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Dem Hamsterrad entkommen

Neue Wege: Die MDR-Moderatorin Katrin Huß verließ überraschend das Fernsehen – und entdeckt seither das Leben neu. Sie macht Mut, das loszulassen, was einen ausbremst.
Von Stefan Seidel
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Yoga-Studio statt Rampenlicht: Nach ihrem Ausstieg aus dem Fernsehgeschäft liebt es Katrin Huß, selbst über ihre Lebenszeit zu bestimmen und neue Prioritäten zu setzen. © Jan Adler

Jedes Jahr wieder lädt die Fastenzeit dazu ein, das Leben zu überprüfen – und das wiederzuentdecken, was wirklich wichtig ist im Leben. In diesem Jahr unter dem Motto »Sieben Wochen ohne sofort«. Die langjährige MDR-Moderatorin Katrin Huß (47) hat damit aber nicht bis zur Fastenzeit gewartet.

Vor einem halben Jahr hat sie mitten im prallen Leben innegehalten – und eine überraschende Entscheidung getroffen: sie hat ihren Vertrag beim MDR nicht verlängert und die erfolgreiche Karriere als Moderatorin und Reporterin an den Nagel gehängt. Nach fast 20 Jahren. Eigentlich – so wollte man meinen – hätte alles noch mindestens 20 Jahre so weitergehen können. Katrin Huß liebte ihren Beruf. Und strahlte das auch immer aus, zum Beispiel bei der Sendung »Hier ab vier«.

Doch dann kam der 14. Juli 2016. Auf ihrer Facebook-Seite verkündete Huß mit wenigen Zeilen ihren Rückzug: »Irgendwann kam der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich vergessen hatte, meine eigene Lebensgeschichte zu schreiben. Ich habe keine Kinder, keine eigene Familie, wenig Zeit für Freunde und noch weniger Zeit für die Liebe. Ich bin erfolgreich mit dem was ich tue, aber bin ich erfüllt?« Und sie schreibt von ihrer einschneidenden Erkenntnis: »Auch ein Ham­sterrad sieht von innen aus, wie eine Karriereleiter und oft merkt man zu spät, dass man auf der Stelle tritt.«

Katrin Huß entflieht dem Ham­sterrad. Sie bezeichnet den Schritt als eine »180-Grad-Wendung«. »Ich musste mich in den letzten Jahren manches Mal verbiegen, die Leichtigkeit und Fröhlichkeit war weg.« Und dann kamen auch noch Rückenbeschwerden. Für Huß lief es auf eine Entscheidung hinaus. Ein Motto, das sie beim Yoga gelernt hatte, ging ihr im Kopf herum: »Lass los, was dich ausbremst.« Und das habe sie dann einfach gemacht, sagt sie.

Freilich sprang sie nicht ganz ins Leere. Seit einem Jahr betreibt sie ein kleines Yoga-Studio in Markkleeberg bei Leipzig. Doch trotzdem gab es auch Befürchtungen. Wird das Leben mit weniger Einkommen und weniger Rampenlicht funktionieren? Heute kann Katrin Huß aus vollem Herzen sagen: Ja, es funktioniert. Und zwar sehr gut. »Ich fühle mich leicht und bin dankbar, intuitiv die richtige Entscheidung getroffen zu haben«, bekennt sie und ergänzt schmunzelnd: »Ich warte immer noch auf das Loch, in das ich falle, aber da kommt keines.«

Endlich habe sie nun mehr Zeit für ihre Eltern. Und für alles, was bisher zu kurz gekommen ist – das Gärtnern oder das Kaffee Trinken mit Freunden. »Ich mache das jetzt alles, ich warte nicht mehr«, sagt sie. Nebenbei bildet sie sich weiter zur Übungsleiterin im Reha-Sport. Und auch Veranstaltungen moderiert sie noch. Sie will Menschen Mut machen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und zum Positiven zu verändern. »Dabei bin ich selbst das beste Beispiel, wenn ich den Leuten sage: Entschleunigt mal, fahrt mal runter, ihr müsst nicht perfekt sein.« Manchmal muss sie dann über ihre Lebens­wende schmunzeln. »Früher habe ich die Menschen dazu ›verdonnert‹, nachmittags zwei Stunden vor dem Fernseher zu verbringen. Und heute animiere ich sie, hinauszugehen und selbst aktiv zu werden.«

Zu einem erfüllten Leben gehört für Huß immer auch der Blick auf diejenigen, denen es nicht so gut geht. Deshalb startet sie am 23. April beim Friedenslauf von Rom nach Wittenberg – vom Papst zu Luther. »Damit wollen wir einfach ein Zeichen setzen für Frieden, Demokratie und Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit.« Einen schöneren Ausklang der Luther-Dekade kann sich Huß nicht vorstellen. Doch die vergangenen Monate von Katrin Huß zeigen: der wichtigste Lauf ist der zu sich selbst – und zu dem, was wirklich zählt im Leben.

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1 Lesermeinungen zu Dem Hamsterrad entkommen
Michael Heyer schreibt:
21. März 2017, 12:49

Umkehr ist ganz wichtig, aber entscheidend ist, wohin oder zu wem wir umkehren. Christen können nur immer wieder zu Christus, zu GOTT umkehren. Da halte ich einen Artikel auf der Titelseite der Zeitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens für völlig deplaziert, in dem eine Moderatorin zu fernöstlichen heidnischen Praktiken umkehrt.

Michael Heyer

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Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.

(Jeremia 3,15)

Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für alle Menschen vor Gott! Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in Rechtschaffenheit.

(1.Timotheus 2,1-2)

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