Bläser der Hoffnung

Posaunenmission: Die Bläser sind in Corona-Zeiten mehr auf Balkonen als in Kirchen zu erleben. Die Sächsische Posaunenmission befähigt die Abendbläser für diese besondere Mission.
Tomas Gärtner
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Minimalbesetzung statt Großereignis: Beim zentralen Bläsergottesdienst in der Kirche Dresden-Loschwitz konnten in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nur die vier Landesposaunenwarte spielen. © Steffen Giersch

Die Blechbläser lassen sich vom Corona-Kontaktverbot nicht entmutigen und suchen nach Alternativen. Abstand zu halten, das ist für sie das geringste Problem. Zahlenmäßige Beschränkung aber schon. Am deutlichsten wurde das zuletzt beim zentralen Bläsergottesdienst. Weit über hundert der insgesamt rund 6000 Instrumentalisten in mehr als 400 sächsischen Posaunenchören kommen sonst. Etwa 300 seien es vergangenes Jahr in Zwickau gewesen, sagt Frieder Lomtscher, Geschäftsführer der Sächsischen Posaunenmission.

Eigentlich war in diesem Jahr Frankenberg als Veranstaltungsort vorgesehen. Doch die St. Aegidienkirche wäre für die Corona-Minimalbesetzung zu gewaltig gewesen. Deshalb wurde er am Tag zuvor in der kleinen Elbhangkirche in Dresden-Loschwitz aufgezeichnet. Lediglich 15 Beteiligte, inklusive Kamerateam, durften ihn gestalten. Unmöglich, ihn ausfallen zu lassen, sagt Frieder Lomtscher. »Wir wollten, dass diese Tradition auch unter den derzeitigen Ausnahmebedingungen nicht unterbrochen wird.« Das eigentliche Anliegen freilich hätten sie damit nicht realisieren können: Musiker bei einem großen Gemeinschaftserlebnis für die Arbeit an ihren Wirkungsstätten zu ertüchtigen.

Gleichwohl versucht die Posaunenmission ihre Mitglieder zu befähigen, trotz Einschränkungen vernehmbar zu sein. So hat Komponist Traugott Fünfgeld zu Beginn der Beschränkungen eine Notensammlung mit sieben bekannten Liedern herausgegeben, die für das ein- oder zweistimmige Blasen umgeschrieben wurden. Normalerweise betehen die Stücke aus vier Stimmen. Nun können die Bläser auch allein oder zu zweit spielen. Damit das nicht nur Sopran und Tenor, sondern auch Alt und Bass möglich ist, hat er sie in drei Tonarten gesetzt. »Wir freuen uns, dass wir diese Alternative haben und nicht in Schockstarre verfallen«, sagt Frieder Lomtscher. Er selbst hat es zu Ostern ausprobiert und vor seinem Haus in Marbach mit seiner Frau nach der Gottesdienstübertragung »Christ ist erstanden« geblasen. Umgehend seien einige Nachbarn neugierig nähergekommen. »Normalerweise ziehen wir uns Ostern in unsere Kirche zurück. Aber diesmal haben wir Leute erfreut, die dort nicht hinkommen.«

Maria Döhler, einzige Frau unter den vier Landesposaunenwarten, fragen schon die Nachbarn, wann sie wieder spiele, wenn sie es mal an einem Abend nicht auf ihre Terrasse in Dresden schafft. Ihr Trompetenklang trägt weit. »Wir erreichen in der Nachbarschaft neue Zuhörer aus allen Schichten.« Wie alle Abendbläser hofft sie, dass die untereinander Sicherheitsabstand halten. Sie freut sich über die Resonanz und bangt zugleich, einen Auflauf zu verursachen. Besonders dankbar seien die Leute für Volkslieder. »Ich kann ihnen aber auch erklären, was ein Kirchenchoral ist«, sagt Landesposaunenwart Tommy Schab. Beim ersten Auftritt auf seinem Balkon habe er noch gefürchtet, die Nachbarn zu belästigen. »Doch jetzt öffnen sie pünktlich ihre Balkontüren.«

Ina-Maria Vetter vom Posaunenchor Sebnitz bläst regelmäßig 18 Uhr zu zweit. »In den Häusern und Gärten ringsum stehen die Leute und warten schon«, berichtet sie. Und Ronny Seidel, Kantor in Drebach, berichtet: »Oft unterhalten wir uns von Haus zu Haus musikalisch. Das ist total schön.« Selbst Mitbläser, die sonst nicht zu den aktivsten zählen, ließen nun ihr Instrument erklingen.

Landesposaunenpfarrer Christian Kollmar hat sich ebenfalls am Ostersonntag auf seinen Balkon in Dresden gestellt. »Die Nachbarn haben geklatscht.« Da sie ihn baten, wieder so ein »Konzert« zu geben, mutmaßt er, dass es Kirchenferne sind. Musizieren stärke den Lebensmut, sagt er in seiner Predigt im Bläsergottesdienst. Und er ruft dazu auf, diesen musikalischen Lebensmut vor allem unter die Fenster der Altenpflegeheime zu tragen, wo die besonders hart Betroffenen ausharren. »Sollten es auch nur zwei Bläser oder eine Kleinstgruppe sein – gehen wir vor die Seniorenheime und diakonischen Einrichtungen und spielen unsere Hoffnungslieder.«

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