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Diplomatischer Bankrott

Andreas Roth
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Es klingt nach Frieden, nach dem besten Weg, dem einzig möglichen: ›Wir setzen auf Diplomatie.‹ Im syrischen Bürgerkrieg tun das Europa und die USA seit langem. Verhandeln, verhandeln, verhandeln. Jüngst wieder beim G20-Gipfel in China, wo sich die Präsidenten Obama und Putin trafen. Das Ergebnis bleibt immer gleich: null Komma null. Oder genauer: Das Töten von Hunderttausenden wird nicht gestoppt.

Spricht man mit Syrern, hört man immer wieder: Der Westen hat uns allein gelassen. Er hätte Assads Gegner nicht unterstützen sollen, sagen die einen (unter ihnen viele ­Christen) – er hätte den demokratischen Widersachern des Diktators viel entschlossener helfen sollen, sagen die anderen. Also blieb der Westen in der Mitte. Und tat wenig. Ging es wirklich nicht anders?

Westliche Verbündete wie Saudi-Arabien und die Türkei haben islamistische Rebellen in Syrien angefüttert, doch der Westen wollte seine Partner nicht verstimmen. Eine Flugverbotszone hätte Assads Bombardements mit tausenden Toten und Verstümmelten verhindern können, doch der Westen wollte nicht selbst in einen schwer kalkulierbaren Strudel des Tötens und Getötetwerdens geraten. Noch schärfere Sanktionen hätten Russland vielleicht von seiner blutigen Unterstützung des Assad-Regimes abbringen können, aber der Westen wollte nicht noch mehr Ärger mit Putin. Und die Ukraine liegt uns nun einmal näher als Syrien.

›Wir setzen auf Diplomatie.‹ Das Dumme ist nur, dass die syrischen Kriegsparteien samt ihrer Hintermänner darüber nur müde lächeln. Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein, ja. Eine zahnlose Diplomatie aber ist nichts anderes als die Fortsetzung des tödlichen Krieges mit anderen Mitteln.

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1 Lesermeinungen zu Diplomatischer Bankrott
Gert Flessing schreibt:
07. September 2016, 22:02

Lieber Herr Roth,
warum hören auch wir Christen nicht auf das, was Christen dort in Syrien uns immer und immer wieder sagen?
Mich wundert es nicht, wenn die christlichen Syrer eher in Russland ihre Schutzmacht sehen, als in uns.
Es ist, nach meiner Meinung, unmöglich, all und jedes Land und all und jeden Konflikt in der Welt, durch unsere Brille zu begutachten.
Gerade im Nahem Osten ist die Euphorie nach dem "arabischen Frühling" schnell verflogen. Wer die Region ein wenig kennt, der hatte sie nicht erst.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 37 | 11.9.2016 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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