15

Begeistert Geld geben

Abgeben: Die Kirche fürchtet sich vor sinkenden Einnahmen – dabei gibt es in der Bibel ein Rezept für das Spenden des Zehnten. Er eröffnet neue Wege. Und froh machen kann er auch.
Von Margitta Rosenbaum
  • Artikel empfehlen:
© Andrei Korzhyts/stock.adobe.com

Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. Wie ernst das ist, kann man bei den Diskussionen zur Strukturreform der Landeskirche erleben. In der St.-Michaelis-Kirchgemeinde in Plauen ist das anders. Wenn man hier nach dem Geld fragt, das die Gemeindeglieder spenden, kommen sie geradezu ins Schwärmen. Sie geben den Zehnten und das mache froh, erzählen sie.

Sie verweisen dabei auf die Bibel und zitieren den Propheten Maleachi. Dort steht, dass Gott Segen in Fülle geben will, wenn man den zehnten Teil der Ernte in den Tempel bringt. »Wir machen das, weil es biblisch ist«, erklärt Ulrich Greiner. Seine Familie hat dafür ein eigenes Konto angelegt. Dort kommen jeden Monat automatisch zehn Prozent vom Gehalt drauf. Sie sind sich einig: Man wird nicht ärmer davon. Im Gegenteil: Sie haben den Eindruck, mehr zu haben. Das hängt wohl auch daran, dass man bewusster mit dem umgeht, was man hat.

Dimitri Wander hat sich selbstständig gemacht. Es war eine heikle Situation. Doch er habe Frieden bekommen, seit er den Zehnten gibt, sagt er. Nun beherrsche ihn nicht mehr die Frage, ob genug Patienten in seine Naturheilpraxis kommen. Er will Gott vertrauen, dass der ihn versorgt.

Mit dem Geld des Zehnten unterstützen die Plauener Christen nicht nur die eigene Gemeinde. »Es macht Freude, zu helfen, wenn jemand in Not ist«, sagt Gudrun Löscher, die schon seit Jahrzehnten nach diesem Grundsatz gibt. Jeder gibt dort, wo es ihm wichtig ist – die einen für den CVJM, anderen für den Lebensschutzverein Kaleb oder das Schniewindhaus.

»Es macht etwas mit dem Herzen und es macht etwas mit der Gemeinde«, sagt Hartmut Kreisig und erklärt, dass man dadurch aus der passiven Haltung heraus in eine aktive Rolle komme. »Dann ist es nicht mehr die Kirche, sondern meine Kirche«, sagt er. Dabei hat er auch die angekündigten Veränderungen durch die Strukturreform im Blick. »Wir geben unser Geld dorthin, wo wir geistliche Nahrung finden. Dann kann jemand davon hauptamtlich angestellt werden«, sagt Verena Bude.

Der Unternehmer Frieder Strobel rechnet vor, dass zehn Personen, die ihren Zehnten geben, das Gehalt für einen Hauptamtlichen einbringen. So sei das bei den Stämmen Israels in der Bibel auch gewesen: Die kamen mit ihrem Zehnten für die Leviten und Priester auf. Der Unternehmer hat das Geben des Zehnten gleich im Gesellschaftervertrag seiner GmbH festgeschrieben. »Eine Steuer ist eine Zwangsabgabe«, erklärt er, »der Zehnte ist eine freiwillige Gabe aus Dankbarkeit. Da liegt Gottes Verheißung drauf.«

Gleichzeitig fragt der Unternehmer Frieder Strobel kritisch nach, ob das Finanzierungssystem der Landeskirche dem entspricht, was die Bibel mitgegeben hat. »Lässt sich die Kirche vom Heiligen Geist regieren oder vom Kirchenkonto?«

Mit ihrem Zehnten wollen diese Plauener Christen ihre Gemeinde in der Strukturreform unabhängig erhalten. Sie sind der Meinung, dass die Finanzierung nach Mitgliederzahlen nicht zielführend ist. Es sei besser, sich an den aktiven Mitgliedern oder an den Gottesdienstbesuchern zu orientieren.

Überhaupt ist man hier der Meinung, dass die Kirche besser in Menschen statt in Gebäude investieren sollte. »Die Frage nach dem Zehnten wird an Bedeutung gewinnen, weil es in Zukunft ans Eingemachte geht«, sagt Cornelia Greiner vom Kirchenvorstand der Plauener St.-Michaelis-Gemeinde und ergänzt: »Mit dieser Methode haben wir es selbst in der Hand, was aus unserer Gemeinde wird.« Wenn jeder den Zehnten gibt, ist für jeden gesorgt, davon ist sie überzeugt.

