Wie hast du’s mit dem Terror?

Islam: Nach den Terror­anschlägen des IS fragen muslimische Stimmen nach den Wurzeln der Gewalt im Islam. Die Kirchen halten sich zurück – sie haben ihre Gründe.
Andreas Roth
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© Ingram

Der islamistische Terror erreichte in den vergangenen Wochen Deutschland. Und in seinem Kielwasser die Frage, ob diese Gewalttaten nicht doch etwas mit dem islamischen Glauben der Täter zu tun hätten. Ja, sagten einige Stimmen aus dem evangelikalen Spektrum. Gewalt im Islam sei kein »Ausrutscher«, sondern in ihm angelegt, meint etwa der Leiter des Arbeitskreises Islam der Deutschen Evangelischen Allianz, Ulrich Neuenhausen.

Papst Franziskus meint: »In fast jeder Religion gibt es immer kleine Gruppen von Fundamentalisten – bei uns auch.« Er sucht die Ursachen eher in Perspektivlosigkeit und Armut. Die Spitzen der Evangelischen in Deutschland sehen es ganz genauso.

Innerhalb des Islam dagegen wird schon längst kritischer diskutiert. Mit Blick auf konservative Strömungen im Islam, die den Boden für Feindbilder bereiten, kritisiert Ahmad Mansour, der Vorsitzende des Muslimischen Forums Deutschland, die Naivität der deutschen Debatte: »Natürlich sind auch viele linke Europäer Schuld an dieser Entwicklung, da sie offenkundige Probleme systematisch verharmlosen.« Reformerische Muslime wie der syrische Intellektuelle Muhammad Shahrur fordern schon lange eine Abkehr von einer mittelalterlichen Koran-Auslegung.

Mit dieser Diskussion über das Verstehen ihrer heiligen Schrift stünden die Muslime vor einer riesenhaften Aufgabe, sagt Peter Meis, der Dezernent für theologische Grundsatzfragen der sächsischen Landeskirche. »Und was haben vergleichbare Fragen auch unserer Kirche für Schmerzen gekostet über einen großen Zeitraum.« Noch immer brechen sie wie beim Thema Homosexualität regelmäßig auf. »Da sind in unserer Kirche viele Einsichten gewachsen – aber sie dem Islam vorzuschreiben, wäre arrogant. Die Dinge dürfen im Dialog angesprochen werden, aber fragend.«

Auch die christliche Seite tut sich mit diesem Gespräch nicht leicht. Ein Entwurf des sächsischen Landeskirchenamtes für ein Papier zum Dialog mit dem Islam steckt seit vielen Monaten zwischen Landessynode und Bischofskanzlei fest. Auch in Sachsens Landeskirche sind islam-kritische Stimmen lauter geworden.

»Ich halte es gegenwärtig für höchst gefährlich, vermeintliche Differenzen zwischen Christentum und Islam hochzuspielen, die weit mehr mit Ressentiments als mit einer realistischen Wahrnehmung der Religion zu tun haben«, warnt der Leipziger Theologieprofessor Alexander Deeg.

»Jede Religion hat in sich das Potential von Gewalt – so dass alle Religionen miteinander über Möglichkeiten des friedlichen Miteinanders reden müssen«, sagt der Professor. »Wir stärken liberale und offene Kräfte nicht, wenn wir eine vermeintlich inhärente Beziehung des Islam zur Gewalt unterstellen, die sich in vielen Phasen islamischer Geschichte nicht zeigt.«

In Dresden veranstaltet das Ökumenische Informationszentrum (ÖIZ) seit 15 Jahren Dialog-Veranstaltungen mit Christen und Muslimen. »Ich glaube nicht, dass wir dabei zu zahm sind«, sagt Elisabeth Naendorf, Ökumene-Referentin des ÖIZ. »Ein Mangel im interreligiösen Dialog ist vielmehr, dass wir gerade hier in Sachsen noch kaum theologisch ausgebildete Muslime haben, die fundiert Rede und Antwort stehen können. Das hat auch die bundesdeutsche Politik mit zu verantworten.« Erst in den letzten Jahren entstanden an deutschen Universitäten er­ste Lehrstühle zur wissenschaftlichen Ausbildung von islamischen Theologen und Religionslehrern. In Sachsen bisher nicht.

