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Grüner wird’s nicht

Waldsterben: Vielerorts zeigt der Wald Schäden in dramatischem Ausmaß. Nun werden verschiedene Auswege gesucht. Es ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit.
Stefan Seidel (mit epd)
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Wald, Waldsterben, tote Bäume
© epd-bild/Steffen Schellhorn

Die deutschen Wälder befinden sich in einem höchst bedrohlichen Zustand. »Wir sehen einem weiteren Jahr mit dramatischem Borkenkäferbefall und katastrophalen Schäden entgegen«, sagte Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne) vor einigen Wochen bei einem Vor-Ort-Termin im Tharandter Wald.

Und der stellvertretende Sachsenforst-Geschäftsführer Mike Eller sagt: »Wir erleben derzeit Waldschäden von historischem Ausmaß.« An fast allen Standorten seien mehr Borkenkäfer registriert worden »als im vergangenen Rekordjahr«. Davon sind vor allem die Fichten betroffen – die häufigste Wald-Baumart in Deutschland. Dabei begünstigt die anhaltende Trockenheit die Verbreitung der Borkenkäfer und schwächt den Gesamtzustand der Bäume. Die Bäume seien jetzt anfälliger, weil sie in den letzten Jahren viele Reserven aufgebraucht hätten, erklärt der Freiburger Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik der Regierung.

Zur Bekämpfung des Borkenkäfers ist in Sachsen vor einigen Wochen sogar die Bundeswehr ausgerückt. Einsatztrupps haben in den erzgebirgischen Forstbezirken Bärenfels und Neudorf gemeinsam mit Forstleuten befallene Fichten gefällt und entrindet. Dadurch könne die Entwicklung des Schädlings gestoppt werden, der in trockenen und warmen Frühjahren pro Paar bis zu 10 000 Nachkommen produzieren könne, teilte der Staatsbetrieb Sachsenforst mit. Die kürzlich veröffentlichte Waldzustandserhebung 2019 schlägt für alle Bäume Alarm. Danach wiesen 78 Prozent der Bäume leichte oder schwere Schäden auf. Es wird davon ausgegangen, dass durch die letzten beiden Dürresommer 245 000 Hektar Wald zerstört wurden. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig zeigt an, dass im Frühjahr vor allem weite Teile im Osten und Süden Deutschlands unter außergewöhnlicher Dürre litten.

Auch Umweltschützer sind besorgt. Der deutsche Wald sei im Dauerstress, klagt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). »Den Bäumen in den Wäldern Deutschlands geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht«, so BUND-Vorsitzender Olaf Brandt. Überfällig sei die wirksame Verringerung der Luftschadstoffe sowie ein Waldumbau – »weg von anfälligen Nadelforsten hin zu vielfältigen Laubwäldern«. Außerdem wies Brandt auf den Zusammenhang von Wald- und Klimaschutz hin. Um den Wald zu retten, bräuchte es absolute Energieeinsparung, einen schnelleren Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien und eine schnellstmögliche Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien. Auch der Autoverkehr müsse verringert und bestehende Abgasreinigungsregeln eingehalten werden.

Und die Umweltschutzorganisation WWF kritisiert mit Blick auf die Dürre eine weit verbreitete »Entwässerungsmentalität« in der Landwirtschaft und forderte den Rückbau von Entwässerungsgräben in Wäldern und einen besseren Moorschutz.

Um insbesondere die Waldschäden durch den Borkenkäferbefall zu bewältigen, hat der Freistaat Sachsen Anfang des Jahres 52 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Bereits im vergangenen Jahr wurde mit der »Moritzburger Erklärung« auf die Dringlichkeit der Waldrettung im Angesicht des Klimawandels hingewiesen und notwendige Gelder in Höhe von 800 Millionen Euro dafür veranschlagt. Als einen Ausweg aus der Krise fordern einige Experten, dass der Erhalt des Waldes künftig nicht nur durch Holzverkauf finanziert werden dürfe. »Es braucht einen Finanzausgleich für die Ökosystemlei­stungen des Waldes, um nicht mehr diesem Wirtschaftszwang zu unterliegen«, sagt Jana Ballenthien von Robin Wood. In Sachsen sind rund 2 Prozent des Waldes Kirchenwald.

Hier finden Sie unsere Waldreportage aus dem Erzgebirge (mit Paywall):

https://www.sonntag-sachsen.de/2020/30/mit-hornern-und-kafern

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