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Kirchgemeinde und Corona: Versammlungs- und Kontaktverbote zwingen alle, sich anders zu begegnen – in der Kirche, im Pflegeheim, auf dem Friedhof. Wie Kirchgemeinden damit umgehen, zeigt ein Beispiel aus Zschopau.
Uwe Naumann
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Althergebrachte Kommunikation: Durch die Kontaktverbote ist Pfarrerin Dr. Claudia Matthes in Zschopau auch wieder mehr auf schriftliche Informationen angewiesen, vor allem um ältere Menschen zu erreichen. © Dirk Trautmann

Dass sie der Seelsorge mal einen Riegel vorschieben muss, hätte sich Pfarrerin Claudia Matthes nicht träumen lassen. Doch in der vergangenen Woche ging es nicht anders: Das Pfarramt in Zschopau musste für Besucher geschlossen werden. »Einige kamen unter irgendeinem Vorwand hierher, wollten aber einfach nur reden«, sagt Matthes. »Der Gesprächsbedarf ist bei vielen Menschen jetzt gerade groß«, weiß die Mutter zweier Mädchen. Das höre sie auch von Ärzten, deren Patienten teilweise nur zum Reden kommen. Doch durch das Coronavirus seien diese direkten Kontakte zu gefährlich. »Ich muss Gemeindeglieder jetzt ermahnen, Gebetstreffen und Besuche zu unterlassen«, so die 34-Jährige.

Wie hoch die Gefahr eingeschätzt wird, zeigen die Ausgangsbeschränkungen in Sachsen. Die Staatsregierung hatte sie am Sonntag erlassen, um die Kontaktverbote umsetzen zu können. Trotzdem dürften Kirchen offen bleiben, heißt es aktuell von der Landeskirche, die sonntags im Internet einen Gottesdienst aus Sachsen live zeigt. Seelsorge in Pfarrhäusern sei weiter möglich, auch noch in Pflege- und Seniorenheimen, heißt es.

Kürzlich war auch Claudia Matthes am Seniorenzentrum. Mit Kantorin Carola Kowal hat sie vor dem Haus einen musikalischen Gruß auf Posaunen überbracht – statt des regulären Gottesdienstes. Bis ins umliegende Neubaugebiet hätten Menschen zugehört, erzählt sie von einer positiven Nebenwirkung. Im Internet sind Fotos davon zu sehen. Auch zwei Musikvideos von Liedern für den vergangenen Sonntag auf der Zschopauer Orgel sind online. Denn die junge Pfarrerin hat der Gemeinde eine eigene Facebook-Seite eingerichtet, um digital aktuell und in Kontakt bleiben zu können.

Doch nicht alle in der Gemeinde seien digital erreichbar. So versucht Claudia Matthes neben Telefon und einer sonntags geöffneten Kirche auch noch auf anderen Wegen, Seelsorge anzubieten und Kontakt zu halten. »Ich habe allen älteren Gemeindegliedern einen Brief geschrieben«, sagt die junge Pfarrerin. Dabei gehe es um persönliche Ansprache, aber auch um Hinweise, die Tage durch Losung-Lesen oder stille Zeit zu strukturieren. »Wir dürfen die Menschen jetzt nicht allein lassen«, sagt Claudia Matthes.

Die Schaukästen würden deshalb häufiger aktualisiert, Zettel für Hausandachten verteilt. Möglicherweise übernehmen Pfarrer im Ruhestand die Telefonseelsorge. »Wir suchen noch nach Wegen, die Menschen zu erreichen«, berichtet die promovierte Theologin.

Einschneidend seien die Veränderungen bei besonderen Anlässen. Die Beerdigung vor wenigen Tagen habe nur zehn Minuten gedauert, sagt die Pfarrerin. Nur die kurze Beisetzung am Grab sei möglich, und das auch nur für 15 Menschen. Manche Angehörige dürften deshalb nicht kommen, Trauerfeiern müssten verschoben werden. »Das ist jetzt ein ganz schwieriges Abschiednehmen«, meint Matthes.

Zu Palmarum sollte Konfirmation in Zschopau sein. Der Termin sei auf unbestimmte Zeit verschoben. Und wie die Pfarrerin im ersten Dienstjahr Ostern feiern kann, wisse sie auch noch nicht. Der Gemeindebrief, der jetzt gedruckt wird, stehe deshalb – wie alles derzeit – unter großem Vorbehalt.

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