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Ein Blickwechsel nach vorn

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lukas 9, Vers 62
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Cornelius Pohle war Vikar in der Kirchgemeinde Am Großen Stein Seifhennersdorf. Ab April tritt er eine Pfarrstelle in Dommitzsch-Süptitz (EKM) an. © Foto: privat

Man fährt dorthin, wo man hinschaut – so habe ich es bei der Fahrschule gelernt. Wenn man also direkt ins Schlagloch schaut, wird man garantiert mit dem Auto hineinfahren. Die Bibel beschreibt es so: wer den Blick beim Pflügen nicht geradeaus richtet, wird mit dem Pflug nur krumme und schiefe Ackerfurchen ziehen.

Es klingt so leicht und dennoch steckt hinter diesen Worten eine gar nicht so einfache Aufforderung Jesu. Es geht um die Nachfolge. Da wollen zwei Menschen ihm gerne nachfolgen, aber zuvor noch den verstorbenen Vater beerdigen oder Abschied nehmen von der Familie. Das alles sind sehr verständliche Bitten. Doch Jesus bleibt konsequent: wer zurückschaut und nur am Alten und Vertrauten festhält, ist nicht geeignet, mit ihm auf dem Glaubensweg voranzukommen.

Das klingt zunächst rücksichtslos. Würde ich solch einem Menschen nachfolgen, der so etwas von mir erwartet? Ich selber schaue doch gerne zurück und denke an so manches schöne Erlebnis in den vergangenen Jahren.

Der Blick nach vorne ist da manchmal viel schwieriger: neue und ungewohnte Herausforderungen, Unsicherheiten oder Sorgen sehe ich vor mir. Aber dennoch oder auch gerade deshalb: Jesus lädt uns ein, den Blick mit ihm nach vorne zu richten – auf die schwere Passionszeit und darüber hinaus – auf die österliche Freudenzeit. Wir heute wissen, dass der endgültige Tod besiegt ist. Ihn können wir hinter uns lassen. Unsere Augen sollen auf den schauen, der uns als leidender, sterbender und auferstandener Herr vorangeht – über alle Schlaglöcher und krummen Wege unseres Lebens hinaus. Cornelius Pohle

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2 Lesermeinungen zu Ein Blickwechsel nach vorn
Matthias Schollmeyer schreibt:
03. März 2018, 11:55

Und als sie wieder auf dem Wege waren,
gelobt ihm einer Folgschaft lebenslang.
Dem wehrte ab der Meister solch Gebaren

und sprach: „Wie oft schon hörte ich Gesang
von treuer Jünger minnefestem Glauben,
oft wurde übel mir davon und bang,

denn lautes Schreien lässt den Geist ertauben.
Der Fuchs hat Höhlen, Vögel wohl ihr Nest.
Nur - wird dem Menschensohne man erlauben

ein Plätzchen, wo das Haupt er ruhen lässt?“
Doch einen andern wollte er betören:
„Sei du Gefährte mir auf meiner Quest!“

Der aber ließ sofort als Antwort hören:
„Erlaube, Herr, zuvor die gute Tat.
Erst muss ich einen toten Geist beschwören,

der Vater starb, ich grab ihm grad sein Grab.“
Da riet der Meister ihm: „Lass doch die Toten
die Toten bergen – mir sei Kamerad.

Nur Tiere haben Erde an den Pfoten,
ihr seid für andre Dinge aufgeboten.

Bei denen, die nun nahten und ihn baten,
sie alle zuzuführen seiner Schar,
war einer, der dem Meister wollte raten,

was richtig wäre, nützlich, schön und wahr.
Er ruft: „Lass Abschied uns zuvor noch nehmen
von denen, die wir liebten Jahr um Jahr.“

Doch Jesus will sich dazu nicht bequemen,
und prägt ein Wort, das schreckt – zugleich befreit:
„Du willst das Feld zu pflügen unternehmen?

Schau vorwärts, wühl nicht in Vergangenheit.
Willst du mit starker Hand die Pflugschar lenken,
gibt dir der Blick nach vorne Weggeleit.

Siehst du nach rückwärts, wird dein Werk dich kränken:
Der Pflug irrt aus der graden Bahn und krumm
neigt das, was glücklich du mit Mut begonnen,

zum Misserfolge sich. Man wird darum
als Beispiel größter Narrheit dich benennen
und ungeschickt für ein Imperium.

Ich müsste wohl mich leider von dir trennen,
du wirst unweigerlich ins Schiefe rennen.

Gert Flessing schreibt:
04. März 2018, 9:30

"Lass die Toten ihre Toten begraben. Du aber geh hin und verkündige Gottes Reich." Es geht um mehr, als um eine traurige Reminiszenz dessen, was einmal war. Es geht um einen, doch sehr radikalen, Aufbruch. Wer weiß noch, was es bedeutet, die Hand an den Pflug zu legen? Während die Pferde anziehen, den Pflugschaar in die Erde drücken und sich auf das andere Ende des Feldes ausrichten. Es geht nur im Blick nach vorn.
Gilt das nicht auch heute und für uns als Kirche?
Wir wissen, das vor uns eine Zeit liegt, die uns ziemlich herausfordert. Wenn ich an die Vakanzsituation denke und an das Nachdenken über Strukturen und und und...
Gern denken wir zurück an frühere, "bessere" Zeiten.
Aber dieses Festhalten an dem, was war, hemmt oft den Schritt nach vorn.
Wir sind jedoch nicht dazu da, Traditionen zu bewahren, sondern Gottes Reich zu verkündigen. Das geht nur, wenn wir uns den Herausforderungen stellen - den Blick nach vorn, auf Gottes Reich und seine Hoffnung gerichtet.
Vertrauen wir wirklich darauf, das Jesus der Sieger ist? Nun denn, dann lasst die, die sich nicht für die Herausforderungen des Lebens erwärmen können, die toten Ideen begraben. Wir aber wollen das Evangelium nach vorn, zu den Menschen tragen. auch und gerade dann, wenn der Acker steinig ist und die Furche zu halten, nicht leicht.
Gert Flessing

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 09 | 4.3.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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