»Ich sehe auch innerhalb unserer christlichen Kirchen die historisch-kritische Methode in Gefahr«, sagt Elisabeth Naendorf. »Ich hoffe, dass im Islam wie im Christentum die Suchenden gestärkt werden – und nicht die Extremisten.«

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3 Lesermeinungen zu Wie hast du’s mit dem Terror?
Gert Flessing schreibt:
11. August 2016, 11:16

Der letzte Satz von Frau Naendorf irritiert mich. Sie beschwört eine Gefahr, die nicht existiert. Jedenfalls nicht innerhalb unserer christlichen Kirchen.
Natürlich gibt es Christen, die mit der HKM nicht viel anfangen können. Aber sie haben gewiss nicht die Absicht, mit einer "Fatwa" zur Tötung liberaler Theologen aufzurufen.
Auch unsere christlichen Fundamentalisten sind Suchende. So sehe ich es jedenfalls.
Ebenso bin ich davon überzeugt, dass die HKM ein Werkzeug ist und kein Allheilmittel. Ob jeder, der das Werkzeug benutzt, wirklich damit umgehen kann, weiß ich nicht.
Nun leben wir in einer Zeit, die uns, gerade als Christen, vor die Herausforderung stellt, eine Glaubensantwort zu finden, auf ein Wachstum des Islam in unserem Land.
Dabei geht es nicht darum, etwas hoch zu spielen, sondern um Klarheit und Wahrheit in Gespräch und Verkündigung.
Die Differenzen, die zwischen dem Islam und dem Christentum bestehen müssen doch gar nicht hochgespielt werden. sie sind auch nicht vermeintlich, sondern real. Viel schlimmer wäre es, wenn wir sie klein reden würden. Dann würden wir doch auch gegenüber den Muslimen, in unserem Glauben, unglaubwürdig werden.
Natürlich ist ein Mangel an ausgebildeten islamischen Theologen da. Ich befürworte daher sehr eine Ausbildung an unseren Hochschulen. Das würde, so denke ich, auch die Gespräche auf einen neuen Level heben.
Gert Flessing

Leserin schreibt:
11. August 2016, 22:09

»Ein Mangel im interreligiösen Dialog ist vielmehr, dass wir gerade hier in Sachsen noch kaum theologisch ausgebildete Muslime haben, die fundiert Rede und Antwort stehen können. "
Freut mich zu hören! 2 x habe ich solche mangelhaft ausgebildeten Dialogpartner (außerhalb des ÖIZ) erlebt und das Gruseln bekommen. Hätte ich nicht glücklicherweise im Ausland völlig andere Muslime erlebt, würde ich jetzt zu den "Nie-wieder-Islam"-Leuten gehören. Da bin ich aber erleichtert, dass das Wort der von mir erlebten Möchtegern-Propheten auch nicht mehr Gewicht hat als der Hauskreis von Meier-Schulze-Lehmann. Es wäre nur ehrlicher, wenn diese das auch gesagt hätten und nicht so getan, als würden sie den einzig wahren Islam vertreten. Haben sich die Kirchen mal überlegt, was sie damit anrichten? Wenn die von mir erlebten Leute so mangelhaft ausgebildet sind, wer gibt ihnen eigentlich das Recht, ihre Glaubensbrüder zu drangsalieren, wenn die mit Ungläubigen in der Stadt gesehen werden?

L. Schuster schreibt:
14. August 2016, 18:01

Die Welt lacht über uns, ganz laut in der Türkei.

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Impressionen Lausitz-Kirchentag


  • Görlitz begrüßt an diesem Wochenende zum »Lausitz-Kirchentag« © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Mit viel Musik und zahlreichen Angeboten wurde gefeiert © Steffen Giersch


  • Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte zu diesem Anlass Görlitz © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Strahlender Sonnenschein und Hitze beim Lausitz-Kirchentag, die Stimmung blieb oben auf © Steffen Giersch


  • Gestaltet wurde der Lausitz-Kirchentag von der Sächsischen Landeskirche (EVLKS) und der Landeskirche für Berlin-Brandenburg und Schlesische Oberlausitz (EKBO) © Steffen Giersch


  • Tausende Christen nahmen am Lausitz-Kirchentag teil © Steffen Giersch


  • Stark in der Region: Die Sorben, hier in typischer Tracht © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Musik gehörte natürlich dazu, beim Gottesdienst und zahlreichen kleinen Teilveranstaltungen © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch




  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Auch diakonische Einrichtungen, wie hier die Bahnhofsmission, informierten © Steffen Giersch


  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer besuchte Stände © Steffen Giersch


  • Und Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil © Steffen Giersch


  • Spiel, Spaß und Informationen an vielen Ständen und Veranstaltungsorten in Görlitz © Steffen Giersch


  • Familie in Sorbischer Tracht – jede Stadt hat ihre eigene Tracht, die leicht voneinander variiert © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Stände an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Ministerpräsident Kretschmer nahm an zahlreichen Gesprächen und Diskussionsrunden teil – ein wichtiges Thema in der Region: Der Braunkohleausstieg © Steffen Giersch


  • Auch Bettina Westfeld nahm an der Diskussionsrunde zum Braunkohleausstieg teil © Steffen Giersch


  • Austausch und Informationen boten viele Christen an – die Besucher nahmen das gerne und gut an © Steffen Giersch


  • Am gemeinsamen Stand der sächsischen Kirchenzeitung DER SONNTAG und der Berliner Zeitung DIE KIRCHE© Steffen Giersch

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