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Erlaubt: Segen für homosexuelle Paare

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Die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche hat auf ihrer Sitzung am 17. Oktober in Dresden beschlossen, dass Segnungen von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft im Einzelfall auch im Gottesdienst möglich sind, sofern Pfarrer sich hierzu bereit erklären. Das teilte das Landeskirchenamt am Dienstag mit.

Die Verantwortung dafür liege bei den Pfarrerinnen und Pfarrern. Sie hätten im Vorfeld die Beratung im Kirchenvorstand zu suchen. Werde eine Segenshandlung von Pfarrern verantwortet, ist sie ab Anfang nächsten Jahres nach der liturgischen Handreichung zur »Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft« zu vollziehen. Diese Segenshandlung verstehe sich nicht als Trauung, so die Kirchenleitung, sondern als Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft, die damit ihren Willen zum Ausdruck bringen, eine Partnerschaft in Verlässlichkeit, in verbindlicher Treue und Verantwortung füreinander zu begründen.

Die Handreichung wurde durch eine sechsköpfige Arbeitsgruppe der Kirchenleitung seit Oktober letzten Jahres erarbeitet. In der Einleitung ihres Berichtes wird festgestellt, dass gegenwärtig ein gesamtkirchlicher Konsens hinsichtlich der Segnung Eingetragener Partnerschaften als öffentliche Kasualhandlung nicht möglich sei. Den unterschiedlichen Auffassungen werde aber gemäß dem Ergebnis des Gesprächsprozesses zum Schriftverständnis durch die Freigabe des Gewissens Raum gegeben und Schutz gewährt.

http://www.evlks.de/doc/Handreichung_Segnung_2016_web.pdf

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44 Lesermeinungen zu Erlaubt: Segen für homosexuelle Paare
Jan Holfert schreibt:
22. Oktober 2016, 15:02

Ich weiß gar nicht recht, ob ich mich freuen soll. Endlich auch Segnung für Homosexuelle in der sächsischen Landeskirche. Und das, obwohl der Bischof sich explizit dagegen positioniert (die angeblich 'besondere Verheißung', welche auf der Ehe liegt...). Aber wenn man die Handreichung sich dann ansieht, ist von Freude nicht mehr viel übrig. Der Pfarrer kann ablehnen (darf er das bei Heteros auch? Ich weiß es nicht). Der KV m u s s informiert werden (warum eigentlich?). Und dann diese Kommentare von u.a. Thomas aus Leipzig. Wo bleiben bei diesen Kommentatoren die Nächstenliebe und die Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit? Wir alle sind Sünder. Jeder auf seine Weise. Und Gott liebt alle, die sich zu Ihm bekennen. Das glaube ich fest.

Johannes schreibt:
22. Oktober 2016, 23:07

"Und Gott liebt alle, die sich zu Ihm bekennen." GOTT SEI DANK!

Gert Flessing schreibt:
23. Oktober 2016, 15:25

Wieder einmal werden die Grenzen der einzelnen Menschen, in ihrem Verständnis von Gott, seinem Wort und seiner Weite deutlich.
Nun darf ich also, als Pfarrer, wenn ich denn dazu bereit bin, schwule Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, segnen.
Bevor ich das mache, habe ich den KV zu informieren.
Wenn der dagegen ist, und ich dafür, was dann? folgt dann die Entlassung, wegen "ungedeihlicher Zusammenarbeit"?
Aber das geht mir nur am Rande durch den Kopf.
Im Grunde bin ich froh darüber, das ich solche Entscheidung nicht mehr treffen muss.
Nein, ich finde Schwul sein, nicht schlimm. Es ist eben so, das es Menschen gibt, die diese Veranlagung in sich tragen. Ich bin auch nicht davon überzeugt, das Gott sie, wegen dieser Veranlagung, weniger liebt, als andere Menschen.
Ich bin auch nicht davon überzeugt, das Sexualität, per se, wie es manche Leute früher meinten, den Keim der Sünde in sich trägt. Gott gab sie uns, damit wir uns aneinander freuen.
Sie ist Teil der Liebe.
Was mich, in dieser Zeit, stört, ist das gewaltige Brimborium, das um derartige Fragen gemacht wird.
Was mich stört ist diese Selbstgerechtigkeit auf allen Seiten.
Diese Segnung zerstört Kirche nicht.
Aber es sind auch keine hunderttausende Christenmenschen, die nun jubeln.
Es ist, für die Mehrzahl der Christen, völlig gleichgültig. Sie interessieren sich so schon nicht für das, was von oben kommt. Für Segenshandlungen u.ä. interessieren sie sich erst, wenn sie so was mal brauchen.
Gert Flessing

Beobachter/in schreibt:
23. Oktober 2016, 18:58

Schaun wa mal! Die Zahlen sgen etwas Anderes!

