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Vom Abschiednehmen und Weitergehen

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12, Vers 32
Dorothee Lücke
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Dorothee Lücke ist Pfarrerin und Leiterin des Evangelischen Forums Chemnitz. © Foto: privat

Katrins ältester Sohn ist ausgezogen. Nachdem er die Schule beendet hat, lebt er nun in einer anderen Stadt und macht dort eine Ausbildung. Vom Kopf her sagt sie sich: »Die Zeit dazu war reif, er muss jetzt selbständig werden.« Doch gefühlsmäßig fällt es ihr schwer, er fehlt ihr. Sie stört sein leerer Platz am Tisch, die Diskussionen beim Abendessen, auch wenn es längst nicht immer harmonisch war.

Abschiede gehören zum Leben – das muss sie als Mutter immer wieder schmerzlich lernen. Wie schnell galt es, Abschied zu nehmen vom Babyalter. Das Kindergartenkind bastelte liebevolle Geschenke zum Muttertag, dafür weckte es sie aber auch um 6 Uhr in der Früh, damit sie sie bewunderte.

Mit 18 schläft das »Kind« bis mittags, aber nun muss sie es ganz wieder loslassen und ihr Leben neu ordnen. »Sind die Kinder groß, hab sie lieb und lass sie los!« – tröstet sie eine Freundin. Der Satz hilft ihr, denn liebhaben, egal, wo es ist – das kann sie ja weiterhin.

Um Abschied nehmen müssen und dennoch weiter lieben geht es auch an Himmelfahrt und dem Sonntag Exaudi. Auch Jesus geht weg. Er ist vom Tod auferstanden, aber nun für seine Freundinnen und Freunde nicht mehr sichtbar. Sie können ihn nicht mehr berühren, sein Platz am Tisch bleibt leer. Dieser Verlust fällt ihnen sehr schwer. Jesus tröstet sie, damit sie den Abschied bewältigen: »Ihr könnt mich zwar nicht mehr sehen, aber wir sind verbunden durch die Liebe und sie hört niemals auf. Mein Abschied ist nicht für immer, ich warte auf euch im zukünftigen Leben. Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.«

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2 Lesermeinungen zu Vom Abschiednehmen und Weitergehen
Matthias Schollmeyer schreibt:
10. Mai 2018, 7:05

Nach allen diesen wunderbaren Dingen
befiel die Trauer uns. Wir ahnten schon,
wie bald allein nur und für uns wir gingen –

seit ihn der Vater ruft, zurück zum Thron.
Nach einem Hügel wollt er uns bestellen,
da wuchs im grünen Kraut viel roter Mohn.

Der Wind blies stark, bewegt das Gras in Wellen,
der ganze Berg stand rot und hell entflammt.
Wir ließen unsre Tränen reichlich quellen,

zu herbem Abschied schienen wir verdammt.
So viel verriet er uns in vierzig Tagen,
bis dass wir zitterten. Doch er entspannt

befahl uns, als wir rings im Kreise lagen:
„Bedeckt die Augen nun mit einem Blatt.
Nehmt rote Blumen, die hier reichlich ragen.“

Wir folgten seinem Auftrag müd’und matt.
Nun ward es heilig um uns ganz und stille,
der Wind wog hin und her des Mohnes Saat.

Uns Träumern wurden Blütenblätter Brille,
zu Morpheus hin neigt sich des Schläfers Wille.

Um Mittag zwang die Kraft der großer Hitze,
fast alle von uns nickten schließlich ein.
Die Sonne stieg bis an des Himmels Spitze,

und spät geworden musste es wohl sein …
Nach Stunden erst von unsern Augen nahmen
die Blätter wir, so rot, so zart und fein.

Doch als wir endlich wieder zu uns kamen,
da war entschwunden uns der Meister – fort.
Entleert war alles, nur des Himmels Rahmen

spannt weit sich auch hoch über unserm Ort.
Sie sagen, in den Himmel aufgefahren
sei er, wie es verhieß ein Gotteswort.

Doch Lazarus, der aufstand vor drei Jahren,
zerriss sein Blatt der heiße Sonnenwind.
Durch einen feinen Spalt, wie nur von Haaren,

der Jünger sah, wie sie gefahren sind:
Erst eilt der Meister fort mit langen Schritten,
und quert das Mohnfeld, tanzend wie ein Kind.

Dann ließ von einer Wolke er sich bitten
auf ihren Wagen hin zu Himmels Mitten.

Gert Flessing schreibt:
12. Mai 2018, 14:33

Treue
Ich preise Gott, denn er hält mit mir aus.
Ich bin gewiss nicht immer treu.
Doch er macht sich nichts draus.
Ist für mich da, auch wo ich ihn nicht sah und gibt mir seine Liebe immer neu.
Er hat mir Gutes immer noch ersehen.
Ich kann, dank ihm, wohl aufrecht vor ihm stehen.
Er hat sich selbst für mich gegeben.
So schulde ich ihm, Gott, mein armes Leben.
In seinem Sohn hat er sich mir verbunden.
In seinem Kreuz das Elend überwunden, das mir mein Leben zu vergällen scheint.
Als er im Garten einst bittere Tränen hat geweint, da schliefen jene, die ihm Hilfe sollten sein.
Auch ich schlaf ein.
Ich schlaf den Schlaf der ewig ungerechten.
Ich lasse mich von Lüsten und von Sünden knechten.
Dennoch will er mich zu sich ziehen.
Wenn ich erhöht werd, so hat er gesprochen, dann wird die Kette, die dich bindet wohl zerbrochen.
Das, was er gibt, das ist nicht nur geliehen.
Es ist die Hoffnung, die mich Sünder trägt.
Wenn einstens ich wohl in mein Grab gelegt, so bin ich dennoch frei, darf mit ihm ziehen.
Denn er vergilt mir nicht nach meiner Schuld.
Er trägt mich treulich und er trägt mich in Geduld.
Es ist die Liebe, die nicht enden will.
Ich bin ihm dankbar und ich schweige still.
Was sollt ich Sünder auch verkünden, als dass sich der, der ewig, uns so will verbinden.
Ich preise ihn in meines Lebens Lauf.
Denn er ist treu und er – er gibt nie auf.
Gert Flessing

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