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Rücktritt mit Fragezeichen

Landesbischof: Die Ankündigung des Rücktritts löst eine aufwühlende Debatte um Carsten Rentzing aus. Frühere politische Schriften holten ihn ein. Dies und vor allem die zögerliche Kommunikation erschüttern die Landeskirche.
Uwe Naumann
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© epd-bild/Norbert Neetz; Bearbeitung: so

Es begann wohl am 5. Juni, 12.18 Uhr. Da wird in den Lexikon-Artikel zu Carsten Rentzing beim freien Internet-Lexikon Wikipedia ein Satz hinzugefügt: »Während seines Studiums in Frankfurt wurde er Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia im Coburger Convent.« Etwa ein Vierteljahr bleibt dieser Fakt von der großen Öffentlichkeit unbeachtet. Erst Anfang September bittet ein Journalist der Sächsischen Zeitung (SZ) den Landesbischof um ein Interview zu diesem Punkt. Am Freitag, den 13. September, führt Rentzing dieses Gespräch mit der SZ. Er bestätigt seine Mitgliedschaft in der schlagenden Studentenverbindung und einen gehaltenen Vortrag in der »Bibliothek des Konservatismus«, die den Strukturen der Neuen Rechten zugeordnet wird. Noch am gleichen Tag findet die Sitzung der Kirchenleitung statt. Der Bischof aber warnt seine Kollegen nicht vor diesem bisher unbekannten Detail seiner Biografie, das am nächsten Tag seine Kirche in Unruhe versetzen sollte. Erst als diese Information am 14. September Debatten auslöst, wird an einer Erklärung gearbeitet, die der Landesbischof noch am gleichen Tag zu dem erschienenen Medienbericht abgibt. Er sagt unter anderem: »Auch ein Landesbischof war einmal jung und hat sich für Dinge begeistert, die später an Bedeutung verlieren.«

Am 27. September starten Leipziger Christen die Petition »Nächstenliebe verlangt Klarheit«. Den Forderungen der Petition zur Distanzierung von rechten Strömungen versucht Carsten Rentzing nachzukommen. In einem Interview mit der Leipziger Internet-Zeitung (LIZ) Anfang Oktober sagt er: »Aber ganz grundsätzlich muss ich sagen: Mein ganzes Leben lang ist mir nationalistisches, antidemokratisches und extremistisches Denken immer fremd geblieben.« Das ist, wie sich nun herausgestellt hat, ein Widerspruch zu den am 8. Oktober aufgetauchten früheren politischen Schriften Rentzings, die am 12. Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Während Teile der Landeskirche den Bischof nicht verstehen, empören sich andere über die Petition und die darin enthalten Vorwürfe. Die Spaltung wird immer sichtbarer.

Am 8. Oktober erhält der Leipziger Pfarrer Frank Martin, einer der Petitionsführer, nach eigener Aussage Dokumente zugespielt. Es sind Texte aus der Zeitschrift »Fragmente« von 1989 bis 1992. Autor ist Carsten Rentzing, der »nach seiner Glaubensentscheidung«, wie es im Lebenslauf heißt, 1989 mit dem Theologiestudium begonnen hatte. Über diese Texte will Pfarrer Martin mit dem Bischof sprechen. Auch im Landeskirchenamt gehen die Dokumente kurz darauf ein. In einer Kirchenleitungssitzung am 11. Oktober lesen alle Mitglieder darin. Wie das Landeskirchenamt später mitteilt, habe Carsten Rentzing erklärt, die Texte, die die Kirchenleitung als »in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich« einstuft, verdrängt zu haben. Er schäme sich dafür. Später reicht er mit einer knappen Erklärung seinen Rücktritt ein.

Doch die Existenz der problematischen Schriften Rentzings macht das Landeskirchenamt im Zusammenhang mit seinem Rücktritt nicht öffentlich. Auch Carsten Rentzing erklärt am 11. Oktober nur: »Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.« Es sieht zunächst so aus, als hätte die Petition den Landesbischof zu Fall gebracht, was die Landeskirche sofort weiter polarisiert. Erst am 12. Oktober wird die ganze Entwicklung deutlich, dank Journalisten des Westdeutschen Rundfunks. Am 13. Oktober erklärt sich schließlich die Kirchenleitung – und verweist für alle weiteren Schritte auf die nächste Kirchenleitungssitzung am 21. Oktober.

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