Mut zum Kirchen-Experiment

Aufbruch: Angesichts schwindender Mitglieder und des Wandels der Gesellschaft wird vielfältig nach neuen Formen des Kircheseins gesucht. Dabei gilt es, Tradition und Weiterentwicklung zu verbinden­.
Von Stefan Seidel
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© Annett Seidler – stock.adobe.com

Während die Corona-Krise abklingt, steht eine alte Krise wieder neu vor Augen: die Kirchenkrise. Angesichts dramatischer Mitgliederverluste und eines notwendig gewordenen Rückbaus der Kirchenstrukturen stellt sich vielerorts die Frage, wie die Kirche der Zukunft aussehen soll. Dieser Suche könnte die Pandemie einen Schub verleihen. Denn plötzlich wurde die Erfahrung gemacht, dass Kirche in neuen und kreativen Formaten möglich ist. Stichwort: digitale Verkündigungsangebote und Beteiligung an örtlichen Unterstützungsnetzwerken.

Auf Initiative von Landesbischof Tobias Bilz fand deshalb im März ein Online-Forum zu den kirchlichen Lernerfahrungen und Ideen für die Zukunft der Kirche statt. Ein daraus entstandenes Impulspapier ist jetzt auf der Internetseite verfügbar (siehe auch Seite 5). Darin heißt es: »Insgesamt öffnet sich eine Zeit der Erprobung neuer Formen.« In den Gottesdiensten soll auf Vertrautes und Vielfältiges geachtet und kleinere gottesdienstliche Formen gestärkt werden.

In Bezug auf die traditionellen Angebote von Gruppen und Kreisen wird gesagt: »Die Reduktion weiter Teile der hauptberuflichen Aktivitäten auf eine relativ kleine Gruppe von Rezipienten (Empfängern, Anm. d. Red.) und ein bestimmtes Gruppenformat wird überwunden.« Es soll ein neues Verhältnis des Einsatzes für die Kerngemeinde, die Randgemeinde und die Menschen im Sozialraum angedacht werden.

Digitale Angebote sollen einen fe­sten Platz im Angebot behalten und ständig weiterentwickelt werden. Die Vervielfältigung der Kommunikationskanäle und die neue Meinungsvielfalt und Komplexität machen es dabei erforderlich, »das Eigene in einem großen Zusammenhang zu platzieren« und Klarheit zu erlangen im Blick auf das, was zentrale Glaubensinhalte sind. Dabei wird besonders der Wert des persönlichen Zwiegesprächs betont. Außerdem soll sich die künftige Kirche der Not anderer zuwenden und »dafür die vorhandenen Mittel und Möglichkeiten großzügig einsetzen«.

In der sächsischen Landeskirche sind seit 2019 über 14 »Initiativen missionarischer Aufbrüche« genehmigt worden. In diesem Jahr beispielsweise die Projekte »Chemnitz 2025: Kirche in der Kulturhauptstadt«, »Jesus in der Bahnhofsvorstadt« in Zwickau und »Gemeinde Gegenüber« in Plauen. Das liegt auf der Linie der Bestrebungen der EKD, neue Räume und Formen zu finden, wie Kirche außerhalb ihrer traditionellen Orte und Räume sichtbar und wirksam werden kann.

Insgesamt dürfte es um eine Verbindung von Bewahrung und Aufbruch gehen, so wie es die Auerbacher Pfarrerin Mandy Rabe in ihrem Beitrag zum Buch »Kirche der Zukunft, Zukunft der Kirche« beschreibt. Für die Zukunft werde es nötig sein, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden, so Rabe. Und weiter: »Ich ärgere mich, wenn Stillstand oder gar Rückschritt zum Ziel erklärt wird, wie z. B. durch die sächsische Aktion ›Zurück auf Los‹. Mit deren Initiatorinnen und Initiatoren ärgere ich mich jedoch auch über die fehlende Transparenz in vielen Entscheidungsprozessen auf den höheren Ebenen der Landeskirche.«

Pfarrerin Rabe regt an, bewährte kirchliche Formen der »Komm-Struktur« (Gruppen, Kreise, Gottesdienste) durch Formen der »Geh-Struktur« hin zu kirchenfernen Menschen zu ergänzen. Das Experimentierfeld »Kirche der Zukunft« ist eröffnet.

Angebote von »Kirche, die weitergeht«:

12.-16. 7.: Sommerschule »Mission & Kontext« in Herrnhut über Gesellschaft und Kirche im Wandel

2. 10.: Impulstag »Kirche Kunterbunt« Weitere Informationen und Angebote:

www.kirche-die-weiter-geht.de

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