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Leben ohne Traumpartner

Selbstbestimmt und allein lebend: Manchen erscheint das ideal. Doch mehr als 80 Prozent der Singles sehnen sich laut Umfragen nach einem Partner. Doch wie ihn oder sie finden?
Von Harald Krille
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© Antonioguillem/Fotolia

Sie haben ihn gerade wieder überstanden, den großen Tag der Verliebten. Manchem der laut Umfrage rund 16,8 Millionen Singles im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mag es dabei ergehen wie Sportmuffeln während einer Fußball-WM: Alles schwenkt Fahnen, ist in Feierlaune, trifft sich zum geselligen Fernsehgucken – aber man selbst steht außen vor. Längst haben nicht nur die Blumenhändler den Valentinstag entdeckt. Auch in den Kirchen gibt es an diesem Tag Angebote zur Segnung von Verliebten und Paaren. Was ja auch logisch ist angesichts der traditionell starken Betonung von Ehe, Familie und Kindern im kirchlichen Alltag. Angebote für Singles? Weithin Fehlanzeige. Natürlich sind sie in Gottesdiensten, Gemeindeabenden und Hauskreisen herzlich willkommen. Allerdings dominieren dort in der Regel eben die Ehepaare und Familien mit ihren spezifischen Problemen. Und ihrem Unverständnis: »Warum hast du als hübsche, intelligente Frau denn noch keinen Mann?« Oder: »Mann, nun nimm dir doch mal ein Herz und suche dir eine Frau.«

»Ehepaare sind die schlechtesten Ratgeber für Singles«, sagt die Leipzigerin Birgit Postler unumwunden. Sie hat aus der Not geboren 1997 die Christliche Partnerschaftsvermittlung (CPV) gegründet. Ihre Erfahrung: »Der Wunsch nach Nähe und Beziehung bleibt in der Regel ein Leben lang bestehen.« Doch scheint es für viele immer schwerer zu werden, einen adäquaten Partner zu finden. Um so mehr, wenn er auch noch den eigenen christlichen Glauben teilen soll. »Aber jeder hat doch das Recht, sich einen Partner zu wünschen, mit dem er auf Augenhöhe kommunizieren kann«, wehrt Postler den Vorwurf des zu hohen Anspruches ab.

Wie groß die Not ist, zeigt zudem ein Blick ins Internet. Rund 2500 Singlebörsen und Kontaktplattformen gibt es derzeit im deutschsprachigen Raum. Die Skala reicht dabei von großen Angeboten wie Parship oder ElitePartner bis hin zur reinen Kontaktvermittlung für Seitensprünge und gelegentliche unverbindliche Sexkontakte. Auch christliche Angebote finden sich. Etwa »Himmlich Plaudern« oder die Plattform »Christliche Partnersuche«.

2015 erwirtschafteten die Internet­angebote einen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro, hat der Branchendienst Singlebörsen-Vergleich herausgefunden. Und wie immer, wenn viel Geld im Spiel ist, tummeln sich auch unseriöse Anbieter darunter. Da wird nicht nur die Anzahl der angemeldeten Kontaktpartner nach oben aufgerundet, sondern mitunter auch mit falschen Profilen gearbeitet. Dennoch: Das Internet gewinnt bei der Partnersuche immer mehr an Bedeutung: 2013 bereits zeigte eine Untersuchung deutscher Standesämter, dass 16,4 Prozent der geschlossenen Ehen über das Internet angebahnt wurden. Andere Studien gehen davon aus, dass inzwischen rund 30 Prozent aller Beziehungen ihren Start über das Netz nehmen. Doch auch im Netz bleiben die Probleme ähnlich wie bei traditionellen Agenturen: Die am schwersten zu vermittelnde Gruppe sind neben männlichen Hartz-IV-Empfängern die Akademikerinnen im Alter um die 40, stellt Singlebörsen-Vergleich fest.

Eine Feststellung, die Cornelia und Stephan Arnold aus Bad Tabarz bestätigen. Die Mitarbeiter des freien christlichen Werkes »Team.F – Neues Leben für Familien« bieten seit etwa acht Jahren Seminarwochenenden unter dem Titel »Backstube Traumpartner« an. »Dabei geht es nicht darum, wie ich den Traumpartner finde, sondern wie ich selbst zu einem Traumpartner werde«, betont Stephan Arnold. Es geht um Persönlichkeitsentwicklung, um die Aufarbeitung von Blockaden und hinderlichen Prägungen. Und besonders bei Männern geht es auch um die Ermutigung, sich selbstbewusst auf die Partnersuche zu begeben. »Ein Gebet um den Traumpartner reicht da nicht«, ist Arnold überzeugt. Aber was, wenn sich trotz »Backstube« und offensiver Suche der Partner nicht findet? Bleibt letztlich nur der Frust? Nein, sagt die Seelsorgerin Astrid Eichler, »es muss noch etwas Anderes geben«.

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