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Der Islam – Freund oder Feind?

Religionen: Kaum ein Tag vergeht ohne Debatte über den Islam. Wie nah oder fern ist er uns? Er fordert heraus, den eigenen Glauben zu bedenken.
Von Stefan Seidel
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Kaum eine Religion erhitzt derzeit die Gemüter mehr als der Islam. Er fordert heraus – und erzeugt Angst. Einer aktuellen Umfrage zufolge gaben 42 Prozent der Ostdeutschen an, dass der Islam etwas sei, »das einem Angst macht«.

Auf den ersten Blick klingt das paradox. Denn in Sachsen liegt der Anteil von Muslimen unter einem Prozent. Doch es scheint, als bündelt sich im Islam all das Unbehagen des Lebens in einer unübersichtlich gewordenen Welt.

Doch wie nah oder fern ist uns der Islam eigentlich? Die Schnittmengen zwischen Christentum, Judentum und Islam sind groß. Alle drei gründen auf dem Abraham-Bund und glauben an den einen Gott. »Alle drei Religionen glauben, dass dieser Gott die Welt geschaffen hat und dass er der einzige wahre Gott ist. Das verbindet uns«, erläutert Harald Lamprecht, Weltanschauungsbeauftragter der sächsischen Landeskirche. Allerdings seien sich die drei Religionen nicht einig, welche heilige Schrift(en) als Offenbarung Gottes gelten: die Hebräische Bibel, das Neues Testament oder der Koran.

Glauben wir also an den gleichen Gott? Lamprecht findet darauf keine einfache Antwort. Der Glaube, dass Gott in Jesus zu den Menschen gekommen ist, sei zentral für die Christen – und werde von Juden und Muslimen nicht geteilt. »Weil Christen an den dreieinigen Gott glauben, ist es nicht einfach ›der gleiche‹ wie bei Juden und Muslimen – auch wenn wir eigentlich keinen anderen meinen«, so Lamprecht. Von daher seien wir so etwas wie Enkel im Erbstreit.

Doch da ist nicht nur die Frage nach Gott. Sondern auch nach der Gewalt. Islamistische Terrorangriffe haben eine verheerende Blut- und Angstspur durch die westliche Welt gezogen. Und den Islam in vielen Köpfen mit Gewalt verbunden. Doch wie gewaltbereit ist diese Religion wirklich? Von den rund 1,8 Milliarden Muslimen auf der Welt hänge nur ein Bruchteil den radikalisierten Richtungen des Salafismus und Dschihadismus an, erklärt Harald Lamprecht. »Diese meinen, ihre sehr engen Vorstellungen von der wahren Religion mit Gewalt durchsetzen zu dürfen.« Meistenteils richte sich diese Gewalt gegen andere Muslime, aber auch gegen »den Westen«. Doch daraus könne nicht gefolgert werden, dass »der Islam« eine Bedrohung darstelle. Laut dem aktuellen Verfassungsschutzbericht gehören lediglich 0,6 Prozent der hier lebenden Muslime zum islamistischen Spektrum. Auch gelte es wahrzunehmen, dass islamische Gelehrte mit übergroßer Mehrheit die Gewaltexzesse ablehnen – mit dezidiert religiöser Begründung aus dem Koran.

Doch wie sind die Koranworte zu deuten, die Gewalt rechtfertigen? Der Wiener Theologe Paul M. Zulehner setzt seine Hoffnungen auf eine fachlich gut entwickelte Koranexegese, die historische Zusammenhänge aufzeigt und die einzelnen Worte im Ganzen der Botschaft begreift. Er betont: »Es muss den Menschen durch religiöse Aufklärung klar werden, dass das Wesen der großen Religionen Erbarmen und Gerechtigkeit ist, nicht Gewalt und Rache.« Kriterium einer wahren Religion sei, dass Leben auf- und nicht umkomme. Im Spiegel des Islam könnte erkannt werden, wie zwiespältig auch die eigene religiöse Tradition ist. Und wie sehr jede Religion um ihre lebensdienliche Form ringen muss. Alle Weltreligionen seien laut Zulehner dazu aufgefordert, ihre eigene Ambivalenz zu erkennen und die eigene Anfälligkeit für Gewalt, Intoleranz und fehlenden Respekt vor dem Glauben anderer zu überwinden.

