Digitale Gemeinde

Fluch oder Segen? Immer mehr Menschen nutzen digitale Medien und kommunizieren über verschiedene Netzwerke. Auch Kirchgemeinden sind zunehmend online, je nachdem wie aktiv ihre Mitglieder hier sind. Dabei kann Mission im Internet eine breite Wirkung entfalten und viele Menschen erreichen.
Karsten Kopjar
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Ist die Digitalisierung hilfreich oder müssen wir sie fürchten? Nun, es ist ganz einfach: Immer mehr Menschen leben ganz natürlich digital vernetzt. Nicht nur die jungen Wilden, sondern auch Menschen zwischen 30 und 50 und perspektivisch irgendwann quasi alle. Das Internet wird zum natürlichen Bestandteil unseres Lebens indem wir Informationen abrufen, Bahntickets und Urlaub buchen, Nachrichten austauschen und Medien konsumieren. Die Frage ist also nicht, ob wir als Kirche das wollen, sondern es ist eine Entwicklung, die wir beobachten und zu der wir uns verhalten müssen.

Und ganz natürlich haben Gemeinden angefangen, Internetseiten als »digitalen Schaukasten« zu gestalten, gute Infos bereitzustellen und so Menschen anzusprechen, die nicht am Gebäude-Schaukasten vorbeilaufen und doch mit der Gemeinde verbunden sein wollen. Als nächsten Schritt gibt es Pfarrpersonen mit Facebook-Profil oder Gemeinden mit Facebook-Seite oder Gemeindeaustauschgruppen. Statt nur zu informieren, geht die Kirche in Dialog, kommt mit Menschen ins Gespräch und stellt sich so auch kritischen Meinungen. Schnelle Infos auf Twitter, Bilder auf Instagram oder Videos auf YouTube können Menschen digital erreichen. Einige Gemeinden sammeln digital Gebetsanliegen oder lassen sich per tellonym anonyme Anfragen schicken, die dann öffentlich beantwortet werden. Und gut ausgearbeitete Predigten können als Script, Podcast oder Video im Netz ganz neue Zielgruppen erreichen. Die OnlineKirche experimentiert darüberhinaus mit geistlichen Online-Formaten. Eine Andacht, die vor Ort und im Internet funktioniert, ein interaktiver Stationen-Gottesdienst, der Gemeinschaft online erfahrbar macht. Oder ein Instagram-Live-Gebetsabend. Tolle Möglichkeiten, wie Kirche in der digitalen Welt präsent sein kann.

Gleichzeitig muss jeder, der online aktiv ist, sich Gedanken machen, wie viel Zeit man in diese virtuellen Strukturen investiert und ob der Mehrwert diesen Aufwand rechtfertigt. Nicht jeder muss alle Netzwerke bespielen, auch eine reflektierte Entscheidung gegen eine bestimmte Online-Präsenz (und dafür bewusst für einen anderen Weg), kann für die Kommunikation des Evangeliums hilfreich sein. Auch die strittigen Fragen zum Thema Privatsphäre und Datenschutz sind zu bedenken. Einige der beliebtesten Online-Netzwerke bekennen sich in den AGBs offen dazu, dass sie Nachrichten digital filtern, analysieren und inhaltssensible Profile anlegen. Wer über einen Tunesienurlaub schreibt, bekommt vielleicht passgenaue Reisewerbung angezeigt oder wer sich über Kinderwagen informiert, wird als junge Familie kategorisiert. Was genau diese Profile im Hintergrund über uns wissen, ist nicht immer ersichtlich. Zumindest empfehlen staatliche Stellen und kritische Onliner oft radikale Datensparsamkeit und warnen davor, zu naiv kostenlose Dienste der Mainstream-Netzwerke zu nutzen. Müsste nicht die Kirche auch im digitalen Bereich auf ethische Werte und Rechte der Nutzer achten?

Wir werden als Kirche die Digitalisierung nicht aufhalten, aber wir sollten sie kritisch begleiten, während wir inhaltlich Wege finden, um geistliches Leben im Internet sichtbar und erfahrbar zu machen. Wer sich als Gemeinde online engagiert, wird vielleicht am Ende dadurch auch Menschen in die Gemeinderäume locken. Viel wichter aber: Wir werden mit ihnen in Gemeinschaft leben, die für einige online genauso »echt« sein kann, wie für andere beim Kirchenkaffee vor Ort.

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