Uns fehlt die Berührung

Von Olaf Schmidt
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Kürzlich hat unsere Kirchenvorstandssitzung wieder mit leibhaftiger Anwesenheit stattgefunden. Das ist ja erlaubt, und eine Mehrheit des Vorstands wollte es so. Kein Wunder: Videokonferenzen sind anstrengend. Auf Bildschirmen versuchen wir, die Körpersprache der anderen zu lesen. Wir blicken einander nicht in die Augen, starren dafür das eigene Spiegelbild an. Uns fehlt die körperliche Nähe.

So richtig überzeugt hat uns die analoge Lösung allerdings nicht. Denn selbstverständlich mussten Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Also saßen wir weit voneinander entfernt in einem großen Stuhlkreis. Körperlich anwesend, aber auf Distanz. Durch den Mundschutz war vom Mienenspiel des Gegenübers nicht viel zu erkennen. Außerdem beschlägt dauernd die Brille. Berührungen mussten weiterhin unterbleiben.

Auch Jesus hat einmal ein Kontaktverbot ausgesprochen. »Noli me tangere!«, sagt er im Johannesevangelium (20,17) zu Maria Magdalena, als sie den Auferstandenen erkennt und (vermutlich) umarmen will: »Rühr mich nicht an!«. Die lateinische Übersetzung ist ungenau; im griechischen Original steht: »Halte mich nicht fest.« Noch ist Jesus nicht zum Vater aufgefahren. Er darf sich nicht aufhalten lassen; eine Umarmung würde die Heilsgeschichte verzögern. Die Stelle bleibt ein wenig rätselhaft. Jedenfalls zeigt die Begebenheit mit dem Zweifler Thomas kurz darauf, dass der Auferstandene mit körperlicher Berührung grundsätzlich kein Problem hat. Es gibt aber Situationen, in denen wir darauf verzichten müssen.

Gewiss: Live-Stream oder Videokonferenz ersetzen nicht die leibhaftige Begegnung. Aber die digitalen Medien helfen uns, die Zumutung des »Rühr mich nicht an« in Zeiten der Pandemie zu ertragen.

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