinde spendet und seinem Judenhass abgeschworen hat, wird man wohl auch, wenn man mit solchen Wirrköpfen, wie den zitierten, ins Gespräch kommt (freilich nicht in der Meute), Erfolg haben können.
Gert Flessing

Gert Flessing schreibt:
19. April 2018, 9:45

Jesus würde heute nicht anders reagieren, als einst.
Er würde uns fragen, wie wir Gerechtigkeit leben.
Jesus hat nie zur Revolution gerufen, außer zu einer Revolution des eigenen Gewissens.
"Was ihr getan habt einem..."
Er hat die selig gepriesen, die sich Gedanken über Frieden und Gerechtigkeit machen.
Er hat aber auch davon gesprochen, das derjenige, der das tut, kein leichtes Leben haben wird.
"Wer mir nachfolgen will..."
Das, was Jesus möchte, fängt bei uns, bei Ihnen, bei mir, an.
Aber ob wir den Mut und den willen haben, selbst Gerechtigkeit und Liebe immer zu üben?
Gert Flessing

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Abendmahlsgottesdienst
  • Stiftskirche
  • , – Dresden
  • Gottesdienst
  • Kreuzkirche
  • , – Leipzig
  • Predigtgottesdienst
  • Versöhnungskirche Gohlis
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Der Kapitän der #Lifeline – Claus-Peter Reisch aus Dresden – darf vorerst aus Malta ausreisen, um seine kranke Mutt… https://t.co/OCmpE0KY8J
vor 10 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
#Zwickau erinnert kurz vor dem #NSUProzess an die Opfer. Die Täter hatten zuletzt in Zwickau gewohnt, das Wohnaus… https://t.co/vjo2xHKmU6
vor 11 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Bei der #EKBO wirds immer #digitaler: https://t.co/CVJQpjMjVJ @pfarr_mensch
vor 12 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
#Inklusion: Heiß diskutiert, hoch angepriesen aber zu schlecht umgesetzt? Unser Thema im neuen #SONNTAG https://t.co/wMYwYnIyyp
vor 25 Tagen