Kirche und Seenotrettung

Eine Pro-und-Kontra-Debatte zu der Frage »Soll sich die Kirche bei der Seenotrettung engagieren?«
Michael Zimmermann, Gudrun Lindenr
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Michael Zimmermann:

»Es braucht Menschen, die Menschlichkeit beweisen, die die Möglichkeiten, die wir haben, auch nutzen.« Das sagte Ministerpräsident Kretschmer bei der Verleihung des Erich-Kästner-Preises an Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch. Soll sich die Kirche bei der Seenotrettung engagieren? Ja, selbstverständlich soll sie das, ja sie muss es sogar. Zunächst geht es dabei um die Frage nach der Seenotrettung. Sie ist nicht nur eine moralische Notwendigkeit, sondern im UN-Seerechtsübereinkommen festgelegt. Dabei spielt es keine Rolle, was der Grund für die ausweglose Lage ist. Für den Rettungsdienst auf unseren Straßen steht die Hilfe für die Menschen an erster Stelle. Es geht vorher zum Glück nicht um Recht oder Unrecht, um überhöhte Geschwindigkeit oder ein fahruntüchtiges Auto. Da die staatlichen Organisationen ihre Verpflichtung zur Seenotrettung eingeschränkt haben, sind private Organisationen eingesprungen.

Der zweite Teil der Frage ist, warum sich Kirche dabei engagiert und das Schiff »Sea-Watch 4« unterstützt. Wer meine Nächste und mein Nächster ist, hat Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter beantwortet. An anderer Stelle geht Jesus noch weiter und weist darauf hin, dass er selber mir in den Geringsten begegnet. Das bleibt eine ständige Irritation: es sind die Armen, die Menschen mit Behinderung, aber eben auch die Fremden und Geflüchteten.

»Die Kirchen sind Anwälte der Menschenrechte geworden – aber nur der Staat kann die Menschenrechte und ihre Einhaltung garantieren.« Mit diesen Worten hat der frühere Bundespräsident Johannes Rau 2005 die Aufgaben von Kirche und Staat unterschieden. Übertragen auf unsere Frage heißt das, dass Kirche anwaltlich für die Not von Geflüchteten eintreten und das Bewusstsein für die unhaltbare Situation wach halten muss. Das tut sie nicht allein, sondern in einem Bündnis mit anderen. »Menschen, die Menschlichkeit beweisen« – um nicht weniger geht es.

Gudrun Lindner:

Nein, DIE Kirche soll sich nicht in der Seenotrettung engagieren, solange DIE Kirche nicht die Aufnahme und Integration der Geflüchteten zusichern kann. Die Schwierigkeit bei der gesamten Debatte ist genau die Bezeichnung DIE Kirche. Nicht die Aktivisten des Kirchentages sind DIE Kirche und nicht Herr Gundlach als Vorsitzender des Vereins »United­4Rescue« und gleichzeitig Cheftheologe des Kirchenamtes der EKD ist sie. Auch die Kritiker der Seenotrettung sind nicht DIE Kirche. DIE Kirche besteht aus der Gesamtheit der Christen in den Dörfern und Städten.

Sicher kann man in einer so prekären Situation wie der Rettung von in Seenot Geratenen nicht erst eine Umfrage starten, ob alle Christen zustimmen. Aber es wäre klug, wenn Herr Bedford-Strohm, der sonst sehr viel Wert auf Hörbereitschaft legt, in dieser Frage außer der dezidierten Aussage (»Man lässt Menschen nicht ertrinken. Punkt.«) auf die Bedenken derer hören würde, die die Problematik weitreichender bedenken. Was wird mit den an Land Gebrachten? Wer nimmt sie auf? Wird den Schleppern in die Hände gearbeitet? Was kann getan werden, dass die vorwiegend jungen Menschen ihren Ländern zur Verfügung bleiben?

Sollten die Bischöfe und Bischöfinnen Deutschlands nicht intensiver mit ihren Kollegen in Ungarn, Polen und weiteren EU-Ländern sprechen, dass die auf ihre Regierungen einwirken, damit endlich europäische Lösungen gefunden werden?

Nein, man darf Menschen nicht ertrinken lassen. Und es ist gut, wenn Christen spenden, dass zivile Rettung geschieht, durch Bildung und Projekte wie es Brot für die Welt verantwortet, durch Verbinden der Geschundenen in den Flüchtlingslagern durch Ärzte ohne Grenzen und ja auch für die, die Hilfsschiffe senden. So wird jede und jeder sein Spendenziel finden. DIE Kirche aber soll die Barmherzigkeit Christi und seine bereits geschehene Erlösungstat in alle Herzen predigen.

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