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Segen und Schmerz

Die Einführung des neuen Bischofs war ein Fest – doch manchen war sie auch Grund für Ängste, Tränen und Protest. Beobachtungen einer unfeierlichen Seite der Landeskirche.
Andreas Roth
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Ein buntes Zeichen bei einem bunten Fest: Die Leipziger Pfarrerin Ulrike Franke (li.) hatte sich eine Regenbogen-Stola umgelegt, um bei der feierlichen Amtseinführung mit Bischöfen aus vielen Ländern ein Signal für die Rechte Homosexueller zu geben. © Steffen Giersch

Die Orgel jubelt zum Schluss golden, der Kreuzchor singt in festlicher Klarheit – doch beim ersten Segen des neuen Landesbischofs in der Dresdner Kreuzkirche stehen manche nicht mit auf. Und es gibt Tränen beim Auszug selbst unter Pfarrern.

Seifenblasen und bunte Zettel für eine kritische Petition an Carsten Rentzing verteilten der Dresdner Henri Vogel und gut ein Dutzend gleichgeschlechtlich liebende Christen aus Sachsen. Dazu ein Plakat: »Stop Homophobie«. »Es tut weh, wenn der neue Bischof drinnen in der Kirche für die Unterstützung der Entrechteten predigt – und damit nicht alle Entrechteten meint«, sagt Vogel und denkt dabei an die ­jüngsten Interviews, in denen Carsten Rentzing homosexuelle Partnerschaften als nicht dem Willen Gottes entsprechend bezeichnet hatte.

»Schämt euch!«, erwidern manche der aus der Kreuzkirche Strömenden den Homosexuellen. Andere rufen: »Ihr treibt die Kirchenspaltung voran!« Ein Mann versucht mit seinem Jackett, das Plakat zu verdecken, um dem Zug der Pfarrer diese Zumutung zu ersparen. Andere nicken freundlich.

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34 Lesermeinungen zu Segen und Schmerz
manuel schreibt:
02. September 2015, 15:14

Ich habe jetzt einige Artikel zur Bischofseinführung gelesen und denke wie so oft, wenn ich in der Zeitung über Dinge lese, bei denen ich selbst dabei war: War ich bei einer völlig anderen Veranstaltung? Also ich habe einen festlichen Gottesdienst gesehen und miterlebt - mit wunderbarer Musik - und einer Band in der altehrwürdigen Kreuzkirche - na sowas! Und die Tränen - die kommen manchem auch, wenn man eine volle Kirche Choräle singen hört. Dass es sowas ab und an noch gibt - wie schön. Und dass draußen Leute mit Transparenten stehen - na und? Es ist deren Recht zu demonstrieren.
Es wird viel darauf ankommen, ob man Bischof Rentzing irgendwann mal freilässt - und auch mal was anderes thematisiert als ununterbrochen seine Position zur Homosexualität. Dieses Thema dominiert unterschwellig die gesamte Berichterstattung über den die Einführung. Lieber Sonntag: Soll das jetzt die nächsten 12 Jahre so weitergehen? Immer wieder und wieder und wieder?
Schade, dass die Synode nicht aus Mitleid mit den "Linken" doch Herrn Bilz gewählt hat. Dann wäre die Welt für die "Linken" wenigstens in Ordnung gewesen - sie hätten sich wie gewohnt in der fortschrittlichen Mehrheit gewähnt - und wir hätten für die nächsten Jahre konturlosen Frieden in der Kirche gehabt - und jede Menge anonyme Frustration in den Gemeinden - von "Ewiggestrigen", auf die wir ja getrost verzichten können. Vielleicht wäre das besser gewesen.
Ich freue mich trotzdem über einen kantigen Bischof Rentzing - und dass 40 Synodale den Mut hatten, ihn zu wählen. Nur selten haben Leute Mut zu einer derart unpopulären Entscheidung. Und hoffentlich wird irgendwann auch mal in Zeitungen beschrieben, was er zu anderen Fragen als zu Fragen der Homosexualität zu sagen hat. Ich werde nämlich kaum die Zeit haben, mir alle seine Predigten und Reden anzuhören - die thematisch sicher bedeutend tiefer durchdacht und breiter angelegt sind, als es in Zeitungsartikeln zur Sprache kommt.

Andreas Roth – ... schreibt:
02. September 2015, 15:34

@manuel - Vielen Dank für Ihre Rückmeldung! Ich kann verstehen und sehe es genauso, dass man keinen Menschen und auch keinen Landesbischof nur auf ein Thema reduzieren sollte – deshalb habe ich in meinem großen Portrait über Carsten Rentzing den Streitpunkt Homosexualität nur in einem Satz gestreift, um ihm als Menschen gerecht zu werden. Auch in meinem ersten Interview nach seiner Wahl habe ich es ausgespart. Nun aber, da er es in verschiedenen Interviews selbst massiv auf die Tagesordnung gehoben hat, ist es wieder ein Thema. Und Fakt ist auch, dass sich Menschen in unserer Landeskirche deswegen verletzt fühlen und ängstigen – das nicht zu verschweigen, ihnen zuzuhören, ist für mich vornehme Aufgabe eines christlichen Journalismus. Christen sollen Stimme derer sein, die oft am Rand stehen – hat Carsten Rentzing in seiner ersten Bischofspredigt selbst gesagt. Und ich nehme ihn sehr ernst, und stimme mit ihm überein.

Beobachter schreibt:
02. September 2015, 15:50

Liber Herr Roth!
Können Sie sich vorstellen, wieviele Menschen (aufrechte Christen, die Gemeinde am Leben halten /hielten) sich verletzt fühlten, als Lutz Scheufler und Andere von einem "Bischof" angegriffen wurden? Wo waren Sie da als christlicher Journalist?

albrecht schreibt:
02. September 2015, 16:42

Hallo, lieber Beobachter, diesmal lächle ich über Sie ...

B schreibt:
02. September 2015, 16:52

Heißen Sie Roth oder Roter?

albrecht schreibt:
02. September 2015, 17:06

nee - es steht aber da! Lächeln - nur lächeln ... und tschüss! Und schnell an ihr liebes Fensterbrett, liebes B. Schauen sie weiter zu!

Beobachter schreibt:
02. September 2015, 17:26

Häh?

Nikolaus Krause schreibt:
03. September 2015, 10:59

Er heisst tatsächlich Roth, hat einen christlichen Vornamen - ich allerdings erröte gekränkt, wenn ich Ihren Namenskommentar lese.

Lutz Schuster schreibt:
02. September 2015, 18:42

Beobachter,
wer die heilige Schrift als Deckmäntelchen zur Ablehnung von Homosexuellen bis zur Kirchenspaltung missbrauchen wollte, wurde zu Recht "angegriffen".
L. Schuster

Beobachter schreibt:
02. September 2015, 19:11

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