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Ein Leib, viele Glieder

Kirchentag: Vom 19. bis 23. Juni findet der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag in Dortmund statt. Über 100 000 Christen werden ihren Glauben feiern und über Gott, die Welt und das Klima diskutieren. Doch ohne die vielen Helfer ginge gar nichts. Wir stellen vier von ihnen vor.
Von Ulrike Greim
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Hunderte helfende Hände: Fast 100 Mitarbeitende und Helfer des Kirchentages rund um Generalsekräterin Julia Helmke (M.) haben Anfang Mai die Programmhefte für die Teilnehmer verschickt. © Foto: epd-bild / Friedrich Stark

Christian zum Beispiel. Er arbeitet mit Menschen mit geistiger Behinderung. Durch sie hat er gelernt, Dinge verständlich zu erklären. Er übersetzt Texte des Kirchentags in leichte Sprache und hat sich mit darum bemüht, dass Veranstaltungen auf dem Kirchentag in leichter Sprache stattfinden, damit seine Leute auch gut mitkommen. Übrigens auch die internationalen Gäste – und natürlich: Kinder.

Michael zum Beispiel. Er hat dafür gesorgt, dass der Kirchentag eine Veranstaltung für alle ist. Dass zum Beispiel an den Tischen öfter mal ein Stuhl weggelassen wird, damit ein Rollstuhlfahrer problemlos dazukommen kann. Er hat das »Zentrum Barrierefrei« des Kirchentages mit erfunden. Dort können Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen ankommen, ausruhen und Hilfe finden. Gehörlose finden ihre Dolmetscher, Sehbehinderte eine Helferin, die sie begleitet, und die mit Zöliakie erfahren, an welchem Tisch es im Abschlussgottesdienst glutenfreie Oblaten gibt. Der Kirchentag ist – auch dank Michael – die zweitgrößte Veranstaltung für Behinderte, gleich nach den Paralympics.

Jobst zum Beispiel. Er ist einer, der ganz leise und unglaublich geduldig in allen Gremien immer wieder den Finger hebt und sagt, es wäre doch mal ein Zeichen, wenn der Kirchentag noch mehr für das Klima tun würde: alle Lebensmittel bio und regional einkaufen. Ja, auch für 120 000 Menschen geht das. Alle Materialen recyceln: alte Fahnen werden Taschen, Papier wird zweimal verwendet, es hat ja eine Rückseite. Und aus übriggebliebenen Kirchentagsschals kann noch Bettwäsche werden. Die Helferinnen und Helfer nutzen eher Lasträder als Autos. Der Strom ist bereits zu 80 Prozent Ökostrom und Kaffeesahnedöschen gehen gar nicht.

Gerhard zum Beispiel. Er leitet das Internationale Zentrum. Dort kommen 4000 Gäste aus 80 Ländern von allen Kontinenten an. Teils nach tagelanger Reise. Die sind zum Beispiel genervt, weil bei zwei Leuten aus ihrer Gruppe die Pässe eingezogen wurden und die jetzt noch irgendwo in einem afrikanischen Flughafen sitzen. Ob man da nicht etwas machen könne. Gerhard hat ein großes Herz und viel Erfahrung. Er managt das – zusammen mit einem eingespielten Team von rund 80 Helferinnen und Helfern. Die nehmen sich – wie Gerhard, der Unternehmensberater ist – eine Woche Urlaub, um hier sein zu können und alles schön vorzubereiten und dann »ihre Internationalen« herzlich in Empfang zu nehmen. Weil es so einmalig ist. Weil es so etwas sonst nicht gibt. Auch, dass man nach fünf Tagen mit sehr kurzen Nächten sonntags auf einer Wiese mit 100 000 anderen in der prallen Sonne steht, fromme Lieder singt und einem die Tränen rollen, weil es einfach so stark ist. Dann setzt Gerhard seine Sonnenbrille auf.

Denn es ist anrührend, dass sich wirklich alle auf dieser Wiese treffen, in Dortmund im Stadion: die vielen Posaunenbläser, die Promis, auf die die Kameras halten, der orthodoxe Patriarch mit seiner beeindruckenden schwarzen Haube und dem dicken Goldkreuz, die vielen Klugen, die in den 2000 Veranstaltungen über Gott und die Welt nachgedacht haben und die Hakas (Helfer vom »harten Kern«), die Klohäuschen quer durch die Stadt zu den großen Konzerten gefahren oder tausende Papphocker gefaltet haben, und für die der Kirchentag das größte Geländespiel des Jahres ist. Dann ist es gut, einfach ein Teil von ihnen zu sein.

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