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Kirchesein in unruhiger Zeit

Synode: Viele Wortgefechte wurden geführt über den Sparkurs und die lutherische Identität der Landeskirche. Das Unbehagen war groß, die Zukunftshoffnung klein.
Von Uwe Naumann und Stefan Seidel
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Keine einfachen Aufgaben: Die Synodalen beschäftigten sich auf der Herbstsynode am Wochenende auch mit den zukünftigen Einsparungen in der sächsischen Landeskirche. Insgesamt tagte die Synode vier Tage im Haus der Kirche in Dresden. © Foto: Steffen Giersch

Es sind zwei Botschaften, die von der am Montag zu Ende gegangenen Herbsttagung der sächsischen Landessynode ausgehen. Zum einen: »Die fetten Jahre sind vorbei.« Und zum anderen: »Die Kirche ist weiterhin stark mit sich selbst beschäftigt.« Zwar blieb der ganz große Krach um den künftigen Sparkurs der Kirche aus. Und es gab auch keine Demonstrationen frustrierter Gemeindeglieder oder Kirchenmitarbeiter. Vielmehr wies der Haushalt 2019 noch einmal den üppigen Betrag von 226 Millionen Euro aus.

Dennoch schwebte das Ende der finanziell goldenen Zeiten schon über den Synodalen und der Kirchenleitung wie das berühmte Damoklesschwert. Es wehte bereits eine Ahnung der noch bevorstehenden Verteilungskämpfe durch den Raum. So wurde eine harte Debatte über die Kürzungsvorschläge für den übergemeindlichen Bereich durch das Landeskirchenamt geführt. Dieses hatte angekündigt, in diesem Bereich ab 2020 alle fünf Jahre 3 Millionen Euro einzusparen. Unter anderem durch die Zusammenlegung der Evangelischen Hochschulen Moritzburg und Dresden sowie die Neustrukturierung der kirchlichen Werke im Bereich der Akademiearbeit, der Erwachsenenbildung (EEB), der Frauenarbeit, der Männerarbeit, des Instituts für Seelsorge und Gemeindeaufbau (ISG), des Theologisch-Pädagogischen Instituts (TPI) und der Ehrenamtsakademie. Konkrete Einsparungen sollen laut Landeskirchenamt auch in den Bereichen der landeskirchlichen Pfarrstellen und Verwaltung sowie der Diakonie erfolgen.

Dies war dem Finanzausschuss der Synode allerdings zu unkonkret. Dershalb forderte er vom Landeskirchenamt eine tabellarische Darstellung der jährlich geplanten Einsparungen – und dass diese sich verhältnismäßig in der selben Größenordnung bewegen sollen wie die geplanten Einsparungen im Kirchgemeindebereich. Hartwig Böhmer, Vorsitzender des Finanzausschusses, erinnerte an die schmerzhaften Einschnitte, die die Kirchgemeinden gerade hinnehmen müssen. Er forderte ebenso schmerzhafte Einschnitte bei den Werken und Einrichtungen der Landeskirche. »Wir sind eine kleiner werdende Kirche. Es ist endlich an der Zeit zu fragen: Können wir uns das noch leisten? Welche Werke und Einrichtungen können wir noch halten?«

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Johannes Kimme, konterte: »Diese Debatte, die unterstellt, dass nur an der Basis große Einsparungen vorgenommen werden und der ›Wasserkopf‹ der Landeskirche verschont werde, entspricht nicht der Wahrheit.« Beispielsweise würde auch im Landeskirchenamt empfindlich gespart.

Zwischendurch wurde die Debatte so emotional, dass die Vizepräsidentin der Synode, Bettina Westfeld, mahnen musste: »Bitte gehen Sie respektvoll miteinander um.« Am Ende wurde der Antrag des Finanzausschusses einstimmig angenommen, dass das Landeskirchenamt die geplanten übergemeindlichen Einsparungen in Tabellenform vorzulegen habe und diese sich an den gemeindlichen Einsparungen orientieren sollen.

Auch emotional ging es bei der Diskussion um die Zustimmung zu einer Grundordnungsänderung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu. Der zufolge gilt die EKD als Gemeinschaft ihrer Gliedkirchen künftig selbst als Kirche. Bisher war sie nur die Gemeinschaft der evangelischen Kirchen unterschiedlicher Bekenntnisse (lutherisch, reformiert, uniert) und hatte keine eigenständige Kirchenqualität. Durch diesen Schritt sahen zahlreiche Synodale die Bewahrung der lutherischen Identität der sächsischen Landeskirche gefährdet. »Ich bin von Thüringen nach Sachsen gewechselt, weil dort die Bekenntnisfrage nicht mehr so wichtig schien«, sagte der Synodale Sebastian Schurig und beklagte, dass das lutherische Augsburger Bekenntis nicht in die Grundordnung der EKD aufgenommen worden sei. Und der Synodale Till Vosberg sagte: »Die EKD ist eine gesellschaftspolitische Instanz, aber für mich keine Kirche.« Dem widersprach Landesbischof Rentzing: »Wir wollen unseren Bekenntnisstand nicht in irgendeiner Frage einebnen lassen. Wir bestätigen nur, was längst Realität ist.« Die sächsische Landeskirche brauche die EKD als Gemeinschaft Glaubender und als »Kristallisationszentrum« des Evangelischen in Deutschland. Schließlich stimmte die Synode der Grundordnungsänderung mit knapper Mehrheit zu.

Diese zwei Debatten zeigen schlaglichtartig, unter welchem Druck die Landeskirche steht. Es scheint sowohl ein äußerer Druck zu sein – aufgrund der geringer werdenden Möglichkeiten –, als auch ein innerer Druck, aufgrund der Unsicherheiten über die Dinge, die noch verlässlich Geltung haben. Der Synodale Thomas Knittel sprach sogar von »äußerer und innerer Emi­gration« unter Haupt- und Ehrenamtlichen. Er frage sich, ob es bei den nächsten Kirchenvorstandswahlen noch genügend Kandidaten geben werde.

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