Umfrage
Sollten zehn Prozent des Einkommens an die Kirche fließen?
Sollten zehn Prozent des Einkommens an die Kirche fließen?

Ihre Stimme wurde erfasst!

Diskutieren Sie mit

15 Lesermeinungen zu Begeistert Geld geben
Britta schreibt:
22. August 2018, 17:07

"Der Unternehmer Frieder Strobel rechnet vor, dass zehn Personen, die ihren Zehnten geben, das Gehalt für einen Hauptamtlichen einbringen." Welche Art Unternehmer ist Herr Strobel denn? Denn seine Rechnung läßt nicht auf Unternehmergeist schließen.
Wenn der Zehnte vom Nettogehalt geht, dann kann von 10 Gebern nie und nimmer ein Hauptamtlicher finanziert werden, da die ganze Sozialabgabenlast incl. sog. Arbeitgeberbeitrag noch dazu zu rechnen ist. Da bleibt nämlich für den Hauptamtlichen nicht viel übrig. Soll der Zehnte aber vom Bruttolohn sein, so bleibt für den Geber nicht allzuviel übrig, konsequenterweise müßte dann ja auch der "Arbeitgeberbeitrag" hinzugerechnet werden.
Ansonsten ist die Abgabe von 10 Prozent für konkrete Projekte durchaus richtig, aber nicht pauschal, denn für vieles sind eigentlich Steuermittel gedacht, die ja nicht nur 10% ausmachen.

Marcel Schneider schreibt:
23. August 2018, 11:42

Hallo Britta,

also 10 % vom Brutto finde ich konsequent. Wenn schon, denn schon. Aber die meisten geben es bestimmt vom Netto.
Aber das mit "Der Unternehmer Frieder Strobel rechnet vor, dass zehn Personen, die ihren Zehnten geben, das Gehalt für einen Hauptamtlichen einbringen" ist im Text missverständlich ausgedrückt. Herr Strobel meint bestimmt das Gehalt ohne die Arbeitgeberbelastung. Es gibt noch einen zweiten Artikel dazu, der heißt "Abgeben verändert". Dort ist die Rede davon, dass 12 Familien, die ihren Zehnten geben, einen Gemeindepädagogen finanzieren können. Das müsste hinkommen: wenn die Familie 3.000 Euro netto hat und davon 10 % abgibt, mal 12, kommen 3.600 Euro zusammen. Wenn der Gemeindepädagoge 3.000 Euro brutto verdient, ist die Belastung für den Arbeitgeber mit SV und U1 und U2 3.6000 Euro, es wird also refinanziert.

Anke Ebersbach schreibt:
24. August 2018, 19:01

Liebe Britta, ich habe trotz aller Rechnerei, hin oder her, die Erfahrung gemacht, dass unsere menschlichen Rechnungen dabei gar nicht aufgehen. Auch wenn die Mathematik eine Wissenschaft ist, die von Gott kommt, Gottes Finanzprinzip geht immer auf. Es ist völlig unerheblich, ob ich den Zehnten vom Brutto oder Netto gebe oder mich aufgemacht habe, überhaupt etwas zu geben. Es liegt Segen darauf und am Ende staunt man immer, wie das jetzt so funktioniert hat. Ich kann nur allen Mut machen, es einfach mal auszuprobieren. Es wird nichts fehlen, sondern es wird im Gegenteil etwas dazu kommen. Manchmal, nicht immer, ist das in Euro nachrechenbar. Ich bin in vielen Bereichen meines Lebens ein Kopfmensch und war sehr skeptisch, aber mein Mann und ich haben uns dazu entschieden, den Zehnten zu geben und spüren den Segen, der darauf liegt. Hab Mut. Natürlich funktioniert das Prinzip auch im größeren Kreis. Wenn auch eine Gemeinde den Zehnt von Ihren Einnahmen gibt, dann funktioniert das auch mit der hauptamtlichen Stelle. Segen kann fließen. LG aus dem schönen Vogtland.

