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Ein Kreuz fürs Leben

800 Jahre Geschichte feiern der Dresdner Kreuzchor, Kreuzkirche und Kreuzschule in diesen Wochen. Der Sänger Peter Schreier und der Schriftsteller Ingo Schulze über das, was bleibt aus ihrer Zeit in der Kreuzschule.
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Die Kruzianer gehören zu Dresden wie das Lutherdenkmal vor der Frauenkirche, um das sie sich hier verteilt haben. Foto: Kreuzchor/Matthias Krüger

Peter Schreier: Ich kam 1945 in den Kreuzchor, als Dresden in Schutt und Asche lag. Damals haben wir nur für den Chor gelebt, die Schule ging erst ein halbes Jahr später wieder los.

Die Zeit im Kreuzchor ist nicht nur eine musikalische Ausbildung, sondern in ihr wird auch der Charakter gebildet. Das Zusammenwachsen eines Bundes, wo jeder vom anderen abhängig ist, wo man sich unterordnen muss und trotzdem seine Persönlichkeit nicht verliert – das habe ich im Kreuzchor gelernt. Ich profitiere bis heute davon.

Was mich als Kruzianer besonders begeistert hat, war der Evangelist in den Passionsaufführungen. Wie er mit seiner ganzen Person und seiner ganzen Leidenschaft etwas verkündet. Seitdem wollte ich bis zuletzt als Sänger mit meiner Stimme, die mir der liebe Gott gegeben hat, die Menschen von etwas überzeugen.

Ich glaube, im Unterbewusstsein hat meine Zeit im Kreuzchor auch meinen Glauben geprägt. Wir haben jeden Sonntag im Gottesdienst der Kreuzkirche gesungen – er ist der Chor dieser Kirche bis heute. Bei den Motetten von Bach und Schütz wurde mir ganz klar, dass das eine göttliche Musik ist. Sie verlangen geradezu nach einem Glauben.

Und bis heute haben wir auch jedes Jahr ein Klassentreffen, wir stehen immer in Verbindung. Meine Mit-Kruzianer sind nach wie vor meine besten Freunde. Das hat man fürs ganze Leben.

Der Sänger Peter Schreier (80) wurde 1945 Kruzianer und später einer der weltweit renommiertesten Tenöre.

 

Ingo Schulze: In meiner Vorstellung wurde die Kreuzschule schnell zu einer Art »Maulbronn«, ich hatte damals zu viel Herrmann Hesse gelesen. Dazu passte Blasewitz mit seinen Villen, das Blaue Wunder und das Café Toskana, natürlich auch das riesige Gebäude, aus dessen offenen Fenstern der Chorgesang kam.

Im ersten Jahr, das war im Herbst 1977, zerriss es mich innerlich, weil mein Banknachbar aus dem Kreuzchor, wir waren 14, sich zum Wehrdienstverweigerer erklärte. Andererseits gab es die Agitation durch unseren Klassenlehrer, wenigstens drei Jahre zur Armee zu gehen. Trotzdem fühlte ich mich mit jedem Monat wohler auf der Schule. Das lag an meiner Klasse, am Deutschunterricht, am Sport, auch am Latein- und Griechischunterricht – und dann vor allem an dem Wunder, dass ich ab Mitte der zehnten Klasse im Schulchor mitsingen durfte, obwohl bislang immer gelacht worden war, wenn ich im Musikunterricht vorzusingen hatte. Plötzlich das Deutsche Requiem von Brahms oder das Bachsche Weihnachtsoratorium mitzusingen, erschien mir wie ein Wunder.

Wenn ich unter Prägungen verstehe, dass ich in Gedanken Gespräche mit jener oder jenem führe, dann haben mich sowohl die Lehrerinnen und Lehrer wie auch meine Klasse mitgeprägt. Dabei will ich immer noch nicht glauben – selbst wenn mir der Blick in den Spiegel etwas anderes sagt –, dass ich so viel anders geworden bin, seitdem wir vor 35 Jahren unser Klassenzimmer verlassen haben.

Der Schriftsteller Ingo Schulze (53) machte 1981 sein Abitur an der Kreuzschule.

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