Gottesäcker sterben

Zu wenig Bestattungen, zu hohe Kosten: Sächsische Kirchgemeinden müssen ihre Friedhöfe aufgeben.
Tomas Gärtner
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© Carola Fritzsche

Der St.-Pauli-Friedhof im Norden der Dresdner Neustadt hat eine große Vergangenheit, aber keine Zukunft mehr. 1862 eröffnet, war er bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu klein. 1900 hat man ihn deshalb erweitert, auf elf Hektar, Platz für gut 30 000 Grabstellen. Berühmtheiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Eltern des Schriftstellers Erich Kästner zum Beispiel oder Alfred von Fabrice, im 19. Jahrhundert sächsischer Kriegsminister. Von besonderer Pracht und Größe ist das von Johannes Schilling (1828–1910) geschaffene Grabmal für den 1882 gestorbenen Pharma-Großhändler Franz Ludwig Gehe. Es zeugt von jener hohen Zeit der Begräbniskultur, in der Friedhöfe wie dieser ihre Dimensionen erhielten.

Diese sind ihnen jetzt zum Verhängnis geworden. Denn heute lassen sich die meisten Menschen platzsparend unter die Erde bringen. Noch Mitte der 1990er Jahre sind knapp ein Drittel der Toten in Särgen bestattet worden, wie Albrecht Nollau sagt, Superintendent von Dresden Nord. Inzwischen weniger als ein Fünftel. Gleichzeitig wuchs der Anteil von Urnenbestattungen in Gemeinschaftsanlagen von elf auf 30 Prozent. Dazu sei die Gesamtzahl der Begräbnisse in den letzten 20 Jahren um ein Drittel zurückgegangen. 

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1 Lesermeinungen zu Gottesäcker sterben
Gert Flessing schreibt:
26. Juli 2015, 9:01

Ich greife das Thema hier noch einmal auf. Auch ich kenne Gemeinden, für die der Friedhof eine Belastung ist. Wie kann man damit umgehen? Schwer dürfte es dort sein, wo es kommunale Konkurrenz gibt. Schwer ist es vor allem dann, wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen.
Wo aber keine kommunale Konkurrenz besteht kann ein Friedhof nicht nur wirtschaftlich arbeiten, sondern sogar gewinnbringend sein.
Eine Frage, die sich jede Kirchgemeinde stellen muss, ist, wie viel an Arbeiten können wir mit eigenen Kräften leisten?
Jede Arbeit, für die ein Gewerbebetrieb genommen werden muss, bringt zusätzliche Kosten.
Wer biologische Abfälle nicht kompostiert, sondern auf eine Kompostanlage bringt, verursacht zusätzliche Kosten. Dazu kommen jene Kosten, die anfallen, wenn man dann zum Auffüllen von Gräbern und anderen Ausgleichsmaßnahmen, Erde kaufen muss. Je mehr Arbeit sich eine Gemeinde "vom Halse" schafft, um so mehr muss sie drauf zahlen.
Durch Ehrenamtsarbeit und durch Projekte, wie "Wir für Sachsen" lassen sich Menschen vor Ort auch auf dem Friedhof in Arbeit bringen. Pflege und Kompostierung und und anderes lassen sich so organisieren.
Wenn wir dann auch noch den Menschen einen Friedhof anbieten können, der ihren Wünschen, im Blick auf die Bestattung ihrer Angehörigen, entgegen kommt, haben wir die Möglichkeit gut zu wirtschaften. Ich denke, dass es, mit ein wenig Geschick, möglich ist, die Stadt für manches aufkommen zu lassen, denn sie hat eine gewisse Verpflichtung, wenn es um die örtliche Bestattungskultur geht. Jedenfalls, wenn kein städtischer Friedhof vorhanden ist.
Gert Flessing

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VERÖFFENTLICHT AM 22.07.2015 Artikel drucken
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