Marcel Schneider schreibt:
25. August 2018, 18:39

Hallo Anke, ich kann Ihnen nur beipflichten, was den Segen des Gebens angeht. Gerne will ich hier ein aktuelles Zeugnis geben.
Wir machen gerade Urlaub in Berlin. Wir haben lange nach einer bezahlbaren Unterkunft gesucht, die familienfreundlich ist und zentrumsnah. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben hatten, fanden wir das Gästehaus der Stadtmission Berlin, direkt am Hauptbahnhof. Sehr, sehr preiswert. Aus Dankbarkeit entschieden wir uns, die Differenz zu dem regulären Hotelpreis, den wir sonst bezahlt hätten, der Stadtmission Berlin zu spenden, für die Arbeit mit Obdachlosen. Gespart haben wir da zwar nun am Ende nichts, aber wir haben gegeben!
Und dann kam der Segen Gottes zu uns: als wir an der Rezeption ankamen, wurde uns verkündet, dass bei der Buchung ein Fehler unterlaufen ist und uns zu viel Geld in Rechnung gestellt wurde. Wir erhielten an der Rezeption einem Geldbetrag zurück und für mich war in dem Moment klar: hier wirkt Gott. Wer gibt, dem wird gegeben. Wir haben reichlich gegeben und reichlich empfangen.

Johannes schreibt:
27. August 2018, 16:46

Liebe Britta,

wenn 10 Leute mit 3.500 Brutto ihren Zehnten geben, sind das 3.500 € brutto, - Ich als Gemeindepädagoge habe ca. 1,500 € netto bekommen. Meint Du nicht, dass mit 2.000 die Sozialabgabenlasst zu stemmen ist? (Und die angenommenen 3.500 € sind bestimmt nicht zu hoch gegriffen; wenn jemand z.B. 60.000 € jährlich brutto hat - was es ja geben soll - sind das 5.000 brutto im Monat). Also: Mit der Zehnten-Brutto-Rechnung wäre schon Personal zu finanzieren.

Wenn Du schreibst, dass für vieles eigentlich Steuermittel gedacht sind, die ja nicht nur 10 % ausmachen: Welche Steuer meinst DU: die Kirchensteuer beträgt ungefähr 10 % der Lohnsteuer, also weniger als 1%. Wenn Du die Steuern an den Staat meinst: Was von staatlichen Steuermitteln fließt in die Kirche außer z.B. Pflegekosten an Heime und Krankenhäuser: Das ist nicht mehr, als jede Einrichtung bekommt, weil es sie für den Betrieb brauchst. - Falls Du die Staatsleistungen meinst, die durch den Reputationshauptschluss der Kirche zufließen: Sie sind Entschädigungen für Enteignungen von Klöstern u. ähnlichem, die sonst zur Finanzierung von Kirchenaufgaben gedient hätten. Meinst Du, die sollten eingestellt werden, obwohl sie zu keinerlei Luxus führen, sondern der Bewältigung alltäglicher sozialer Aufgaben dienen?

Mit freundlichem Gruß

Johannes Lehnert

Beobachter schreibt:
28. August 2018, 7:56

Frage: Verdient man im Osten als Gemeindpädagoge wirklich soviel weniger? Ich kenne von hier ganz andere Zahlen!

Johannes schreibt:
29. August 2018, 10:22

Lieber Bruder Beo,

damit Sie es genau wissen:
Mein letztes komplettes Dienstjahr war 2006 (ich nehme dieses, weil ich da auch das komplette Jahresbrutto ablesen kann). Nun die Zahlen meines Gehaltes nach 42 Dienstjahren in Vollzeit (und vorhergelaufenen 4 Jahren Studium): netto 1543 €, brutto 2782 €, Jahresbrutto 25049 €.

Sind Sie nun zufrieden?

