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Glück kann so einfach sein

Lebenskunst: Für viele Menschen hängt das Glück von der Gesundheit und der Erfüllung eigener Wünsche ab. Ein Kind mit Trisomie 21 gilt vielen als Glückshindernis. Doch wovon hängt Glück eigentlich ab?
Von Mirjam Petermann
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© Monkey Business/Fotolia

Der Weltglücksbericht hat kürzlich gezeigt, was für die meisten Menschen Glück ist: das Einkommen, der soziale Zusammenhalt, Gesundheit, die Freiheit der eigenen Entscheidungen. Auch das Bruttoinlandsprodukt galt als Faktor. Deutschland belegt demnach Platz 15 in der Weltrangliste der glücklichsten Länder. »In unserer Gesellschaft glauben viele, dass sich das Glück einstellt, sobald ihre Wünsche in Erfüllung gehen«, sagte der Philosoph und Theologe Chri­stoph Quarch kürzlich in einem Interview. Doch mache das nur kurzfristig zufrieden, aber nicht glücklich.

Menschliche Wünsche sind so umfangreich wie vielfältig. Es gibt viele Ziele, die auf dem Weg zum Lebensglück verwirklicht werden wollen. Die Kontrolle über die Planung und Verwirklichung des Lebens zu behalten, hat oberste Priorität – dafür wird alles getan und das möglichst effektiv.

Jenseits der erfassten Faktoren des Glücksindex ist das Glück in der Realität von viel mehr abhängig. In Gesprächen und beim genauen Hinsehen scheint das, was wir als Glück bezeichnen, ein sehr instabiles Konstrukt zu sein. Zu viele Unsicherheiten tragen dazu bei: das Wetter, aber auch unser Beruf, Hobbies, Urlaube und Beziehungen, die eigene Gesundheit und die unserer Mitmenschen.

Überhaupt scheint die Gesundheit ein Hauptindikator für unser vermeintliches Glück oder Unglück zu sein. Das gilt auch für Menschen mit der Erbgutstörung Trisomie 21. Neun von zehn Schwangeren entscheiden sich bei einer möglichen Erkrankung ihres ungeborenen Kindes dafür, die Schwangerschaft aufgrund dieser Indikation zu beenden. Die Möglichkeiten zur Feststellung dieser oder anderer Krankheiten im Mutterleib nehmen immer größere Ausmaße an. Der Grund: Ein krankes Kind könne kein glückliches Leben führen. Oder das eigene Lebensglück erheblich beschränken.

Geprägt sind unsere Glückserwartungen zu großen Teilen von den Idealen der Konsumgesellschaft. »Je mehr man ihnen folgt, umso unmöglicher wird es, diesen zu genügen«, formuliert Christoph Quarch weiter. In diesem Sinne definieren wir uns als ein »rationaler Egoist, der mit seiner Vernunft und Technik die Welt nach seinen Interessen einrichtet«. Treten Umstände auf, die uns nicht dienlich oder kontrollierbar sind, die uns mit Krankheiten und Unvollkommenem konfrontieren, stellt sich das vermeintliche Unglück ein, das es zu beseitigen gilt.

Es scheint ein Hamsterrad zu sein, dem schwer zu entkommen ist. Denn landläufig herrscht die Annahme vor, dass Glück machbar sei. »Jeder ist seines Glückes Schmied.« Die Fähigkeit, in einer gegebenen Situation glücklich zu sein, hängt also, außer von äußeren Umständen, auch von eigenen Einstellungen und Bemühungen ab. Das setzt uns unter Druck.

In der Bibel ist vom Glück keine Rede. Auch wenn Martin Luther einige Worte im Alten Testament mit »Glück« übersetzt hat, heißt keines wirklich das, was wir mit »Glück« meinen. Und doch lautete die Jahreslosung vor vier Jahren sehr einfach und eindringlich: »Gott nahe zu sein, ist mein Glück.« Diese Variante des Psalm 73,28 entsprach der damaligen ökumenischen Einheitsübersetzung.

Gelingt es, dem stetigen Mühen um das Lebensglück für einen Moment zu entkommen und eine Außenperspektive einzunehmen, scheint in der Tat das einzig Sinnvolle zu sein, was wir aus eigener Kraft tun können, um glücklich zu werden: uns Gott zu nähern. Es befreit uns vom Streben nach immer neuen Zielen und Idealen. Wir können unsere Prioritäten anders setzen, entgegen dem Drang zur Selbst­optimierung.

Gottes Gegenwart stellt die noch so widrigen Umstände unseres Lebens in ein anderes Licht und gibt ihnen eine neue Wertigkeit. In seiner Gegenwart können wir lernen alles anzunehmen, egal wie fehlerhaft, unübersichtlich, ungeplant – und dennoch unser Glück finden.

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1 Lesermeinungen zu Glück kann so einfach sein
Marcel Schneider schreibt:
19. Juli 2018, 16:59

Dem SONNTAG gebührt dafür Anerkennung, dass er es schafft, jede Woche ein neues Titelthema zu bringen, das beim Leser auch ankommt. Wie aufreibend muss es sein, für jede Woche Andachten zu planen, Redakteure zu Themen loszuschicken, einen Fotografen mit dazu, Pressemitteilungen von epd, idea und Co. zu sichten, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, dazu noch Regionales und das Kirchenjahr im Blick zu haben und gesellschaftliche Themen zu spiegeln. Als Leser des SONNTAG kann man doch glücklich sein...

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