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Ein Kind des Ostens

Von Paul-Philipp Braun
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Spielplätze zwischen Plattenbauten, eine Schule des Typs der »Schulbaureihe 80«, eine Werklehrerin, die schon mein Vater als Pionierleiterin hatte, ein entfernter Onkel, der mit dem Trabant durch die Dörfer fuhr. So sah sie aus, meine Kindheit. Ganz normal – zumindest in der Deutschen Demokratischen Republik.

Die aber kenne ich nicht mehr. Erst nach der Wende geboren, habe ich nie ein geteiltes Deutschland erlebt. Von Pioniernachmittagen, Konsumbesuchen und einem Mangel an Südfrüchten weiß ich nur aus Erzählungen. Denn meine Kindheit verlebte ich in dem, was ich gern als Postsozialismus bezeichne. Eine Einordnung, die, ganz wissenschaftlich betrachtet, für die späten 90er vielleicht nicht ganz korrekt ist. Denn Massenarbeitslosigkeit und Markt-Vakuum waren da bereits auf dem Weg der Überwindung. Trotzdem war die DDR noch allgegenwärtig, bestimmte das Denken und Handeln der Menschen. Auch die Heranwachsenden. Die 40 Jahre realexistierender Sozialismus hatten sich festgesetzt, und sie gingen ohne Wende über - auch auf uns, die Kinder derer, die noch zu Pioniernachmittagen gegangen waren und bei denen es nur zu Weihnachten Orangen gegeben hatte.

Als ich mein Studium begann, da verfestigte sich dieser Eindruck. Auch wenn wir alle aus einem Deutschland kamen, die Unterschiede zwischen Ost und West, sie waren da. Und das lag nicht nur am endlosen Missverständnis zu Dreiviertel und Viertel vor. Lange habe ich darüber nachgedacht, was es bedeutet, unter dem Einfluss eines nicht mehr existierenden Staates in einem bestehenden Land aufzuwachsen. Bis heute weiß ich es nicht. Was ich aber weiß, dass ich immer noch irgendwie ein Kind des Ostens bin.

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