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Das Belastende vor Gott ablegen

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66, Vers 20
Klaus Mehlhorn
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Klaus Mehlhorn ist Diakon, er arbeitet als Bezirkskatechet und Bezirksgemeindereferent im Kirchenbezirk Annaberg. © Bernd März

Da kann es einem die Sprache verschlagen angesichts der Situationen, die uns bewegen. Die Weltpolitik scheint aus den Fugen geraten. Das überwunden Geglaubte feiert Auferstehung. Krieg scheint wieder ein Mittel der Politik zu sein, Abgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind gesellschaftsfähig geworden. So mancher stellt die bange Frage: Wo wird das enden?

Auch unser privates Leben bleibt nicht vor bösen Überraschungen verschont. Krankheit und Leid sind zu bewältigen, Konflikte mit Kollegen, Partnern, Kindern durchzustehen. Der Blick in die Zukunft lässt uns angesichts so mancher Unsicherheiten nicht gerade ruhiger werden. Wer nicht verstummt, dem kommt vielleicht ein Klagelied über die Lippen.

Ganz neu, so scheint mir, ist dieses Empfinden nicht. Das Gebetbuch des Alten Testaments führt mir vor Augen: Auch Glaubende im Volk Israel hatten mit Situationen zu kämpfen, die ich nicht unbedingt erleben möchte. Klagelieder und Flüche haben sie formuliert, denen es an Deutlichkeit nicht fehlt. Das Belastende muss zur Sprache kommen, sonst macht es krank und lähmt.

Oft folgt der Klage eine unverhoffte Wendung: Das Vertrauen zu Gott wird bekräftigt. Wie kommt das denn? Hat sich die Situation so schnell gewandelt? Wohl nicht. Aber der Beter hat sich gewandelt. Seine Sorgen in ein Gebet packen heißt: das Belastende dort abzulegen, wo es gut aufgehoben ist, sich neu zu orientieren und sich auf den Boden zu stellen, der nicht ins Wanken gerät. Damit wird der Blick frei, die Zunge gelöst – und manchmal wird sogar ein Loblied daraus. Das Belastende ist der Hoffnung gewichen: Es wird gut.

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