Eine Medizin für den Abbau von Ängsten ist die interreligiöse Bildung und die Begegnung mit Muslimen. Das ist gerade in Ostdeutschland eine Herausforderung. Doch vielleicht könnte die Kirche als ältere abrahamitische Geschwisterreligion diese Bildung und Begegnung fördern.

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32 Lesermeinungen zu Der Islam – Freund oder Feind?
Manfred schreibt:
31. Mai 2018, 9:39

Liebe Britta.
Auch ich werde diese Handlung als „Außenstehender“ niemals verstehen können.
Gruß Manfred

Manfred schreibt:
30. Mai 2018, 8:21

@Lieber Gert Flessing.
Es ist heute sehr schwer, den Durchblick zu behalten, was war ist und was ist unwahr ist?
Der nachfolgende Spruch sagt alles vollkommen richtig aus:
Die Menschen glauben viel leichter Lügen, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.
Wir alle kennen es doch selbst.
Ein Missgeschick eines Arztes und schon sind fast Ärzte Pfuscher.
Von den meisten Operationen, welche ohne Probleme zur Gesundung des Patienten geführt haben, spricht nicht ein einziger Mensch in der Öffentlichkeit.
Manfred

Leserin schreibt:
29. Mai 2018, 16:31

"Eine Medizin für den Abbau von Ängsten ist die interreligiöse Bildung und die Begegnung mit Muslimen." Und warum lädt Herr Lamprecht dazu gerade einen der 0,6 % im Verfassungsschutzbericht erwähnten Muslime ein, der es u.a. als Ehre für die Frau bezeichnet, gezüchtigt zu werden? Wieder mal die Mär vom dummen Ossi, der noch nie einen Ausländer gesehen hat. Ein Schlag ins Gesicht für haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, die sich schlimme Gewaltgeschichten anhören mussten, für Menschen, deren Angehörige im Namen des Islam umkamen (der Täter war ja nur einer von 0,6 %). Ich (Familie über 5 Länder verstreut, selbst in 5 Ländern gearbeitet), habe im Ausland völlig andere Muslime kennengelernt und meine Irritation über den sächsischen Islam einer hier lebenden Muslima mitgeteilt. Antwort: Ich verstehe Sie sehr gut, aber das Thema ist zu sensibel, weiteres nur mündlich.

Johannes schreibt:
30. Mai 2018, 10:20

Liebe Leserin,

Mich irritiert Ihr Satz: "Und warum lädt Herr Lamprecht dazu gerade einen der 0,6 % im Verfassungsschutzbericht erwähnten Muslime ein, der es u.a. als Ehre für die Frau bezeichnet, gezüchtigt zu werden?"
Ich habe im obigen Text keinerlei Aussage über eine Einladung gefunden. Was meinen Sie nur? Bitte klären Sie mich auf!
Johannes Lehnert

Leserin schreibt:
31. Mai 2018, 11:48

Die Aussage der Einladung dieses Herrn hier http://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/SBS_Hintergrundbeitrag.pdf stammt nicht aus dem Text, sondern aus dem Veranstaltungskalender seiner Heimatgemeinde, ca. März 2016. (steht nicht mehr im Netz) Organisator: Ökumenekreis, Moderation: Herr Lamprecht. Neben o.a. Herrn auf dem Podium: ehem. altkath. Pfarrer und der Rabbi von Dresden. Als Abschlussgebet wählte o.a. Podiumsgast die Schwertsure (Ungläubige vernichten), blieb von Herrn Lamprecht unwidersprochen. War selbst anwesend. Des Weiteren habe ich noch eine linke Stadträtin erkannt, falls Zeugen gewünscht werden.