Mit freundlichem Gruß

Johannes Lehnert

Marcel Schneider schreibt:
22. August 2018, 20:58

Schon wieder überrascht mich der SONNTAG mit diesem Titelthema. Mit dem "Zehnten" hätte ich nicht gerechnet. Das Thema hätte ich eher im freikirchlichen Spektrum verortet.
Als ich vor vielen Jahren mal für etwa 10 Monate Mitglied einer charismatischen Freikirche war, war das Thema "Zehnter" oft dran, sehr oft. Gefühlt ging es in fast jeder 2. Predigt darum. Na klar, die Gemeinde lebt nur davon. Von den Kirchensteuern bekommt sie nichts ab.
Im Vorraum der Gemeinde gab es sogar einen Geldautomat! Ich fand diesen Druck zu hoch. Es sollte freiwillig gegeben werden.
Ich wohne in Dresden und gehöre zu Gemeinde, wo die ganz Reichen wohnen: Blasewitz.
Trotzdem zahlen bei uns nur etwa 33 % (nach Mahnung im September) der Gemeindeglieder Kirchgeld. Das verwundert und empört mich. Trage ich im April die Kirchgeldbescheide aus, zahlen etwa 20 %. Trage ich im September die Erinnerungen aus, die Mahnungen, sind es noch mal dieselben Straßenzüge und dieselben Häuser. Zwar steht am Briefkasten "Dr." und "Prof." und die Häuser sind Villen, aber Kirchgeld ist deswegen trotzdem kaum zu erwarten. Wer reich ist, ist umso geiziger, so meine Erfahrung, auch wenn das hart klingt.
Wenn man es nüchtern betrachtet, machen etwa 10 % der Gemeindeglieder die Kerngemeinde aus, also die, die regelmäßig zum Gottesdienst kommen und sich engagieren, im Posaunenkreis, im Flötenkreis, als Hauskreisleiter, im Besuchsdienst für Senioren. Die anderen 90 % sind "Karteileichen". Mancher Student darunter tritt dann ganz schnell aus der Kirche aus, wenn er nach dem Studium seinen ersten Job findet und auf dem Lohnzettel sieht, dass er Kirchensteuern bezahlen muss. Beim Geld hört manchmal die Freundschaft auf, auch die mit der Kirche.
Ich finde das sehr bedauerlich.
Die Trias aus Kirchensteuern, Kirchgeld und Kollekte bzw. Spende und Dankopfer ist uns selbstverständlich. Und Zeit spenden sowieso.
Wir geben gerne, aber könnten und würden auch nicht den Zehnten geben.
Da sind die Rücklagen für das Alter und für den Pflegefall, die Rücklagen für den Kauf eines Autos, Rücklagen für die Kinder, Abzüge hier und dort.
Und so wird man in jeder Lebenslage etwas finden, warum es gerade nicht passt, den Zehnten zu geben.
Ich sage es ganz ehrlich: wir, meine Frau und ich, sind zu ängstlich, den Zehnten zu geben. Wir sind nicht vermögend, aber kleingläubig, ja, wir rechnen zu wenig mit Gottes Hilfe und Unterstützung. Vergib uns Herr.
Deshalb sind für uns 10 % vom Brutto, weil nur das wäre konsequent, nicht machbar. Ich bewundere aber alle, die das durchziehen.

Gert Flessing schreibt:
23. August 2018, 11:14

Mich überrascht das Thema nicht.
Es ist aus der Angst geboren. Es ist die Angst, dass die guten Jahre sich neigen und die Statistiker mehr Recht haben, als jene, die hoffen.
Dabei halte ich die Rechnung, die der Herr "Unternehmer" aufgemacht hat, sehr wohl für eine Milchmädchenrechnung. Oder aber er erwartet, was ja, wenn ich manche Tendenzen sehe, möglich ist, das "Hauptamtliche" (welche denn eigentlich?), von einem bloßen Existenzminimum leben.
Wie viele sich dafür finden würden, lasse ich dahin gestellt.
Wie viele "Spender des Zehnten" sich in einer Gemeinde finden lassen, das ist auch sehr fraglich. Denn Herr Schneider hat doch nicht Unrecht, wenn er meint, das jeder auch Rücklagen braucht, für all das, was an Unwägbarkeiten im Leben vorkommen kann.
Nicht immer reicht das Gottvertrauen, das ich selbst als sehr wichtig einschätze, aus.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
23. August 2018, 13:12

"»Wir geben unser Geld dorthin, wo wir geistliche Nahrung finden. " Das genau ist der Punkt!

Seiten

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Chemnitz
  • Seniorentreff
  • Gemeindezentrum Markersdorf
  • , – Dresden
  • Vortrag und Gespräch
  • Frauenkirche
  • , – Leipzig
  • Lesecafé
  • Offener Seniorentreff der Ök. Sozialstation
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Vor 80 Jahren starb Ernst #Barlach – »Gott verbirgt sich hinter allem, und in allem sind schmale Spalten, durch die… https://t.co/VcEgT5xxNr
vor 4 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Laufen gegen Rechte: Am Sonnabend in #Ostritz https://t.co/fBw269KnUL
vor 4 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Erinnerung an den #Herbst89 – in @StadtLeipzig kamen gestern Abend rund 15 000 Menschen zum Gedenken. https://t.co/Plh5ZOr37U
vor 5 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Bundespräsident #Steinmeier besucht die Lausitz und dort unter anderem #Ostritz und #Großhennersdorf https://t.co/pgFutNPpdp
vor 10 Tagen