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Und er hämmerte doch

Thesenanschlag: Lange war umstritten, ob Martin Luther seine Thesen mit dem Hammer anschlug. Nun beweist ein Buch: den lutherischen Hammer soll es wirklich gegeben haben. Doch wie wichtig ist das wirklich?
Von Corinna Nitz
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Weltbewegend: Martin Luthers Thesenanschlag vom 31. Oktober 1517 stieß das Tor zu einer neuen Zeit auf. Filmszene aus dem Spielfilm »Luther« (2003). © Foto: imdb.com

Am 31. Oktober 1517 muss es Martin Luther gereicht haben. Denn obwohl er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an ausgewählte Adressaten verschickt hatte, entschloss er sich, selbige auch an der Tür der Wittenberger Schlosskirche zu veröffentlichen. Um sie zu befestigen, hätte er Siegelwachs nehmen können, entschied sich aber für gröberes Werkzeug. Mit dem Hammerschlag stieß er auch das Tor zu einer neuen Zeit auf. Irgendwann wurde aus der Tat nicht weniger als der Gründungsmythos des Protestantismus. Einer, der dieses Ereignis nicht in Frage stellt, ist ein Katholik: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Kürzlich präsentierte er im Lutherhaus Wittenberg dazu ein Buch. Es trägt den Titel »Tatsache!« und wurde von den Historikern Mirko Gutjahr und Benjamin Hasselhorn verfasst. Der Untertitel lautet: »Die Wahrheit über Luthers Thesenanschlag«. An der Echtheit dieser Tat gab es laut Haseloff, dessen Familie seit Hunderten Jahren ortsansässig sei, »in der Stadt nie Zweifel«.

Das Problem, das immer wieder den Thesenanschlag unsicher werden ließ, war, dass Luther selbst nicht über den Anschlag gesprochen habe und auch »Belastungszeugen« (etwa Melanchthon oder Agricola) nicht ganz zuverlässig seien, erklärte Mirko Gutjahr bei der Buchpräsentation. Das »Schweigen der Quellen« werde von den Zweiflern vorgebracht, wobei sie nicht »die Wahrheit« dagegen stellen, sondern einen neuen Mythos.

Doch Gutjahr und Hasselhorn verweisen auf einen »neuen Quellenfund«, den der Wittenberger Kirchenhistoriker Martin Treu bereits 2006 gemacht hatte. In der Universitätsbibliothek Jena stieß er auf eine entsprechende Notiz von Luthers Sekretär Georg Rörer. Dazu haben Gutjahr und Hasselhorn noch etliches zusammengetragen, was man Indizienbeweise nennen könnte. Und liefern schließlich noch eine mindestens originelle Begründung für den Hammer als »Tatwaffe«: Der passe deshalb »so gut zu Luther, weil er mit diesem und anderen Werkzeugen andauernd Umgang hatte«. Denn Luther habe auch die Funktion des Distriktsvikars ausgeführt, als solcher sei er auch für die Bautätigkeiten der ihm unterstellten Augustinerklöster in Sachsen zuständig gewesen.

Ein paar Sätze von der Buch-Präsentation blieben hängen, etwa dieser hinsichtlich der jüngeren Wirkungsgeschichte des Thesenanschlags: »Wenn man nicht mehr fragt, was Geschichte mit uns zu tun hat, bleibt es nur noch ein antiquarisches Interesse«, so Hasselhorn. Am Ende verglich Ministerpräsident Haseloff das Ganze mit Willy Brandt, der den Satz »Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört« wortwörtlich so nicht gesagt hat und doch wurde er später so »tradiert«, weil er »dem Geist seiner Rede« entsprach. So kann man das natürlich auch sehen.

Benjamin Hasselhorn; Mirko ­Gutjahr: ­Tatsache! Die ­Wahrheit über ­Luthers Thesenanschlag. ­Evangelische Verlagsanstalt 2018, 146 S., 10 Euro.

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