Streitfall Abendmahl

Landessynode: Intensiv wurde am Wochenende die Abendmahlspraxis diskutiert – auch die Vielfalt der Formen während der Pandemie. Vom digitalen Abendmahl rät die Synode nun mehrheitlich ab.
Uwe Naumann (mit epd)
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Landessynode, Haus der Kirche, Dresden, Corona
Gemeinschaft unter Corona-Bedingungen: Die Landessynode diskutierte auf ihrer Frühjahrstagung am vergangenen Wochenende im Haus der Kirche in Dresden unter anderem intensiv über die derzeitige Praxis des Abendmahls. © Steffen Giersch

Wie digital ist und wird der Gottesdienst in der Landeskirche Sachsens? An mehreren Stellen hatte sich die Landessynode bei ihrer verschobenen Frühjahrstagung am vergangenen Wochenende im Haus der Kirche in Dresden damit auseinanderzusetzen. In der Beratung über das Gesetz zur Einführung eines neuen Gottesdienstbuches bot die nicht mehr verfügbare gedruckte Altarausgabe Anlass zur Diskussion. Künftig sollen die Gemeinden mit einer digitalen Ausgabe auf einem Tablet-Computer am Altar arbeiten, berichtete Pfarrer Gaston Nogrady. Er stellte den Gesetzentwurf vor und bat gleichzeitig das Landeskirchenamt zu prüfen, ob der Druck einer Altarausgabe möglich sei. Diese sollten die Gemeinden dann kostenfrei bekommen. Dezernent Thilo Daniel sagte dazu, er werde auch prüfen, ob andere Landeskirchen ebenfalls Bedarf dafür hätten. Dem Gesetz wurde zugestimmt.

Kein Gesetz, aber eine Empfehlung wollte der Theologische Ausschuss der Landessynode zum Abendmahl beraten lassen. Schließlich habe die Corona-Pandemie einige Fragen zum Gemeinschafts- und Einzelkelch aufgeworfen sowie zur Abendmahlsfeier via Internet und dem Verhältnis von Amt und Abendmahl. Deshalb solle ein »Wort der Landessynode zu Verständnis und Praxis des Abendmahls« verabschiedet werden – »eine grundlegende Vergewisserung«, wie es der Ausschussvorsitzende Thomas Knittel nannte. Darin heißt es, dass das digitale Abendmahl kein Ersatz für eine gemeinschaftliche Präsenz in den Kirchen sei. Von digitalen Feiern des Abendmahls werde abgeraten, sie würden nicht dem theologischen Verständnis entsprechen. Falls aus bestimmten Gründen keine Gottesdienste möglich sind, solle auf das gemeinsame Mahl bewusst verzichtet werden.

Nicht nur diese »Vergewisserung«, sondern auch die Empfehlung des Gemeinschaftskelchs bereitete einigen Synodalen Kopfzerbrechen. Pfarrer Michael Stahl befürchtet, dass eine Diskussion über das Abendmahl auf diese Weise unterbleiben statt entstehen werde. Manche Synodalen hatten schon grundsätzlich mit dem Verständnis des Papiers Probleme und wünschten sich eine einfachere Sprache. Zur Frage der Gemeinschaft erinnerte Pfarrer Tilo Kirchhoff an das Gemeinschaftsbrot, das bereits durch »vorgestanzte Hostien« ersetzt wurde. Er berichtete von seinen guten Erfahrungen mit Einzelkelchen, die aus einem Gemeinschaftskelch befüllt werden. Pfarrer Martin Staemmler-Michael sprach dem Papier eine »Wagenburgmentalität« zu, obwohl es um etwas Einladendes, Offenes gehe. »Ein digitales Abendmahl ist für mich ein vollwertiges Abendmahl«, sagte er. Gottesdienstreferent Martin Teubner meinte, das »Wort« sei schon eine Öffnung gegenüber bisherigen Empfehlungen. Thomas Knittel betonte die vielen Erfahrungen, die bereits in das Papier geflossen seien und fragte: »Haben wir einen Konsens beim Abendmahl in der Landeskirche?«

Etliche Synodale sprachen sich dafür aus, das »Wort« wieder in den Ausschuss zu verweisen, fanden aber keine Mehrheit. So sagte Landesbischof Tobias Bilz nach etwa zweistündiger Diskussion, dass er ein Vorwort dazu verfassen werde, dass die individuelle Vielfalt weiterhin möglich sei. Bilz betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Abendmahlsfeier in Präsenz zur Stärkung des Glaubens. »Das stärk­ste Symbol ist der Gemeinschaftskelch für die Familie Gottes«, sagte er. Den Rückzug ins Private beim Abendmahl wünsche er sich nicht, vielmehr solle die Gemeinde zusammenkommen. 

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