Wir müssen reden

Von Susanne Schröder
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Für kaum ein anderes Verb gibt es so viele Synonyme wie für das Wörtchen »reden«. Es quasselt, schwätzt, labert, plaudert und quatscht auf allen Kanälen. Der Sache dient das, vorsichtig gesagt, nicht immer. Erst recht nicht in der Politik. Deshalb ist es fast schon eine Wohltat, dass bei den diversen Sondierungsrunden in Berlin zumindest derzeit noch eine andere Redekultur gepflegt wird als vor vier Jahren. Natürlich geht es am Ende trotzdem darum, wer welchen Po-sten bekommt und sich mit seinem Thema durchsetzt. Aber zumindest nach außen scheinen Rededisziplin und offenes Gespräch die Runden zu prägen, statt Durchstechereien für die schnelle Profilierung. Den Beteiligten ist wohl klar: Ohne von Anfang an ehrlich miteinander zu sein, lässt sich bei dieser Stimmverteilung kein haltbares Bündnis schmieden. Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn die momentane Selbstbeherrschung der politischen Akteure nicht nur ein Strohfeuer wäre, sondern einen neuen politischen Stil des offenen Umgangs und der ehrlichen Rede begründen könnte. Nun ist die Kunst gelingender Kommunikation nicht nur im politischen Betrieb vonnöten, sondern in allen Lebensbereichen. Ob Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, alltägliches Miteinander: Alles könnte eine Spur friedlicher sein, wenn Menschen sich Zeit nähmen für ein gutes Gespräch. Und auch die Kirchen merken, wie viele »Ferne« sich erreichen lassen, wenn sie an neuen Orten auf einfache Weise von Gott sprechen. Das Beste: Eigentlich weiß jeder, wie ein gutes Gespräch funktioniert. Zuhören. Nachfragen. Ehrlich sein. Freundlich bleiben. Ausreden lassen. Bei der Sache bleiben. Wir haben es in letzter Zeit vor lauter Filterblasen, Dauergezwitscher und Alltagsüberlastung womöglich nur etwas verlernt.

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DER SONNTAG, Nr. 42 | 17.10.2021 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen
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