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Andere Beurteilung der Aufsätze Rentzings

Mehrere Landessynodale teilen die kirchenamtliche Einschätzung der Schriften Rentzings als »elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich« nicht
Uwe Naumann
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Carsten Rentzing
Der Rücktritt des Landesbischofs Carsten Rentzing wird ein wichtiges Thema auf der Herbsttagung der Landessynode in Dresden vom 15. bis 18. November sein. © Steffen Giersch

Vor der offiziellen Verabschiedung des zurückgetretenen Landesbischofs Carsten Rentzing am 15. November in Dresden wird öffentlich an der kirchenamtlichen Beurteilung seiner umstrittenen studentischen Schriften gezweifelt. Auf der Tagung der Generalsynode der VELKD in Dresden vor wenigen Tagen sagte der Leipziger Synodale Till Vosberg, er könne in den Texten keine nationalistische Überhöhung sehen. Damit widersprach er der Bewertung durch das sächsische Landeskirchenamt, das Rentzings Schriften als »elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich« eingestuft hatte. Unter den Mitgliedern der sächsischen Landessynode, die ab Freitag über verschiedene Aspekte des Rücktritts von Rentzing sprechen wollen, ist Vosberg mit seiner Haltung nicht allein. Dem Sonntag sagten auch andere Landessynodale, dass Rentzings Texte zwar demokratiekritisch, aber nicht demokratiefeindlich seien. So ist zu erwarten, dass auf der Synodentagung Rentzings Aufsätze von 1989 bis 1992 aus der Zeitschrift »Fragmente. Das konservative Kulturmagazin« in unterschiedlicher Beurteilung noch einmal Thema sein werden. In dem Zusammenhang wollen die Synodalen auch über den Umgang miteinander und mit den Medien sowie über die Abgrenzung der Positionen von wertekonservativen Christen zu rechtsextremen Äußerungen sprechen.

Nach dem Rücktritt von Carsten Rentzing als Landesbischof zum Ende Oktober hatten auch Theologen wie der frühere Vorsitzende des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes, Johannes Berthold, die Angemessenheit der Bewertung von Rentzings Aufsätzen durch das Landeskirchenamt angezweifelt. So fragte Berthold in einem Kommentar, ob die Texte »nicht selbst nach dreißig Jahren noch geeignet wären, einen notwendigen kritischen Diskurs über die Grundlagen, die Gestaltung und auch die Gefährdungen unserer Demokratie anzuregen«. Gert Pickel, Demokratieforscher und Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, kam in seiner Einschätzung der Texte zu dem Urteil »rechtspopulistisch« bis »angrenzend an rechtsradikal«.

Zur Frage der Einordnung der Texte durch das Landeskirchenamt zwischen dem 11. und 13. Oktober hatte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, im Gespräch mit dem Sonntag gesagt: »Zunächst einmal hat sich der Landesbischof selbst von diesen Texten distanziert. In der kurzen Zeit, die wir daraufhin im Landeskirchenamt zur Lektüre der Texte zur Verfügung hatten, haben wir diese Einordnung für das Landeskirchenamt getroffen. Indem sich der Landesbischof deutlich distanziert hat, hat er ja ebenfalls eine Einordnung vorgenommen.« Schon in der Erklärung des Landeskirchenamtes vom 13. Oktober hieß es: »Die Bewertungen der Texte werden unterschiedlich ausfallen.«

Am 11. Oktober hatte Carsten Rentzing seinen Rücktritt vom Amt des Landesbischofs angeboten. Am 12. Oktober wurden die Aufsätze Rentzings öffentlich, die er als Student zwischen 1989 und 1992 für die Zeitschrift »Fragmente. Das konservative Kulturmagazin« geschrieben und die er mit herausgegeben hatte. Am 13. Oktober erklärte das Landeskirchenamt die Texte für »elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich«. Weiter hieß es: »Sie sind aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar.« Am 21. Oktober nahm die Kirchenleitung den Rücktritt des Landesbischofs mit Wirkung zum 31. Oktober an.

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