Leserin schreibt:
01. Juni 2018, 12:06

Wollte nur sagen, dass ich Ihnen geantwortet und meine Aussagen auch belegt habe, u.a. mit VS-Bericht vom Juni 2017 über den von Herrn H. geladenen Gast. Wurde jedoch leider nicht freigeschaltet, so dass es mir leider nicht ermöglicht wurde, mit Ihnen ein Gespräch zu führen.

Johannes schreibt:
01. Juni 2018, 17:34

Liebe Leserin,

ich lese trotz Ihrer Ausführung im hier zu besprechenden SONNTAG-Text immer noch nichts von einem Gast, den Herr Lamprecht eingeladen habe. Oder wollen Sie sagen, dass Sie einen Verfassungsschutzbericht über Bespitzelung des Herrn Lamprecht haben, weil er einen Gefährder beherbergte?

Britta schreibt:
29. Mai 2018, 22:55

Wer kann mir Fatawa (islamische Rechtsgutachten) gegen die in letzter Zeit in Europa auftretenden islamischen Terrorakte nennen?

Susanne schreibt:
30. Mai 2018, 22:46

»Es muss den Menschen durch religiöse Aufklärung klar werden, dass das Wesen der großen Religionen Erbarmen und Gerechtigkeit ist, nicht Gewalt und Rache.« Kriterium einer wahren Religion sei, dass Leben auf- und nicht umkomme.
Das klingt erst einmal gut. Es ist ein Postulat - weiter nichts. Ob dieses Postulat für den Islam zutrifft? Wenn man sich den real existierenden Islam in den islamischen Ländern an - eher nicht. Wenn man in die Schriften schaut auch nicht. (Bei Bedarf biete ich gern eine theologischen Vergleich - nach bestem Wissen und Gewissen - an.

"Eine Medizin für den Abbau von Ängsten ist die interreligiöse Bildung und die Begegnung mit Muslimen. Das ist gerade in Ostdeutschland eine Herausforderung." - Liebe Leute - es gibt seit Jahren interreligiösen Dialog. Es ist davon aber nichts besser geworden - eher schlechter. Meint ihr, noch mehr vom falschen Rezept wäre der richtige Weg? Leider führen die Kirchen "interreligiöse Dialoge" mit Islamvertretern und -vereinen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden - also mit eindeutigen Islamisten. Da wird auch nicht kritisch nachgefragt. Es ist ein Trauerspiel - die Kirchen spielen hier keine gute Rolle. Und sie könnten es besser wissen, denn - wie ich weiß - werden sie regelmäßig darauf hingewiesen, dass sie die falschen Ansprechpartner haben. Auf dem Ohr sind sie aber taub. Wirklich liberale Muslime - wie Abdel Hakim Ourghi und Seyran Ates stehen unter Polizeischutz, weil sie von konservativen Muslimen und Islamisten verfolgt werden. Die Kirche positioniert sich hier nicht. Die feiert Iftar mit Moscheen, die dem islamistischen Spektrum zuzurechen sind und die genau diese Reformbewegungen unterdrücken und deren Vertreter verfolgen - um es mal drastisch auszudrücken. Das ist natürlich auch eine Positionierung., aber keine gute - und ich habe dafür absolut kein Verständnis.

Über theologische Fragen - etwa Exegese von Bibel oder Koran - äußere ich mich hier nicht - auch da wird viel durcheinander gebracht... Bei Interesse führe ich gern eine diesbezügliche Konversation.

Beobachter schreibt:
31. Mai 2018, 8:34

Liebe Susanne, leider wird ja immer wieder versucht, uns den Koran schönzu reden. Und doch steht fest, der Islam ist keine friedliebende "Religion". Im Loran wimmelt es nur von erschreckend vielen Aufrufen zu brutaler Gewalt. Vor allem gegen Christen und Juden. Keine der "späteren" Verse oder irgenein e Art von Hadithen und Ähnlichen heben dies auf!
Ihre Beispiele zeigen ja ganz deutlich auf, wie im Islam mit liberalen "Reformen" umgegengen wird! Das ist ja wieder durch den Koran und sogar Mohamed (https://www.youtube.com/watch?v=xBuZdp5f1IE) selbst begründet!

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