Kein Supermarkt der Religionen

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat! 1. Joh. 5,4c
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Dr. Ines Mory ist Synodale und Schulpfarrerin im Kirchenbezirk Löbau-Zittau. © EVLKS

Allein wenn ich glaube, habe ich alles – das war die große Entdeckung des Augustinermönchs Martin Luther. Allerdings ist das mit dem Glauben keine leicht Sache. Fragen tun sich auf. Woran glaube ich? Meine Ethikkollegin antwortete voller Überzeugung: »An nichts, außer an mich selbst.«

Doch was, wenn ich selber nicht weiter weiß? Mein Schüler aus der 11 schreibt: »Jeder Mensch glaubt an irgendetwas, sei es an Jehova, Zeus oder Allah.« Dann aber gleicht Glauben dem Einkaufen im Supermarkt der Religionen und bleibt diffus. Nein, Glauben ist nicht nur eine Haltung, sondern immer auch konkret. Deshalb schrieb einst der Verfasser des ersten Johannesbriefes an seine Gemeinde. Er wandte sich gegen einen falsch verstandenen Christusglauben, der alles Tun egalisierte. Deshalb ermuntert er zu einem Glauben an den Gott, der in Jesus selbst in die Welt gekommen ist.

Auch der 17. Sonntag nach Trinitatis ist solch eine Einladung zum Glauben und erzählt darum Geschichten, in denen deutlich wird, was Glaube vermag: Da ist die ungläubige kanaanäische Hure Rahab, die den von Josua entsandten Kundschaftern eine Zuflucht bietet, weil sie die Größe des Gottes Israels erkannt hat. Auch heute gibt es Glaubensgeschichten. Da ist die schwer an Krebs erkrankte Frau, die weiß, dass sie mit Ende Fünfzig demnächst sterben wird. Sie möchte Abschied nehmen von diesem Leben, was ihre Familie gar nicht versteht. Aber als Gläubige ist sie sich gewiss, dass sie den Tod nicht fürchten muss. Glaube versetzt Berge, sagt die Bibel. Glaube ist eine Kraft, die Menschen stark macht. Glaube ermutigt Menschen, sich den Herausforderungen im Leben zu stellen. Ja, er verhilft sogar zum Sieg über die Welt. Die Welt als Inbegriff der eigenen Wünsche, die nur überwunden werden können, wenn wir uns auf das Wagnis des Glaubens einlassen: Sich ganz verlassen auf Gott – dann habe ich alles.

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Quelle
DER SONNTAG, Nr. 41 | 13.10.2019 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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