Nicht nur die Angst nähren

Von Fulbert Steffensky
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Es ist ein tückischer Frühling gewesen – mit seiner Schönheit und seinem Verderben. Das Virus sät das große Misstrauen gegen das unschuldige Lob des Lebens. Das Misstrauen kann man nicht übersehen, und man hat kein Recht, sich ihm zu ergeben. Die alte Aufgabe der Zuversicht: die Gefahr nicht zu übersehen und ihr endgültiges Recht zu bestreiten. Dorothee Sölle nannte dies: Loben ohne zu lügen.

Dem Coronavirus gegenüber sind wir in Gefahr, unsere Souveränität zu verlieren. Es macht uns hysterisch, indem es uns und unsere Gesundheit als ausschließliches Thema gebietet. Kann man sich dagegen wehren? Kann es eine Art Corona-Fasten geben? Das hieße, nicht jeden Artikel lesen, der mit dem Thema zu tun hat. Nicht jede Sondersendung Corona ansehen und Corona nicht in jedem Gespräch die Herrschaft lassen. Corona verlangt, was alle Götzen verlangen, nämlich dass man Angst vor ihnen hat. Wer Angst hat, sieht nur die Gefahr. Er sieht den Flieder nicht, der gerade blüht. Er hört die Amseln nicht ihre frechen Lieder pfeifen, und er sieht die Flüchtlingskinder nicht, die nach ihren Eltern weinen. Es ist schwer, Meister seiner Ängste zu werden.

An vielen Stellen versuchen wir, Corona zu überlisten. Ich meine vor allem den Trotz und den Trost der Spiele. Unerwartet ist unsere Gesellschaft auch zu einer Welt der Spiele geworden. Leute treten zu einer bestimmten Stunde auf ihre Balkons und musizieren. Noch selten habe ich so viele poetische Texte und Gebete zugeschickt bekommen wie in diesen Wochen. Gedichte, Lieder, Spiele, Gebete riechen schon die Freiheit, die erst unterwegs ist. Wann ist je der Durst nach Freiheit ohne Spiele ausgekommen? Wann ist die Hoffnung ohne die Erinnerung an die Schönheit ausgekommen?

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 25 | 21.6.2020 Artikel drucken Artikel im E-Paper anzeigen
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