Heilschlaf und Dämonen

Träume: Schon immer waren die Traumbilder für die Menschen bedeutsam. Zu verschiedenen Zeiten gab es aber unterschiedliche Auffassungen über ihr Wesen, ihre Herkunft und ihre Deutung.
Von Nadja A. Mayer
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Traum
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Das älteste Zeugnis dafür, dass Träume als göttliche Botschaft verstanden wurden, liefert das Gilgamesch-Epos aus der Zeit um etwa 2700 vor Christus. »Es ruht Enkidu, Traumbilder schaut er. Es erhob sich Enkidu, erzählt seine Träume und spricht zu Gilgamesch«, steht etwa auf den Steintafeln geschrieben, welche die Heldentaten des Stadtkönigs von Uruk, Gilgamesch, erzählen. Das Epos ist der älteste bekannte Bericht von Träumen: Sie sollen den Menschen die Pläne Gottes mitteilen, damit sie sich nach ihnen richten.

Die ersten Ansätze, den Traum als etwas zu verstehen, das aus dem Menschen selbst kommt, stammen aus dem antiken Griechenland. Der Traum war zunächst ein Mittel zur Heilung. Da die Menschen jede Krankheit auf eine göttliche Wirkung zurückführten, konnten Krankheiten wiederum nur durch göttliches Einwirken geheilt werden – und der Traum galt als die einzige direkte Kontaktmöglichkeit mit den Göttern. Es gab in der klassischen Antike das Heilungsritual des Tempelschlafs. Während zu Beginn des rund tausdenjährigen Kultes dieser tatsächlich die Heilung bewirkte, erwachte der Kranke in der Spätzeit des Rituals nicht mehr geheilt, sondern er erhielt im Traum Anweisungen, um Heilung zu erlangen. Dies machte eine Interpretation durch Traumdeuter nötig. Der frühen Kirche waren diese Rituale ein Dorn im Auge. Christliche Bischöfe wirkten mit, dass die betreffenden Tempel um das Jahr 400 zerstört wurden.

Parallel dazu entwickelte sich in der Antike eine wissenschaftliche Medizin, die mit dem Namen Hippokrates von Kos verknüpft ist. Hippokrates war der Meinung, dass die Seele im Traum die Krankheitsursache erfassen kann. Der Körper äußere sich selbst in Bildern. Etwa einhundert Jahre nach Hippokrates beschrieb der griechische Philosoph Aristoteles den Traum als Erster auch als Ausdruck der Seele.

Doch die ablehnende Haltung der Kirche gegenüber dem antiken Traumverständnis hält bis in die Neuzeit an. Eine Ausnahme bildet allerdings Bischof Synesius von Kyrene (373–414), der in der Tradition der griechischen Traumlexika ein eigenens Traumbuch herausgegeben und das Führen eines Traum-Tagebuchs empfohlen hat. Doch offiziell wurde dies zunehmend verurteilt.

Im Mittelalter wurde die Wirklichkeit von Offenbarungsträumen betont. Vor allem im Leben der christlichen Heiligen spielten Träume eine wichtige Rolle. Aber auch die nicht von Gott gesandten Träume hatten ihren Platz. Kirchenmänner fühlten sich durch dämonische Träume versucht; Hexen wurden durch Träume entlarvt. Die Menschen des Mittelalters rechneten immer und überall mit dem Wirken von Gott und Teufel. Dies öffnete Tür und Tor für die Erwartung, dass sich diese Kräfte auch der Träume bedienen würden.

Gleichzeitig entstanden lexikonartig angelegte Traumbücher. Das beliebteste war das »Somniale Danielis« mit 716 Traumsymbolen und deren Entschlüsselung. Von seiner Mutter zu träumen, sagte dem Schläfer Sicherheit voraus, ein Traum von einem Esel ließ schwere Arbeit erwarten. Diese Traumdeutung war für das Volk faszinierend genug, sodass sie trotz offizieller Ablehnung der Kirche weitertradiert wurde. Die Kirchenmeinung und das Denken des Volks klafften auseinander. Währenddessen sah die Kirche die Gefahr, dass Träume ein Einfallstor für dämonische Kräfte sein könnten. Nach Thomas von Aquin waren Träume ein Werk des Teufels. Den Beweis sah er in ihrem häufig sexuellen und aggressiven Inhalt.

Die Zeit der Aufklärung missachtete die Träume als bedeutungslose Fantasien. Erst die Romantiker und ihre Nachfahren entdeckten den Traum neu – als Quelle schöpferischer Inspiration. Den Startschuss für die psychologische Traumdeutung gab schließlich Sigmund Freud um 1900.

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