Zweitleser schreibt:
23. Oktober 2016, 23:34

+++ Der Kommentar wurde von der Redaktion gelöscht. Bitte beziehen Sie sich inhaltlich auf den Artikel. Nur so ist eine konstruktive Diskussion möglich. https://www.sonntag-sachsen.de/nutzungsbedingungen#Netiquette +++

René I. schreibt:
23. Oktober 2016, 20:34

Ist die Entscheidung der Kirchenleitung ein demokratischer Entschluss ? Und wieviel Bauchgefühl steckt in dieser Entscheidung ? Wie reflektiert ist diese Entscheidung ? Man müsste sich die Zusammensetzung der Kirchenleitung anschauen, das Abstimmungsverfahren, die einzelnen Qualifikationen und letztlich das Mischungsverhältnis verschiedener Standpunkte. Auch wäre es notwendig sich über das Wahlverfahren der Landessynodenwahl zu informieren, wenn es das überhaupt gibt.
Eine Kirchenleitung fasst Beschlüsse und gibt zumindest eine Richtung vor, in die die jeweilige Landeskirche steuern sollte. Fraglich ist ob diese Beschlüsse umgesetzt werden und vor allem wie diese in den einzelnen Werken und Kirchgemeinden kommuniziert und umgesetzt werden. Gibt es ein Zeitfenster bis zu dem jeder Pfarrer auch "Nein" zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften sagen kann ? Gegenwärtig wird gern mit dem Gewissensschutz der Pfarrer und ihrer Gemeinden argumentiert. Ich gebe Herrn Flessing recht. Meistens stimmen Pfarrer und Kirchenvorstand in diesen Fragen überein. Die Gemeinde bestellt ja schließlich auch ihren Pfarrer bzw entscheidet mit. Was passiert jedoch, wenn da keine Übereinstimmung herrscht , wenn ein Gewissensnotstand ausbricht. Wer schützt die Gewissen der Segnungswilligen ? Die Entscheidung der Kirchenleitung ist für mich zwar richtungsweisend jedoch zwitterartig. Es ist (kirchen politischer Druck, der diese Entscheidung begünstigt. Gleichzeitig ist diese Entscheidung keine für Schwulen und Lesben rehabilitierende Entscheidung, da die Verantwortung an die Kirchgemeinden zurückgegeben wird. Das Gewissen ist hier das Schmiermittel, welches den Riss zwischen realer gesellschaftlicher Situation und landeskirchlicher Realität kitten soll.
Die zunehmende Gottlosigkeit bringt letztlich auch die großen Kirchen in starke Bedrängnis. Die Kirche wird älter, es sterben mehr Mitglieder als getauft werden, es gibt Austrittswellen, übrig bleibt eine kleine Gruppierung Evangelikaler Christen, älterer Menschen, vereinzelt Quereinsteiger im Glauben. Auch deshalb wird der Ball zur Basis zurückgespielt. Mir scheint als werden Schwule und Lesben zum kirchenpolitischen Spielball degradiert und als Sündenböcke den Gemeinden vorgeführt. Mir wäre es wichtig, dass diese Situation in einem zeitlich begrenzten Rahmen nur erhalten bleibt. Ein Gewissensschutz darf nur noch eine bestimmte Zeit gelten. Eine Kirchenleitung muss ihre Glaubwürdigkeit behalten und sich nicht selbst als Instrument evangelikaler Ansichten benutzen lassen.
Das Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Religion kann nur durch eine Niemandslandzone in Spannung gehalten werden. Diese "Niemandslandzone" kann gefüllt werden mit allgemeinen Grundrechten wie wir sie in Deutschland haben und nur diese können einen drohenden Riss kitten. Durch manche religiöse Entscheidungen wird deutlich, dass man nicht zusammenhanglos mit Heiligen Schriften wie der Bibel und dem Koran allein Antworten kann, sondern man muss diese in Relation zu den Grundrechten setzen und die größtmögliche Schnittmenge finden. Denn in einem Gottesstaat wie wir ihn im Iran haben möchte ich nicht Leben.

