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Das Geschenk Gottes

Weihnachten: Die frohe Botschaft der erlösenden Geburt Jesu Christi wurde zuerst den Hirten zuteil. Es zeigte sich, wie Frieden werden kann.
Von Christoph Kähler
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Warum sehen wir Schäfer auf dem Weihnachtsbild? Natürlich lautet eine erste Antwort: Wir lesen bei Lukas, dass ihnen die Engel erscheinen. Doch warum wenden sich die Engel ausgerechnet zuerst an die Schafhirten? Gab es nicht Bessere wie den frommen Simeon aus der Hauptstadt Jerusalem oder die Prophetin Hanna? Die hatten doch ihr langes Leben gerecht und gottesfürchtig geführt, auf die Erlösung gewartet und hätten es wahrlich verdient, als Allererste die große Freude zu erleben.

Die Reihenfolge verblüfft schon und die Gesichter im Gemälde auf dieser Seite unterstreichen das Rätsel noch. Sie gehören einfachen Menschen, Entbehrungen sind ihnen ins Gesicht geschrieben, ihre Finger tragen die Spuren der Arbeit, ihre Kleider passen zum Stall, den Geruch kann man sich vorstellen. Warum also ausgerechnet die Hirten? Sollen sie an David erinnern, der selbst Hirte war, bevor er als König sein Volk hütete? Oder gilt das Gegenteil, dass der Engel sich an Raubeine wendet, die nehmen, was sie kriegen können? Sind also harte Kerle gemeint, die auf einmal weich werden?

Der Maler deutet es anders und erfasst damit die Geschichte gut: diese Frauen und Männer stehen mit ihren abgearbeiteten Gesichtern für »alles Volk«, dem die große Freude widerfahren soll, nicht allein für die Großen und Berühmten und auch nicht nur für die, die ihr Leben im Tempel zubringen. Diese Schafhirten sehnen sich in schlimmen Zeiten nach Frieden. Eigentlich brauchten sie sich nicht davor zu fürchten, dass ihnen ein Engel erscheint. Denn sie müssen sich in der dunklen Nacht wie am hellen Tag gegen Räuber oder wilde Tiere wehren. Sie kennen die Angst vor plötzlichen Überfällen durch Banden oder vor zerstörerischen Kriegen. Auch der Streit untereinander um die besten Weideplätze und um den Zugang zum frischen Wasser ist ihnen nicht fremd. Friedliche Zustände wünschen sie sich in ihrer unmittelbaren Umgebung wie auf der ganzen Erde. Denn der Friede ist gefährdet, kostet Mühe und erfordert einen Herrscher, der Frieden schafft, also einen Heiland.

Doch der Herr in der Stadt Davids, von dem der Engel sprach, liegt gewindelt in einer Krippe; politisch Mächtige sehen anders aus. Erstaunlicherweise vertrauen die Hirten den Boten Gottes, vor denen sie sich anfangs gefürchtet haben, und ihrer Botschaft vom Frieden auf Erden. Der beginnt im Kleinen, also im Stall, mit den Schäfern, die dort zu Hause sein könnten. Aber er breitet sich aus, wenn Menschen im Nächsten das Gotteskind sehen lernen. Die Hirten der Weihnachtsgeschichte sind die ersten, die diese Botschaft verbreiten und dadurch selbst für andere zu Engeln, also Gottesboten werden.

In diesem Jahr dachten wir besonders daran, dass sich bei uns vor 30 Jahren alle Ängste vor einer blutigen Auseinandersetzung – Gott sei Dank – nicht erfüllt haben. Der Umbruch war friedlich und daran hatten viele im In- und Ausland ihren Anteil. Wir erinnerten uns, dass die Suche nach Wahrheit und Frieden klein begonnen hat, ehe diese Botschaft nach außen drang. Dabei dürfen auch die nicht vergessen werden, denen die neuen Verhältnisse schlecht bekommen sind.

Zugleich erleben wir, dass Kriege und Hungersnöte in anderen Ländern dieser Welt Ursachen auch in unserem Land und Wirkungen auf unsere Gesellschaft haben. Ja, wir beobachten in der eigenen Kirche, im eigenen Land und zwischen vielen Staaten zerstörerischen Streit, dessen erstes Opfer die Wahrheit ist. Wer aber wie die Engel singt »Ehre sei Gott in der Höhe«, kann auch wie die redlichen Hirten von sich absehen und auf das schauen, was Gott schenkt. Das wird uns helfen, zuerst zu hören, dann zum Frieden zu raten, Streit zu schlichten und schließlich zu helfen, wo es nötig ist. So werden wir »Menschen seines Wohlgefallens«.

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DER SONNTAG, Nr. 51 | 22.12.2019 Artikel drucken

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