Jeder ist ein Friedensstifter

Weltfriedenstag: Trotz wachsendem Unfrieden sollen Christen die Hoffnung auf eine friedlichere Welt nicht aufgeben. Frieden beginnt beim Einzelnen. Eine kleine Anleitung zum Friedenstiften.
Von Renke Brahms
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Oft scheint der Frieden weit entfernt. Der Klimawandel entzieht in vielen Regionen dieser Welt Menschen die Lebensgrundlagen. Das führt zu gewaltsamen inner- und zwischenstaatlichen Konflikten. Das treibt Menschen in die Flucht. Weltweit steigen die Ausgaben für Rüstung und Militär. Spannungen nehmen zu. Der Multilateralismus (die Zusammenarbeit mehrerer Staaten zur Lösung politischer Probleme) ist in einer Krise, nationalstaatliches Denken tritt in den Vordergrund. Die Zahl der Kriege, Konflikte und Krisen nimmt zu.

Viele Menschen wollen dies nicht hinnehmen. Sie engagieren sich für eine bessere friedliche Welt. Doch dieses so wichtige und notwendige Engagement für den weltweiten Frieden lässt aber vielleicht übersehen, dass Frieden auch schon bei jedem Einzelnen anfängt. Und dass wir in unserer unmittelbaren Umgebung etwas bewegen können, um die Gesellschaft und die Welt friedlicher zu machen.

Es fängt damit an, wie wir persönlich auf Krisen reagieren. Wir können uns von der Angst bestimmen lassen oder aber eine realistische Einschätzung zulassen und annehmen und der Hoffnung auf eine Lösung der Krise Raum geben. Wir können uns in Krisenzeiten abschotten und nur auf das Eigene schauen, oder wir können gerade in Krisenzeiten auch den Mitmenschen im Blick haben.

Der Umgang mit der Corona-Pandemie zeigt dies deutlich. Soll uns die Angst davor lähmen? Oder sollen wir nicht besser auf Fachleute und ihre Bewertung hören? Und vor allem nicht den vielen unsinnigen Verschwörungstheorien folgen, die gerade jetzt überall verbreitet werden. Christen stehen hier in einer besonderen Verantwortung, schenkt denn nicht gerade ein Leben aus dem Glauben an Jesus Christus zugleich eine realistische Sicht und eine tragfähige Hoffnung?

Dies betrifft auch den Umgang mit Sprache. Es ist leider deutlich spürbar: Reden und Handeln in der Gesellschaft werden gewaltförmiger, im Umgang miteinander ist immer mehr eine Verrohung zu beobachten. Dabei wissen wir doch selbst: Wie wir übereinander und miteinander reden, das prägt auch unsere gesellschaftliche Atmosphäre. Schon der Jakobusbrief wusste um diese Ambivalenz von Sprache. Dort heißt es: »Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen.« (Jakobus 3,10)

Eine klare Sprache ist durchaus nötig, sie ist hilfreich. Dazu gehört, Ungerechtigkeit und Lüge beim Namen nennen, aber dies nicht verletzend, sondern stets die Würde eines jeden Menschen achtend. Das gilt im Gespräch miteinander und übereinander, das gilt aber genauso im Umgang im Internet in den sozialen Medien. »Hope-speech« statt »hate-speech« sollte das Motto sein: Nicht dem Hass, der Hetze und der Verletzung Raum geben, sondern der gegenseitigen Achtung, trotz unterschiedlicher Meinungen.

Das alles prägt dann auch die Art und Weise, wie wir mit Konflikten umgehen. Das gilt in der Gesellschaft, das gilt aber ebenso innerhalb der Kirche, wo jetzt weniger werdende Finanzmittel und daraus resultierende Verteilungskonflikte für Auseinandersetzungen sorgen werden. Konflikte gewaltfrei angehen, das ist gerade jetzt wichtig. Und da kann jede und jeder einen Beitrag leisten.

Es bleibt weiterhin notwendig, sich für gewaltfreie Lösungen in den großen Konflikten und Kriegen dieser Welt einzusetzen, ebenso gegen steigende Rüstungsexporte in Krisengebiete, gegen die atomare Bedrohung und die Folgen der Klima-Krise die Stimme zu erheben. Doch darüber sollten wir nicht unsere unmittelbare Umgebung vergessen. Auch hier können wir uns für den Frieden einsetzen. Denn: Frieden fängt bei uns an.

Renke Brahms ist Friedensbeauftrager des Rates der EKD.

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