Gert Flessing schreibt:
24. Oktober 2016, 12:41

Dem nun möchte ich vehement widersprechen.
Es ist NICHT Sache der Kirchenleitung zu bestimmen, wie, was, in einer Kirchgemeinde gehandhabt wird.
Das, was Sie vorschlagen, gefährdet die Selbstbestimmung der Kirchgemeinden, die ich für ein hohes gut halte.
Es gibt genügend Ecken, wo diese beschnitten werden soll.
Aber von je her ist nicht das Oben entscheidend für die Landeskirche, sondern sie ist von unten, von der Gemeinde her aufgebaut.
Natürlich sind Schwule und Lesben, in gewisser Weise, ein Spielball der gesellschaftlichen Kräfte.
Aber wer ins Feuer bläst, sollte sich nicht über Funkenflug wundern.
Was ich, als Pfarrer, in meiner Kirchgemeinde mache oder lasse, bespreche ich mit dem Kirchenvorstand. Gerade, wenn es dabei um bestimmte politische Affekte geht.
Ganz gewiss lassen wir uns nicht, eine politisch begründete, Meinung von irgendjemandem, aufzwingen.
So wird, sollte es zu einem Ansinnen, eines schwulen oder lesbischen Paares je kommen, es IMMER eine Einzelfallentscheidung sein. Es wird aber auch immer die Entscheidung der Gemeinde sein, nicht die, der Landeskirche.
Gert Flessing

Jan Holfert schreibt:
24. Oktober 2016, 18:46

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Es ist sehr gut geschrieben und spricht mir aus dem Herzen.

Leser schreibt:
24. Oktober 2016, 21:57

Ein weitreichender Beschluss, wie ich finde und den Beiträgen bisher zu entnehmen ist.
Was mich daran verwundert ist, dass es hier um eine Handlung Gottes (Segen) an den Menschen geht, über die nun (natürlich dem eigenen Gewissen verpflichtet) ganz unterschliedlich entschieden werden kann. Wo ist Gottes Souverenität dabei?
Ein biblisches Zeugnis, welche die Segnung einer Lebenspraxis beschreibt, von der es auch heißt, dass sie Gott ein Greuel ist, bekomme ich in meinem Kopf einfach nicht mehr zusammen.

René I. schreibt:
24. Oktober 2016, 9:48

Gott im religiösen Verständnis kann nicht begrenzbar in eine Form gepresst werden, Gott ist eine Größe, die über den menschlichen Verstand reicht. Wie heißt es immer so schön "Gott ist höher als unsere Vernunft", "Gottes Wege sind unergründlich". Gott ist oft nicht kalkulierbar, berechenbar für uns. Eine Segenshandlung ist deshalb als Akt des bittenden Vertrauens zu diesem unbegrenzten Gottesbild zu verstehen. Man bittet um Begleitung und gibt die eigenen Vorstellungen bewusst an Gott ab. Man muss nicht alles aus eigener Kraft bewerten oder entwerten. Ich sehe in einer Segnung letztlich auch keine Wertung, ob etwas gut oder böse ist, ob etwas moralisch oder unmoralisch ist. Es ist ein Vertrauensakt auf Gottes gutes Handeln, eine Anerkennung seiner Allmacht, ein oft symbolischer, ritualisierter Vorgang, der verdeutlicht, dass nicht alle Entscheidungen aus eigener Kraft oder Vernunft getroffen werden müssen und können. Auch eigene Wünsche oder Haltungen dürfen Gottes Handeln nicht ersetzen bzw beschneiden. Ist eine Entscheidung der Kirchenleitung vom Gewissen der Gemeinde, des Pfarrers abhängig, wird der Akt des bedingungslosen Vertrauens, teilweise ersetzt durch menschliche, oft ganz unterschiedliche Bewertungen. Es gibt aber keinen halben Segen. Segenshandlungen dürfen nicht von menschlichen Kriterien bedingt werden, nur um den Gemeindefrieden nicht zu gefährden.
Auch Jesus hat nie in den Evangelien behauptet, bspw wenn er die Hände auflegt; "du wirst vielleicht gesund". Gott spricht Menschen direkt an und befiehlt [...]"steh auf und geh![...]", er setzt auf Vertrauen "[...]dein Glaube hat dir geholfen.[...]". Nach einem 3 jährigen Gesprächsprozess wünsche ich mir für die nächste Entscheidung der Landessynode deshalb einen zeitlich begrenzten Gewissensschutz in dieser Angelegenheit. Es kann nicht sein, dass in manchen Gemeinden homosexuelle Paare in Predigten verteufelt werden und in einer Nachbargemeinde findet ein Segnungsgottesdienst statt.

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