Mein Sonntags-Moment

(so)
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© Steffen Giersch

Der Arbeit beim SONNTAG war auch für die Chefredakteure nicht immer ein Sonntagsspaziergang – wir haben drei von ihnen nach ihrem persönlichen SONNTAGs-Moment gefragt. Und was sie sich für die Zukunft der Kirchenzeitung wünschen.

Ulrich Wickel: »Vor dreißig Jahren ... »Wie ist doch die Zeitung interessant für unser liebes Vaterland!«, so spottete 1841 Hoffmann von Fallersleben über das Zeitungswesen. 150 Jahre später, 1991, sitze ich als neuer Chefredakteur, aus Hannover kommend, für den SONNTAG in der Redaktion in der Dreikönigs­kirche Dresden. »Unserem lieben Vaterland« war 1989 die Einheit geschenkt worden. Der Gottesdienst zur Einführung war am 3. Advent. Oberste Aufgabe: die traditionsreiche Zeitung der sächsischen Landeskirche, den zeitgemäßen Herausforderungen ent­sprechend (Neugestaltung des Layouts, Erweiterung, Finanzierung, Kooperation mit anderen Kirchenzeitungen etc.), weiterzuführen. Unter der Herausgeberschaft der Ev. Verlagsanstalt galt es, das gedruckte Wort der Verkündigung unbedingt zu erhalten. Gemeinsam machte sich die Redaktion auf einen anspruchsvollen Weg in ver­änderungsreicher Zeit. Dem SONNTAG herzliche Segenswünsche zum 75. Geburtstag. Für die Zukunft: Gottes Segen der Redaktion und den Lesern des SONNTAG!«

Ulrich Wickel (Chefredakteur 1991–2003)

Christine Reuther: »Als ich 1990 in der Redaktion anfing, war unter dem damaligen Chefredakteur Friedbert Stöcker (Chefredakteur von 1980 bis 1991) der SONNTAG gerade dabei, sich vom vierseitigen »frommen Blatt« zur Kirchenzeitung zu wandeln. 1946 sollte er vor allem Trost und Erbauung für die Christen der Nachkriegszeit drucken. So etwa stand es in einer der ersten Ausgaben vor 75 Jahren. Schon in den 80er Jahren wollte die Redaktion mehr bieten, was unter den gegebenen Umständen von Papierkontingent und staatlicher Zensur bei den Lesern mehr und mehr die Fähigkeit des Zwischen-den-Zeilen-Lesens erforderte. Der Stoff für Berichte ging auch danach nie aus: Es gab Neuanfänge und es gab Abschiede durch strukturelle und finanzielle Notwendigkeiten in der Landeskirche und in den Kirchgemeinden. Es wurden Pfarrhäuser renoviert und Kirchen saniert. Es wurden christliche Kindergärten und Schulen gegründet. Und es wurde zuweilen heftig diskutiert auf den Leserbriefseiten. So wie es heute noch ist. Ich wünsche dem SONNTAG für die kommenden Jahre, dass er dieses Podium den sächsischen Chri­sten auch weiter bietet, dass er authentisch bleibt und immer interessierte Leser findet.«

Christine Reuther (Chefredakteurin 2008–2011)

Uwe von Seltmann: »Wenn ich auf meine Zeit beim SONNTAG zurückblicke, habe ich den Pobershauer Schnitzer Gottfried Reichel (1925–2015) vor Augen. Gottfried Reichel, in dessen Elternhaus Christenkreuz und Hakenkreuz gleichermaßen verehrt wurden, hatte sein Leben zwei Aufträgen gewidmet, die er erfüllen wollte: Alles zu tun, damit sich das, was in Nazi-Deutschland geschehen war, nicht wiederholt. Und zugleich an das Schicksal der sechs Millionen Jüdinnen und Juden zu erinnern, die von Deutschen und in deutschem Namen in der Schoah ermordet worden waren. Reichels bis zuletzt unermüdliches Engagement lag in seinem unerschütterlichen Glauben verwurzelt, der ihn zu einem – für viele – unbequemen und unerhörten Mahner werden ließ. Und für andere – wie für mich – zu einem Vorbild. Reichels »Gebete aus Lindenholz«, wie er seine über 400 Figuren nannte, sind in der »Hütte« zu sehen, einem Museum, das ihm die Gemeinde Pobershau eingerichtet hat. Über den Figuren aus dem Warschauer Ghetto sind die Worte zu lesen: »Gott meint uns heute«. Ich wünsche dem SONNTAG Leser, wie Gottfried Reichel einer war.«

Uwe von Seltmann (Chefredakteur 2004–2008); Foto: Yura Drug

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