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Für eine menschliche Demokratie

Das veröffentlichte Gespräch »Stadt, Land, Volk« zwischen Michael Wolffsohn und Michael Bröning ist leider kein Streitgespräch
Matthias Caffier
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Anliegen des Buches »Stadt, Land, Volk« sei es, so der Journalist und Moderator dieses Streitgespräches, Reinhard Bingener, Fragen des rasanten Wandels unserer Zeit zu diskutieren, wie sie sich unmittelbar und konkret vor Ort stellen. So solle herausgefunden werden, ob die Demokratie in Europa tatsächlich in der behaupteten Krise steckt und was das für die Zukunft unserer Gesellschaft bedeutet.

Die »linke Ecke« wird dabei von Michael Bröning (42) besetzt, Politologe und Referatsleiter der Friedrich-Ebert-Stiftung; ihm gegenüber steht der deutsch-jüdische Historiker und Publizist Michael Wolffsohn (72). In der Analyse der westeuropäischen Demokratien sind sie sich weitestgehend einig: In vielen Ländern ist sie destabilisiert und wird derzeit mehr von Stimmungen als von Stimmen der gewählten Volksvertreter beherrscht. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, einen allgemeingültigen Werterahmen mittels einer repräsentativen Demokratie zu verwirklichen. Dafür aber benötigen wir, so Wolffsohn, »andere bzw. veränderte Parteien« und mehr bundesstaatliche Strukturen.

Bröning verweist auf die weltweite Bedeutungszunahme der Religion außerhalb von Deutschland, zum Beispiel in der Türkei und Teilen von Westafrika – auch als Reaktion auf die allgemeine Verunsicherung in einer stark sich verändernden Welt.

In diesem Zusammenhang nimmt die »Epochenfrage Migration« – so die Überschrift eines zentralen Kapitels – breiten Raum ein. Bröning plädiert zwar für ein »Ja zur Migration«, versieht das aber mit der wichtigen Einschränkung, dieses Ja müsse mit einem »Ja zur Begrenzung von Migration« korrespondieren.

Eine zentrale Position in diesem Gespräch kommt dem Thema Heimat zu. Wolffsohn insistiert auf die Subjektivität des Begriffes, um anschließend festzustellen: »Die Rückwendung zum Begriff Heimat ist kein Politikersatz. Sie ist Ausdruck dafür, dass Menschen Schutz und Geborgenheit wollen« – und zwar hier und heute. Dafür habe der (National-)Staat zu sorgen. Dem folgt ein Ausflug zur notwendigen Umgestaltung der EU als eine »europäische Konföderation« (Bröning). Um dieses Ziel zu erreichen – da sind sich beide sehr einig –, müsse die bestehende Demokratie verteidigt und zu einer menschlichen Demokratie weiterentwickelt werden, um den Bürgern das Gefühl zu vermitteln, dass sie deren Mitgestalter sein können, ja müssen.

Trotz aller Defizite glauben die beiden Diskutanten an die Zukunft unserer Demokratie, auch weil keiner eine bessere kennt. Kein wirklich streitbares Buch, aber eines voller anregender Gedanken zu den Themen unserer Zeit.

M. Bröning; M. Wolffsohn: Stadt, Land, Volk. Ein Streitgespräch über die Zukunft der Demokratie. Edition Chrismon 2019, 168 S., 14 Euro.

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